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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-11-10 · Heft 46 (10.11.1845) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 46 (10.11.1845)
Date
1845-11-10
Page
Seite 688 (sequence 8)
Language
German
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688 die Gestaltung ihrer Gemeinden zu jeder Zeit nicht abzusprechen sein dürste, hier zu Lande größtentheilö auf der niedrigsten Stufe der Zivilisation stehen, und während die deutschen Rabbiner mit Feuereifer für eine zeitgemäße Reform in die Schranken treten, unsre Religion von allen im Laufe der Zeit ihr gewordenen Schlacken zu reinigen, und die Unebenheiten zwischen Lehre und Leben thunlichst auszugleichen befiissen sind, stöhnen die unserigen einem schmählichen dolce far mente, und glauben ihren Obliegenheiten genügend nachzukommen, wenn sie zwei Mal im Jahre eine aus vielen unverdaulichen Ingredienzen zusammengebraute Derascha in einem sinnlosen Kauderwelsch abdarschnen, und läßt je Einer sich hören, so'ist's blos um den sich etwa regendem Geist der Zeit zu beschwören. Eine eben uns zugekommene Nachricht aus Brody liefert einen neuen Beweis für das Obgesagte. Der dortige Synagogenvorftand ersuchte den von der paduaer Rabbinerschule heimgekehrten jungen Rabbiner vr. Ehrenreich, am Neujahrstage zu predigen, welchem Ersuchen derselbe auch zur Befriedigung und Erbauung aller Zuhörer .nachgekommen sein sollte, so zwar, daß der Vorstand sich veranlaßt fand, an denselben eine abermalige Aufforderung zur Predigt am Versöhnungötage ergehen zu lassen. Da erhob sich der dasige Rabbiner aus leicht zu errathenden Gründen, und wußte leider nur zu gut einen Theil des Gemeindevorstandes, die HH. M. Kallir und L. Landau, dahin zu vermögen, daß sie ihr Veto dagegen einlegten, und so ist die Predigt zum Bedauern aller Bessergesinnten unterblieben. — Zwar sollen in Folge des bekannten kais. Dekrets mit dem künftigen Jahre die hierländischen Rabbiner gehalten sein, sich über philosophische und pädagogische Studien auszuweisen; allein die jetzigen Rabbiner werden wol schwerlich sich vorbereitet haben, wenigstens verlautet dies blos von einem Einzigen, und ist auch für Heranbildung von Kanditaten, trotz wiederholter Aufforderung zur Kreirung von Seminarien und Rabbinerschulen nichts geschehen. Sollte daher gedachtes Dekret zur Zeit unverschieblich in Kraft treten, was im Jnrereffe der sittlichen und geistigen Förderung unserer Gemeinden sehnlichst zu wünschen wäre, so würde man, da die paduaer Schule bisher nur einen einzigen, den erwähnten Rabbiner Ehrenreich geliefert, genöthigt sein, sich von auswärts, etwa von Böhmen, zu rekrutiren, welches immer seine schlimmen Seiten haben dürfte. — Um in Galizien mit Kraft und dem erwünschten Erfolg aufzutreten, müßten die neuzuinstallirenden Rabbiner einerseits gründliche, umfassende, talmudische Kenntniß besitzen, um dem sogenannten Lomdim zu imponiren, und andrerseits tüchtige, für ihr Fach begeisterte Schulmänner sein, um vorzüglich für das im Argen liegende Schulwesen mit Eifer und nachhaltig wirken zu können, wo dann die reinsten Früchte, bei der lebhaften Empfänglichkeit der Polen, nicht lange auf sich warten lassen möchten. Eine gute Akquisition in letztrer Beziehung hat die lemberger Gemeinde an dem ehrenwerthen Prediger und Religionslehrer A. Cohn gemacht, der auch seinen rastlosen Eifer in der dortigen, auf seine Anregung neukreirten Schule mit günstigem Erfolge gekrönt sieht. Den Berichten von dorther zufolge, soll sich derselbe überhaupt eines gesegneten Wirkens zu erfreuen haben, und sein Anhang sich von Tage zu Tage mehren. Die tarnopoler Gemeinde, deren Rabbinat seit Abgang Hrn. Rappoport'S verwaist ist, hat, dem Vernehmen nach, ihr Augenmerk auf den Hrn. vr. Steinschneider gerichtet, es wird aber gezweifelt, ob derselbe dem Rufe folgen würde. Wir unsrerseits finden blos für nöthig zu erinnern, daß, wie gesagt, für unsere Gemeinden am Meisten tüchtige Schulmänner Noth thuen. In der dortigen israelitischen Schule soll auch das Studium der hebräischen Sprache leider! sehr vernachlässigt werden, was, abgesehen von dem dort fühlbaren Mangel eines im hebräischen Fache gebildeten, wenn,auch sonst recht tüchtigen, Schuldirektors, seinen liefern Grund haben mag, aüf den wir ausführlich in unserm nächsten Schreiben zurückzukommen gedenken. Türkei. Sarajevo (aus Bosnien), 23. September. Nähere Nachrichten über den traurigen Aufstand in Sarajevo lauten folgendermaaßen: „Am 2t. September Nachmittags 2 Uhr ging zu Sarajevo eine türkische Frau'in Begleitung eines Mädchens in die dortige Judengasse, um allda von einem Juden Geld zu erpressen, was ihr wahrscheinlich nicht gelang. — Sie fiel nun in der Gaffe nieder, worauf das sie begleitende Mädchen ein Geschrei

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