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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-11-03 · Heft 45 (3.11.1845) · p. Seite 675

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 45 (3.11.1845)
Date
1845-11-03
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
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675 mal abgegebene Erklärung, daß sich in den letzten Jahren fünf Christen zum Uebertritt bei uns meldeten! Jndeß ruhig kann der Abfasser insofern sein, als die Proselytenmacherei fern von den Juden ist, und sie den Anheimfall zu den Lehren ihrer Religion von viel höherm Standpunkte auffaffen, nämlich nicht daß sie ein Paar Seelen mehr oder weniger zählen, sondern daß die Entwickelung der ganzen Menschheit dahin führet, die Wahrheit unsrer Lehre anzunehmen, wie dies die Propheten schon vor drittehalb Jahrtausenden verkündeten. Hierbei erinnern wir daran, daß jetzt von katholischer und protestantischer Seite gegen die Proselytenmacherei der Deutsch-Katholiken Klage erhoben wird, namentlich gegen die Reisen der Geistlichen dieser neuen Konfession. Allein es ist dies abermals nur eine natürliche Folge des Verhaltens gegen die Juden in den letzten 30 Jahren. „Was du nicht willst, das dir geschehe, das thu' auch einem Andern nicht." , Aus Qberschlesien, im Oktober. (Privatmitth.) Die Rabbiner Dberschlesiens haben eine Addresse an Dr, Frankel gesandt, welche sie im Einverständniß mit ihren Gemeinden, mit Ausnahme von Ratibor und Loslau, deren Rabbinen nur im eignen Namen auftreten, abgefaßt haben wollen. Wir protestiren hiermit gegen die Addresse dieser Rabbiner und erklären, daß die Städte: Oppeln, Neiße, Neustadt) Zülz, Leobschütz, Haltschin, Kätscher, Kofel, Krappitz, Tarnowitz, Ober-Glogau, Guttentag, Pleß, Kreuzberg und Gleiwitz, ja auch Ratibor, Rybnik und Beuchen ganz anders sprechen wie diese Rabbiner dem Publikum vormalen wollen. Es herrscht in den meisten Gemeinden ein kräftiger und gesunder Sinn für Reform; man komme nur nach den Städten, die keinen Rabbiner haben, und sehe ihre Ordnung beim Gottesdienste, und es wird Einem klar werden, wie sehr alle diese Gemeinden einer Reform zugethan sind. Was wollen überhaupt diese oberschlesischen Rabbiner mit dem Dr. Frankel? Gehört er zu den Ihrigen? Dr. Frankel, der in Töplitz die Orgel einführte, der in dem dresdner Gottesdienste so viele Veränderungen einführte, der einen christlichen Kantor in der Synagoge den Chor leiten läßt — was hat der mit der krassen Orthodoxie der oberschlesischen Rabbiner zu thun, die jeden unsinnigen, überlebten der s-tobn gleich achten? Man komme nach Oberschlesien und besuche diejenigen Gotteshäuser, wo diese Herren Rabbiner fungiren, und man wird staunen über die furchtbare Unordnung, die in ihren Augen dermaaßen. sanktionirt ist, daß die geringste Abweichung als eine Störung für die Andacht betrachtet wird. Man besuche die Rabbiner in ihren Klausen, in ihren Wohnungen; man beobachte ihre Umgebungen ff., und es wird Einem bis zur Evidenz klar, auf welcher niedrigen Stufe. von Gesinnung und Gesittung sie sich befinden. Man besuche ihre Predigten, und es wird Einem nicht schwer werden, den Lügengeist, den sie verkünden, zu errathen. Oberschlesische Glaubensbrüder! tretet muthig und kräftig zusammen, lasset euch durch den blinden Eifer dieser Rabbinen nicht irre leiten, ihr kennet ja ihre Gesinnungen und Bestrebungen, die nur dahin gehen, ihre hierarchische Herrschaft zu wahren, denen es aber nicht Ernst um die Erhaltung des Judenthums ist. Würde es ihnen das sein, so müßten ihre Gotteshäuser ganz anders aussehen, und die religiöse Ausbildung der Jugend müßte ihnen am Herzen liegen. Oberschlesische Rabbinen! anstatt Addressen an den Herrn Dr. Frankel zu schreiben, bewachet die Schulen in euren Gemeinden, wirket für das Wohl der Heranwachsenden Jugend, sorget dafür, daß die Gemeinden ihre Lehrer besser besolden, bemühet euch dem Lehrerstand bessere. Anerkennung zu verschaffen! Doch tna ö^ens, wenn ihr nur wöchentlich euern Sold bekommt,, ist es euch gleichviel, wie es im Gotteshause, wie es im Schulhause aussiehet. Ihr werdet von eueren Gemeinden besoldet! Welche Leistung bietet ihr ihnen dafür? Ertheilt ihr etwa den Kindern Religionsunterricht? Nehmt ihr euch der verwaisten und verwahrlosten Kinder an? Nichts von dem thuet ihr, und doch brüstet ihr euch, was euch aber Niemand glauben wird, daß eure Gemeinden sich im rabbinischen Judenthume glücklich fühlen! Oesterreich. ' Aus Mähren, 13. Oktober. (Privatmitth.) In dem religiösen und politischen Leben der Juden Mährens hat sich, seit Kurzem, ein regeres Leben kund gegeben, als wir es sonst gewohnt waren. Das allgemeine Feldgeschrei „Reformation", das

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