Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1845)
- Date
- 1845-11-24
- Page
- Seite 706 (sequence 2)
- Language
- German
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706 das Ende erreicht haben. So schrecklich diese Maßregeln jmk> fo.'; tvepben sie doch Nur Vas russische - Ivdenthuw MEM HÄi^tenz aber so lange üoch' kLDAude Lu RuMnd existirt, so lange ist die Absicht nicht " erreicht, und so lange werden die Gewaltschläge nicht aufh'ören. Von der andern Seite sieht man ein, daß alle Versuche, die so strengen und traurigen Befehle zu beseitigen, zu mildern, zu ändern, erfolglos sind — so lange eben die Juden in Rußland selbst sich befinden — denn die, russisch^! Politikläßt ihr Opfer nicht fahren. Wenn sie heute scheinbar nachgiebt, scheinbar mildert, scheinbar umkehrt, hat sie feit gestern schon ein andres Mittel in der Hand, um einen noch größern Schritt zu ihrem Ziele zu thuu, einen noch fürchterlichern Schlag zu führen: unterdeß hüllt sie sich — in den Mantel der Großmuth. Doch hiervon später. Blicken wir zuvor auf die Rolle, die Rußland in der Judenangelegenheit vor Europa spielt. Rußland, so wenig es vor echt asiatischen Mitteln: zurückschrickt, ja so sehr es in so manchen Punkten echtasiatisch ist, will doch vor Europa europäisch scheinen. Die Humanität, von der es gehört, soll auch in seinen Grenzen heimisch geglaubt werden; die Menschenrechte sollen auch in seinen Marken vorherrschend gewähnt werden; und so wenig es alle diese Dinge haben will, so soll doch der — Schein gerettet sein. Wie will es also in der Judensache erscheinen? Von der einen Seite will es Europa glauben machen, daß seine landesvätcrlichen Absichten nur dahin gehen — die Iuden zu bilden! Die rohen, ungebildeten Inden sollen gebildet werden! Dadurch erreicht man den doppelten Vortheil: daß die Regierung gut und edel erscheint, und daß man die Juden hinterher als unempfänglich, unverbesserlich darstellen kann, wo dann die Vernichtungsmaßregeln beinahe gerechtfertigt erscheinen. Von der a Ilde in Seite hebt man die moralischen und politischen Gebrechen der Juden hervor, um Vorwand zu haben, sie in's tiefste Elend zu stürzen. Bald ist es die Schmuggelei, welche sie 50 Werste von der Grenze Ln das Innere ihrer Paar Gouvernements schleudert; bald ist es die Schankwirthschaft, welche'sie vom Lande in ihre'Paar überfüllte Städte stößt; bald ist es Mißbrauch in der Verwaltung, welcher, ihnen ihre einzige Stütze, das Kahal nimmt. Aber'dies Alles ist falsch, und dies ist es insbesondere, was wir beabsichtigen, den letzten Schein zu vernichten, und die Wahrheit in ihrer ganzen Blöße zu Tageslicht zu bringen. •,, Was hat man nicht alles für Schritte gethach,/-um Europa, vom Muhme dtp,,russischen / ReglerHg^ Mßllen — die^Jlst^w lmden z^Ho^en/ cstlf die gräüdiHWWkFe für die Juden BildungMnstalten kreiren zu wollen. Wti'ji ist parUiriunt inonles etc. ein Gegenstand des Lächerlichen — hier besteht der unendliche Hohn darin, daß man von Anfang an Komödie spielte, die Berge kreisen ließ, um nichts Anders als eine Maus, ja nicht einmal eine Maus hervorgehen zu lassen. Man schrieb an alle jüdischen Gelehrten Europa's, man wollte 300 jüdische Lehrer hinziehen, man verlangte deren Atteste, man ließ einen jungen, unerfahrenen, aber mit dem feurigsten Willen gerüsteten Mann das Land bereisen, man berief jüdische Gelehrte nach Petersburg zu jahrelangen Berathungen, man erließ Reglements rc., ja man schrieb — eine Steuer aus, eine neue Judensteuer: und innerhalb sechs Jahren ist mit allem dem noch nicht einmal ein Dorfschulmeister angeflellt, noch nicht einmal eine Kinderderschule in's Leben gerufen — es ist Alles eitel Schein! Lassen wir uns nicht täuschen, und wenn man noch zwanzig andere Schritte thut. Ja, die russischen Juden haben moralische und politische Fehler. Wir brauchen nicht einmal zu crröthen, indem wir es eingesteheu. Denn man bedenke doch nur ein Wenig den moralischen und politischen Zustand des ganzen russischen Volkes, man erwäge die reine Moralität der russischen Leibeigenschaft, in deren Mitte diese Juden leben. Und dann beachte man die politische Knechtschaft, in der sie gehalten, den Druck, der auf sie ausgeübt worden, und der sich immerfort steigert. Und dann sage man doch, was man schon einmal gethan hat, um die Inden zu erheben, um ihnen einen freiern Spielraum zur Entwickelung zu geben. Aber nicht wieder Täuschung, wie mit den Kolonieen, nicht wieder leerer Schein, wie mit all' den bürgerlichen Auszeichnungen und Belohnungen! Und erklärte doch der Finanzmister selbst, daß mit der Entfernung der Juden von der Grenze auch nicht im Geringsten der Schmuggel vermindert werden würde. Also sind alle Vorwände, welche Rußland hinstellt, um seine Vernichtungsmaßregeln gegen zwei Millionen feiner Unterthanen, treuer Unterthauen, denen man im Ganzen nichts" vorwerfen kann, als daß ihre Lasier aus den Lastern des ganzen Volkes und aus ihrer Knechtschaft entspringen, und deren Tugenden bei Weitem die ihrer Umgebungen übertreffen — zu rechtfertigen, nichtig und trügerisch. Europa wisse fortan, daß man hier zwei Millionen Menschen zermalmt, bloß weil sie ihrer religiösen Ueber-