Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1845)
- Date
- 1845-11-03
- Page
- Seite 676 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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676 uns von den deutschen Gauen herübertönt, hat auch bei uns einige Nachklänge gefunden; die.reformistische Fraktion unter den Rabbinen, besonders deren Koriphäus, Hr. Rabbiner Fasset, hat bereits den ersten, Stoß gegeben und mit einem schonungslosen'Pa ötsturm begonnen. Es wird nun auch bei uns über den sprachgewaltigen Kalir zu Gericht gesessen und des Damokles Schwert schwebt bereits ob den Haupte der redseligen Pcrötanen. Den Humanen Zeitideen huldigend, die jeder Lhierquälerei abhold sind, hat Herr F. nun auch, energischer im Entschluß als die Rabbinerversammlung, die darüber noch nicht votirte, die Kapporoth verboten und untersagt. —. Die Reise des Erzherzogs, Prinz Franz Karl, Bruder Sr. Maj. des Kaisers, hat den Juden Gelegenheit gegeben, ihre patriotischen Gefühle an den Lag zu legen. Man wetteiferte überall Se. kaiserl. Hoheit würdig zu empfangen und aufzuwarten, wie man des Weitläufigen darüber in unseren Provinzialblättern lesen kann. Der energische und gemeinsinyige Hr. Kolisch, die paffende Gelegenheit wahrnehmend, ließ nun eine Petition der gesammten mährischen Judenschaft und von den meisten Gemeindevorstanden unterschrieben, ausfertigen, die Sr. kais. Hoheit dem Erzherzoge in Kremsier, der Sommerresidenz des Erzbischofs zu Olmütz, durch eine Deputation des nikolsburger Vorstandes, bestehend aus den Herren Koritschoner und Frankel, de- , nen sich auch Hr. Rabbiner Fasset beigesellte, überreicht wurde. Wir hoffen, nächstens eine Abschrift von besagter Petition zu erhalten' und werden sie dem Leser auch mittheilen. Möge die Petition, die tausend Segenswünsche begleiteten, den ersehnten Hoffnungen entsprechen. Mit Wehmut!) müssen wir es gestehen, daß die armen mährischen Juden von unsrer doch so humanen Regierung am Stiefmütterlichsten, wie es der flüchtigste Einblick in die so heterogenen Verfassungen der Juden in Oesterreich schon genügend lehrt, behandelt worden. Es wäre uns ein Leichtes zu beweisen, daß die Juden M's. an Bildung und Kultur im Allgemeinen mit denen der anderen österreichischen Provinzen gleichen Schritt halten und im Verhältnisse an eminenten Talenten viel reicher sind. Wir erwähnen nur unter den Rabbinen die HHr. Fasse!, Haas, Oppenheim, - Pollak in Lrebitsch und Quetsch, dann die beiden in Ungarn angestellten Rabbiner, Schwab und Löw. Rühmlich sind als Gelehrte die Herren Brecher, Jellinek in Leipzig, Steinschneider, Wessely in Pragu.m.T, bekannt. Am Bemerkenswerthesten aber ist die nicht geringe Zahl höchst bedeutender Musiktalente, wie der Heros der Violinisten Hr. W. Ernst, Fischhos, Prof, am Konservatorium in Wien, Schreiber in Kopenhagen und endlich der junge Komponist Maruschek in Paris u. m. A. —. Die Ihnen in meinem letzten Schreiben mitgetherlte Nachricht, daß Hr. Hirsch auch bereits von der Hofstelle zurückgewiesen wurde, muß ich berichtigend bemerken, hat sich nicht bestätiget. Frankreich. Paris, im Oktober. Das Nähere in Bezug auf die Wahl Cremieux' zum Mitgliede des Zentralkonsistoriums, die wir schon in No. 43 gemeldet, ist: daß beim Skrutinium 107 mitstimmten, so daß die Majorität 54 war. Cromieux erhielt nur 46 Stimmen, Maas 33, Javal, Kanditat der Konservativen, 20, verlorene Stimmen 8. Man mußte daher zu einer zweiten Abstimmung schreiten, an der nur 82 Stimmende Lheil nahmen, so daß 42 die Majorität war. Crömieux. erhielt 44, Maas 34, Javal 4. Obgleich nun Eremieux früher seinen Entschluß, die Wahl nicht anzunehmen ausgesprochen hatte, so nahm er sie doch an, nachdem ihm eine Deputation darum begrüßt. —. Wir kommen noch einmal aus die Statistik der israelitischen Notabeln in Frankreich zurück, nachdem nunmehr die ganze Operation zu Ende ist. 963 ist die Gesammtzahl; unter diesen sind 380 Kaufleute und Fabrikanten, worunter 5 Richter am Handelstribunal; 36 sind Offiziere, 64 Stadtrathe, worunter allein 20 im Oberelsaß; 48 Rabbinen; dann sieht man auch 2 Deputirte, 2 Mitglieder des Instituts, 1 Generalkonsul, 1 Bureauchef im Ministerium des Unterrichts, 26, die dem Justizfache angehören. Eine eigne Bemerkung läßt sich auch über die Lheilnahme dieser Notabeln an den -Wahlen der Konsistorien machen. Von 963 Notabeln im ganzen Frankreich haben nur 562 Lheil genommen! Während im- Sprengel Kolmar von 128 Notabeln nur 12 am Orte selbst wohnen, dennoch aber 121 zur Wahl