Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 48 (24.11.1845)
- Date
- 1845-11-24
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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IX. Jahrgang. Allgemeine No. 48. Zeitung -es Zndenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redakteur Dr. Ludwig Philippfon, Aabbiner zu Magdeburg. Verlag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Konzession.) Leipzig, den 24. November 1845. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Montags, und wird jährlich 96 Bogen in Quart inkl. des Titels, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit des Zweckes derselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedr.tgmit 3 Thlr. für den Jahrgang; — 1 Thlr. 15 Ngr. (1 Thlr. 12 gGr.) für sechs Monate — 22£ Ngr. (18 gGr.) für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitungsexpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die König!. Sachs, wohllöbl. Zeitungs-Expedition allhier unterzogen. Inhalt. Leitender Artikel: Rußland und die Juden. (Fortsetzung.) Zeitungsnachrichten: Frankreich: Paris. Teras. Deutschland: Braunschweig, aus dem Lüneburgischen, Frankfurt am Main, aus Kurhessen. Preußen: Trier, Lublinitz, Lichtenau bei Paderborn, Berlin. Rußland: St. Petersburg, aus Rußland. Oesterreich: Wien. Korrespondenz: Israelitische Zustande im königgrätzer Kreise Böhmens. Mitgetheilt von M. T. (Fortsetzung.) Leitender Artikel. Magdeburg, den 17. November. Itußland und die Juden. (Fortsetzung.) Wir haben in der vorigen Nummer den Thatbestaud ausführlich dargelegt. Ilebcrklar ist es geworden, daß der einzige Zweck der russischen Regierung ist: die Juden zum Uebertritt in die russische griechische Kirche zu zwingen, und daß hierzu ihr alle Mittel gleich sind. Allerdings stehen hierin die Inden in gleichem Loose mit allen Unterthanen des russischen Reiches, die nicht der russisch-griechischen Kirche angehören, mir den Protestanten in den Ostseeprovinzen und mit den Katholiken in Polen und Rußland. Alle wollen die Machthaber in die Zwingburg ihres Glaubens führen. Allein werfen wir einen nähern Blick auf die sehr verschiedenen Wege, die sie hierbei in Betreff der verschiedenen Konfessionen eingeschlagen. , Die Protestanten sucht man zu locken. Die Zeitungen, selbst die Augsburger Allgemeine, verkünden soeben aus Riga, daß mehr als 10,000 protestantische Bauern bereits in die russisch-griechische Kirche übergetreten sind, weil ihnen größere bürgerliche Rechte und Geldunterstützungen versprochen wurden. Bei den Katholiken hat man insonders — die Prie. ster im Auge; Gewalt und .List werden auf unerhörte Weise angewendet, um die katholische Geisilichkeit zum Abfall zu bringen, oder wenigstens ihr den Mund zu stopfen. Indem man so die katholischen Geistlichen unaufhörlich bearbeitet, glaubt man, wenn man erst die Priester hat, wird die Masse leicht folgen, denn die katholische Masse jener Gegenden hängt ganz und gar an der Leitung ihrer Priester. Die Juden aber — man weiß cs seit Jahrtausenden, daß die Juden durch Verlockung welcher Art sie sei nur in einem sehr unbedeutenden Theile abtrünnig gemacht werden; man weiß es auch — denn die obersten Leiter der russischen Regierung sind sehr scharfsinnig — daß die jüdische Masse durchaus nicht von den Rabblnen abhängt, daß wenn heute hundert Rabbinen genommen werden, morgen andere hundert da sind, ja das der letzte Jude noch sein eigener Rabbiner sein wird — bei den Juden also muss die ganze jüdische Masse behandelt werden, und das einzige Mittel, wenn man zu einem Ziele kommen will, ist— Gewalt, Lurch die maßloses Elend über sie gebracht wird. Hat man dieses erst durchschaut, so sieht man leicht ein, daß wir mit all' den Uebeln, die bis jetzt über die russischen Juden verhängt worden sind, noch lange nicht