Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1845)
- Date
- 1845-11-10
- Page
- Seite 686 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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686 Charakteristische hervor: „Es erheben in der heutigen (Königsberger) Zeitung in löblicher, nachahmungswerther Weise etwa 30 ehrenhafte Männer der sogenannten Korporation der jungen Kaufmannschaft einen förmlichen Protest gegen den trotz L. Walesrode's unübertrefflichen „Beleuchtung eines dunkeln Ballsaales" immer noch nicht aufgegebenen Beschluß dieser Gesellschaft, wonach das christliche Bekenntniß nicht nur die Mitgliedschaft, sondern auch die Einladungsfähigkeit zu etwanigen Bällen bedingen soll. Aus Veranlassung dieser achtungswerthen Minorität ist nicht nur eine Kommission zur Revidirung der mittelalterlichen Statuten des Vereins ernannt worden, sie hat auch sogleich äe facto in Bezug auf die Einladungsfahigkeit ohne Unterschied des Standes und des Religionsbekenntnisses einen entschiedenen Schritt gethan. Es haben nämlich die HH. Otto Schwanfelder, Buchhändler Koch und der bereits erwähnte Lauritz Müller ein Zirkular in Umlauf gesetzt, worin sie zum ersten Mal in Königsberg zu sogenannten Korporationsbällen ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses auffordern. So kleinlich diese Dinge erscheinen, so charakteristisch sind sie für unsere Sozialzustände; sie geben ein klares Bild von der hin und wieder auftauchenden Spießbürgerlichkeit des deutschen Liberalismus. Diese engherzige Exklusivität bestraft sich bei uns schon dadurch hinlänglich, daß die letzten Anhänger derselben meist wiederum von den so brillanten Studentenbällen, bei denen nur auf Intelligenz und Gesittung gesehen wird, ausgeschlossen bleiben. In diesen Lagen fiel hier ein Kuriosum vor. Es starb eine österreichische Baronin v. St. geb. H. und alsbald traf ein christlicher Todtengräber bei der Leiche ein, um das Maaß zum Sarge zu nehmen. Da kam denn während dieser Geschäfte auch vom jüdischen Friedhof ein Mann, um die Leiche für sich zu requiriren, und siehe da, Letzterer errang wirklich den Preis. Es fand sich nämlich ein versiegelter Brief der Baronin vor, worin sie feierlich erklärte, daß sie nie den Glauben ihrer israelitischen Väter verlassen habe und daher auch dem jüdischen Ritus gemäß beerdigt zu werden wünsche. Gestern Vormittag 11 Uhr ward ihrem letzten Willen Genüge geleistet. — Deutschland. Karlsruhe, 25. Oktober. Einen erfreulichen Beweis echter Humanität und vorurtheilsfreien Bürgersinnes lieferte dieser Lage das Wahlergebniß der hiesigen Gemeinde, indem zwei israelitische Ehrenmänner, die Herren D. Kusel und Obergerichtsadvokat Ettlinger, in den engern Bürgerausschuß gewählt wurden. . München, 23. Oktober. Kaum ist den Juden das Aufkäufen von Schlachtvieh, sowie überhaupt aller Viehhandel erschwert worden, so sind schon wieder zwei beschränkende Verordnungen erschienen. Nach der einen müssen sich die baierischen Juden streng aus die Ausübung derjenigen Geschäftszweige beschränken, auf welche hin sie ansässig geworden sind, und nach der andern haben sie sich aller und jeder An- und Aufkäufe von Fruchtgattungen zu enthalten, inwieweit diese ihren Hausbedarf übersteigen. Aus Württemberg, 20. Oktober. (Privatmitth.) Unser Landsmann, der 23jährige Bildhauer Albert Güldenstein aus Sontheim, Schüler Schwanthalers zu.München, hat den diesjährigen Preis der Michael Beer'schen Stiftung zu Berlin — bestehend in einer Pension von 500 Lhlr. auf ein Jahr zu einer Studienreise nach Rom — erhalten. —. Außer den (in den neuesten Nummern dieser Zeitung gegebenen) Addressen, welche das von den Bevollmächtigten sämmtlicher Israeliten des Königreichs niedergesetzte Konnte den Abgeordneten Holzinger und Veiel überreicht, hat dieses an den Berichterstatter über unsre Petition in der Kammer der Standesherren, Minister Grafen von Äeroldingen, nachstehende gerichtet. „Exzellenz! Als im Jahre 1828 die k. Staatsregierung zur Regelung der öffentlichen Verhältnisse der Israeliten einen Gesetzentwurf vorlegte, bestand die Ständeversammlung blos aus der Kammer der Abgeordneten, welche diese Angelegenheit von einem engen und einseitigen Standpunkte aus betrachtete, den humanen Absichten des Gouverments in vielen und wesentlichen Punkten entgegentrat, und die Wohlthaten, welche unser geliebter König auch, seinen israelitischen Unterthanen zu erweisen beabsichtigte,