Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1845)
- Date
- 1845-11-10
- Page
- Seite 687 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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687 einengte und verkürzte. Seit jener Zeit haben die Israeliten des Landes mit den größten Opfern gestrebt, sich der bürgerlichen Gleichstellung würdig zu zeigen, und die christlichen Mitbürger haben in ihrer überwiegenden Mehrzahl erkannt, daß die Treue des Israeliten an dem alten Glauben seiner Väter ihn nicht verhindert, ein guter Bürger der Gemeinde, ein an König und Vaterland anhängiger Staatsgenosse zu sein. Diese allgemeine Ueberzeugung hat ihren legalen Ausdruck in den übereinstimmenden Beschlüssen der beiden Ständekammern auf dem letzten Landtage erhalten, und wie damit der Regierung Sr. Majestät eine glänzende Rechtfertigung und Anerkennung wurde, so konnten die Israeliten Württembergs nur mit tiefer Dankbarkeit die edle Unparteilichkeit verehren, mit welcher auch die hohe Kammer der Standesherren —übereinstimmend mit der Abgeordnetenkammer — für die Verbesserung ihrer bürgerlichen Lage sich aussprach. Dieser Beschluß eines so hochwichtigen Eheils der Landesvertretung und Gesetzgebung ist ein Ausdruck der humanen und edeln Gesinnungen der Kammer der Standesherren, und wenn die israelitischen Unterthanen des Königs dadurch zu tiefsinnigem Danke gegen diese hohe Versammlung verpflichtet sind, so dürste denselben wol vergönnt werden, Ew. Exzellenz, welche als Berichterstatter in dieser Angelegenheit vorzugsweise zu diesem schönen Ergebnisse mitgewirkt haben, die Huldigung ihrer Gefühle ehrerbietigst darzubringen. Die Verhandlungen der hohen Kammer der Standesherren weisen nach, wie gründlich und erschöpfend und zugleich mit welch' edelm Sinne Ew. Exzellenz unsre gerechte Sache dargestellt und in der Debatte vertheidigt haben. Unsere Angaben und Belege haben Sie, hochverehrter Herr Graf, geprüft und nach gewissenhafter Nachforschung als richtig erklärt; Sie haben als Staatsmann die Ursachen der Gehässigkeit dargelegt, welche den Entwurf der k. Staatsregierung bei der Abgeordnetenkammer des Jahres 1828 so traurig verstümmeln ließ; sowol als Berichterstatter, wie als Mitglied der Standesherrenkammer haben Sie die Humanität, die Sie beseelt, bekundet. Freudig erfüllen wir den uns von unseren Glaubensgenossen im Königreiche gewordenen Auftrag, auszusprechen, wie erhebend diese ständische Wirksamkeit Ew. Exzellenz für dieselben'ist, wie eine solche Thatsache für die Israeliten des Landes einen neuen und Ikräftigen Beweggrund bildet, den weisen Absichten der k. Staatsregierung immer mehr nachzukommen, da sie daraus die Hoffnung schöpfen, daß in Balde auch wirklich eine Verbesserung ihrer öffentlichen Verhältnisse durch die Gnadeeines allverehrten Souveräns, durch die Einsicht einer wohlwollenden Regierung und durch die vereinte Mitwirkung der Stände des Landes zu Stande kommen werde. Ew. Exzellenz besitzen in Ihrer hohen Stellung die ehrenvollsten Zeichen höchster Anerkennungen von allen Seiten: Ihr menschenfreundlicher Sinn läßt uns aber hoffen, daß Sie, hochverehrter Herr Graf, doch auch den bescheidenen und ehrerbietigen Ausdruck der dankbaren Gefühle nicht verschmähen, welche darzubringen sich erlauben im Namen und im Auftrag der Israeliten des Königreichs:" (Folgen die Unterschriften.) Im. September 1845. Leipzig, 3. November. (Privatmitth.) Der bedeutende Erfolg, den der Gottesdienst im neuen, diese Messe eröffneten Betsaale für die leipzig-berliner Gemeinde gehabt — für Stellen und Mizwoth sind 800 Lhlr. eingekommen — hat den Plan, eine allgemeine Synagoge für die deutschen Meßfremden zu erbauen, wieder lebhaft zum Bewußtsein gebracht; neuer Eifer für dieses■ schöne Werk ist vorhanden, und man denkt, daß Michaelis 1848 die Synagoge zur Einweihung fertig sein soll. Oesterreich. Aus Galizien, im Oktober. (Privatmitth.) Das frische, warme, rege, in den deutsch-jüdischen Gemeinden pulsirende Leben, entgegengehalten der Saft und Kraft verzehrenden Lethargie in den unserigen, welch' ein betrübender Kontrast! Dort ein allseitig schaffendes, gottbegeistertes Streben die Höhe der Zeit in moralischer wie szientisischtr Beziehung zu erklimmen, und hier ein heilloses Versenktsein in verkümmernde Mißbräuche, ein krampfhaftes Anklammern an überkommenem Schlendrian, und, was noch trauriger, es ist sobald kein günstiger Umschwung abzusehen. Dieser anomale Zustand laßt sich daraus erklären, daß die Rabbinen, denen— mag auch unter uns kein Unterschied zwischen Laren und Geistlichen stattft'nden — ein großer Einfluß auf