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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-11-03 · Heft 45 (3.11.1845) · p. Seite 674

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 45 (3.11.1845)
Date
1845-11-03
Page
Seite 674 (sequence 6)
Language
German
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674 erlassen wurde (und zwar mit.Bewilligung der Stände ohne deren Konkurrenz), um dieselben mit den gehässigen, auf verjährten Vorurtheilen beruhenden Formen bei Eidesleistungen fernerhin zu verschonen. Wir haben schon früher (No. 68) darauf hingewiesen, wie wenig diese neue Form geeignet sei, dem gewünschten! Zwecke zu entsprechen, wir haben die Verkehrtheit erwähnt, daß man ein derartiges Gesetz auf das Gutachten christlicher Geistlichen hin verfertigte, ohne den Rath jüdischer Rabbiner zu fordern oder anzunehmen, und wir haben namentlich hervorgehoben, daß notorisch viele Juden in unserm Lande auf den Vorzug des Bürgerrechts lediglich deshalb verzichtet haben, um es nicht durch die Ableistung des Eides in jener mißgestalteten Form erkaufen zu müssen. Jetzt, kaum acht Monate nach Erlassung des Gesetzes, erkennt man die Unzweckmäßigkeit desselben schon an, und hebt es in einem Punkte wieder auf, in demselben Punkte, auf welchen bei der Berathung des Gesetzes (im Staatsrathe) so großes, das meiste Gewicht gelegt wurde. Es ist zwar zu loben, wenn man einen begangenen Jrrthum sobald wie möglich verbessert, aber es wäre noch besser gewesen, wenn die Gesetzgeber gleich bei Berathung des Gesetzes richtigere Grundsätze (die ihnen Vorlagen) befolgt und vernünftigen Gegenvorstellungen Gehör gegeben hätten. Hanau, im Oktober. (Privatmitth.) Wie weit die Unwissenheit oder Rohheit in jüdischen Dingen geht, zeigte vor Kurzem ein Artikel in der, in der Provinz sehr verbreiteten Hanauer Zeitung, nämlich in dem Beiblatt zu derselben No. 191. Es soll darin die Feier des Versöhnungstages beschrieben werden,- und zwar wird frech genug hinzugefügt: „nur wenigen Lesern dieses Blattes wird die vollständige Feier - und der Zweck derselben bekannt sein, daher bei der Zeitfrage der jüdischen Religionsreform eine deßfallsige genaue Kenntniß von einigem Interesse sein dürfe." Da wird nun erzählt, wie ein junger Farren und ein schöner Widder gekauft, geschlachtet und das ,Blut aüfgefangen wird, wie in der Synagoge ein Platz ist, wohin der Priester nur einmal im Jahre gehen darf, wie es in der Synagoge eine Zeit lang ganz dunkel gemacht wird, der Priester dann heraustritt, „in die,Blutmischung rosenfarbige Wolle tauchet und der versammelten Gemeinde mit Be-' sprengung dieses Blutes vollkommenen Ablaß aller das Jahr über begangenen Sünden ertheilet, wobei zu gleicher Zeit jedes Gemeindeglied eine Bewegung mit der einen Hand macht und seine Sünden hinter sich wirft. . Nach der Beendigung dieses großen Festtages muß alsdann der Hausvater einen Hahn und dessen Ehegattin eine Henne, dem Gesetze gemäß verspeisen." Herr L. H. Löwenstein, in Frankfurt a. M. hat es übernommen, auf eine ebenso witzige wie scharfe Weise, dem Schwätzer den Mund zu schließen, in demselben Blatte No. 194. Preußen. Magdeburg, 26. Oktober. Die D.A.Z. läßt sich von Breslau schreiben: „Aus glaubwürdiger Quelle können wir die Mittheilung machen, daß der hiesigen Provinzialsynode auch die Frage zur Beantwortung vorgelegt worden, ob und unter welchen Bedingungen der Uebertritt aus dem Christenthum zum Judenthum gestattet sein soll, und daß die Provinzialsynode sich für die unbedingte Gestattung solchen Uebertritts ausgesprochen. Bisher war dieser an die Bedingung geknüpft worden, daß der Übertretende vorher die Entlassung von dem betreffenden Konsistorium beibringe, wobei aber die Konsistorien, wol erst später, angewiesen waren, solche Entlassungen nicht zu bewilligen. Obgleich es sich nun voraussehen läßt, daß jetzt weniger als je solche Uebertritte Vorkommen werden, so ist doch 'dieser Beschluß der Provinzialsynode für diese bezeichnend." . Wir haben nur hinzuzufügen, daß die Phrase: „Obgleich es sich nun voraussehen läßt, daß jetzt weniger als je solche Uebertritte Vorkommen werden" — uns etwas widersinnig zu sein scheint. Warum „jetzt weniger als je"? Zeigt die christliche Kirche jetzt weniger als je ein Zeriffensein, sich schroff gegenüber stehende Parteien? Hat das Judenthum durch seine gegenwärtige Durcharbeitung nicht an Klarheit der Lehre gewonnen? Ist nicht dadurch, daß die bürgerlichen Nachtheile der Juden bedeutend vermindert sind, der Uebertritt, wenn ihm vom Staate keine Hindernisse gelegt sind, möglicher? Um dem Verfasser des obigen Artikels ein bestimmtes Dementi zu geben, wiederholen wir eine schon früher ein-'

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