Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 46 (10.11.1845)
- Date
- 1845-11-10
- Page
- Seite 683 (sequence 3)
- Language
- German
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683 an Kollegien über die verschiedenartigsten gelehrtesten Gegenstände sich taub.hören möchten, es sind jene bedauerlichen Konfusionswesen ohne Herz und Kopf, ohne Kenntniß und Gesinnung, die da ,,hören und sehen und nicht verstehen." Andrerseits sind es: wol Leute von Fähigkeit und Talent, aber der Staub und der Moder finsterer Klausen liegt noch stark auf ihnen, aber die Afterbildung ihrer modernen Rebbes hat -tiefe Spuren an ihnen zurückgelassen, und die Gesinnung, die kräftige, muthvolle Ueberzeugung, die allein Noth thut in unseren Tagen, sie ist ihr Erbrheil nicht. — Es wäre wahrlich zum Verzweifeln, wenn dieses Heuchlergeschlecht aller Arten und Grade, dieses garstige Gewürm an dem aufschießenden Bäumchen der jungen Theologie dereinst einmal die Leitung unserer religiösen Angelegenheiten überkommen sollte, und unsre Zukunft wäre ohne Rettung verloren, wenn es nicht der Besseren und Edleren noch Viele gäbe. Gottlob, daß gerade in unsrer Stadt neben vielen Auswuchs auch bessre Frucht sich zeigt, die zu schönen Hoffnungen berechtigt, und weil es junge Leute sind, die ihre Studien zum Theil hier begonnen und vollendet, und nun bereits die Blicke unserer Provinzialgemeinden auf sich gezogen haben, will ich hier etwas Sperzielleres über sie mittheilen. Zuerst muß eines fleißigen, jungen Gelehrten gedacht werden, des gesinnungsvollen Dr. Lewy aus Altona, der schon seit Jahren hier als Religionslehrer fungirt und zuweilen in der Synagoge Vorträge hält. Es ist ein stiller, anspruchsloser, junger Mann, eifervoll in seinem Berufe, den er, wie es fast scheint, zu lieb gewonnen hat und darum jede Bewerbung um ein Rabbinat vorläufig aufgiebt. Ein andrer Dr. Lewy, der, ein Schüler des berühmten Eger in Posen, sich hier aus Gymnasium und Universität wissenschaftliche Bildung und nicht unbedeutende Kenntniß der orientalischen Sprachen angeeignet, hat bereits zu Anfang dieses Jahres das Rabbinat zu Rosenberg übernommen, wo er, wie man hört, zur Zufriedenheit seiner Gemeinde wirksam ist. — Unter den Zurückgebliebenen verdient der Kanditat B. Fried mann zuerst genannt zu werden. Es ist dies einer jener seltenen Ueberreste aus den „Zeiten des Ehilluks und der Blaußer", der als Knabe schon von seinen alten Lehrern rühmend erwähnt wird, dessen Scharfsinn und pilpulische Kraft sie lobend anerkannten. Ein junger, energischer Mann, der neben der Tüchtigkeit der Gesinnung, einen lichten, kritischen Verstand mit bedeutender dialektischer Kraft und Gewandheit verbindet, so daß er, wenn er in seinem Streben fortfährt, einen würdigen Platz unter den Lehrern in Israel einzunehmen berechtigt ist. Während der Abwesenheit Geiger's hat er zwei Vorträge in der Synagoge über Pirke Aboth gehalten, in denen er seinen reichen Schatz rabbinischer Gelehrsamkeit ein Wenig gelüftet. Am vergangenen Sukkothfeste ward er von der Gemeinde Brieg zu einer Probepredigt eingeladen; er hat daselbst drei Mal mit eklatantem Beifall gesprochen und hat die zuverlässigste Aussicht, da eben seine akademischen Studien zu Ende gehen, das Rabbinat in Brieg zu übernehmen. — Zuletzt, um nicht auch von einer Klique hiesiger Theologiestudirender zu sprechen, deren Haupt und erster Anführer sein Glück ebenfalls in einer schlesischen Gemeinde versuchen wollte, aber aus dem kalten Bade, das er fromm und gottesfürchtig am Vorabend des Festes genommen, den Stockschnupfen sich geholt, so daß ihm auf der Kanzel die Sprache versagte —will ich nur noch des Theologen Landsberger, eines fleißigen, vielseitig gebildeten, jungen Mannes erwähnen, der von der Gemeinde zu Oppeln am Neujahrs- und Versöhnungsseste zum Prediger berufen worden,, wo er, dem Vernehmen nach, den Beifall sammtlicher Gemeindeglieder sich erworben, so daß zu erwarten steht, daß die oppelner Gemeinde, der es so schwer zu werden scheint, aus der gestaltlosen Verworrenheit sich herauszuarbeiten, nun endlich ihren Mann gefunden haben wird. Es wäre der Gemeinde zu der Akquisition des Herrn L. umsomehr Glück zu wünschen, als derselbe neben höherer Bildung auch tüchtige pädagogische Kenntnisse besitzt, die den wohlthätigsten Einfluß auf das Heranwachsende Geschlecht üben würden. — So erwächst denn in diesen jungen Männern der Zukunft unsres Glaubens eine neue, kräftige Stütze; mögen sie es nie vergessen, daß sie berufen sind, eine heilige Arbeit zu übernehmen, wenn einst die alten Meister grau und kampfesmüde sich vom Schauplatz entfernen. Breslau, 2. November. (Privatmitth.) In unsrer Gemeinde fängt's wieder an lebhaft zu werden: die Orthodoxie macht Miene sich faktisch zu trennen und sich zu konstituiren, da dem Tiktin an