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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-11-03 · Heft 45 (3.11.1845) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 45 (3.11.1845)
Date
1845-11-03
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 der Pfalz zu wünschen wäre, das fühlt Niemand tiefer als die Lehrer selbst. Auch das Ferienwesen u. s. w. wäre mehr zu regeln. Aber das erste und dringendste Uebel, woran unsere Schulen leiden, ist die tägliche Ueberhandnahme unbefähigter Lehrer, die, wie Pilse, überall hervorwuchern. Aber wer widmet sich auch noch dem Schulfach? Knaben, denen nicht allein das Hebräische eine terra incognita ist, denen auch meistens fast alles Andere fremd ist, -Knaben, die in der Regel zu jedem andern Berufe zu unwissend und zu ungeschickt sind. Doch die Ursachen dieser Erscheinung liegen in den allgemeinen Verhältnissen des Standes, zu deren Aenderung die Kräfte Einzelner' nicht ausreichen. Freilich aber sollte man dahin wirken, diese krasse Ignoranz unserer Schulpräparanden im Hebräischen namentlich verschwinden zu machen, sollte auf tüchtigere und ernstere, vorbereitende Studien in diesem Gegenstände sehen, und dazu fehlt es nicht an Gelegenheit. Es hat die Pfalz noch mehrere auch im Hebräischen tüchtige Lehrer, die hier gedeihlich wirken könnten, namentlich ältere, und es wäre zu wünschen, daß unsre Regierung nur solche als israelitische Präparandenlehrer genehmigte — wozu freilich die Rabbinen die geeigneten Vorschläge zu machen hätten. Betreffs unserer synagogalen Zustände können wir gottlob! berichten, daß sich durch die rüstige Thätigkeit unserer Rabbiner fast allenthalben ein schöner Sinn für Verbesserung der überkommenen Verhältnisse kund giebt. Auch in den kleineren Gemeinden ist man bedacht, geregelte Chöre, sowie deutsche Gebete und Gesänge in die Synagoge einzusühren. In manchen Gemeinden hat man bereits die Piutim theilweise entfernt, werden die Trauungen durch passende Gesänge würdevoller begangen u. s.w. Der gesunde Sinn unsres Volkes ist überhaupt dem Wirken unserer thätigen Rabbiner nicht abhold und blos noch in einigen wenigen Gemeinden soll man mit Vorurtheilen gegen die Rabbiner und ihre Bestrebungen erfüllt sein. Aber dort sind auch noch Lehrer, die sich Rewwe betiteln lassen und die darin ihren Ruhm suchen, Opposition gegen die Rabbiner zu bilden und jedwede Einrichtung der Rabiner dur.ch ihre Maulwurfsthätigkeit zu paralysiren, unmöglich zu machen. Aber der Heiligenschein dieser Leute erbleicht, und immermehr gewinnen die Ideen für, Veredelung des Gottesdienstes u. s. w. an Anklang. Frankfurt am Main, 13. Oktober. (Fr. I.) Die Reformbewegungen innerhalb des Iudenthums zeigen sich jetzt selbst da, wo man noch vor Kurzem den größten Widerstand erfuhr. So fand in Mannheim anfangs Juli d. I. eine Versammlung badischer Rabbiner statt, deren Mitglieder zum Theil aus solchen bestanden, welche selbst zu den bekannten 77 gehören, die gegen die braunschweiger und frankfurter Rabbinerversammlung proteftirt hatten. Dieselben Männer, welche damals erklärten, man dürfe nicht das kleinste Gebot, ja nicht einmal den unbedeutendsten Gebrauch abschaffen oder ändern, haben in genannter Versammlung dem Grundsätze der Reform ausdrücklich gehuldigt, und für die nächstes Frühjahr anberaumte Sitzung, wozu sie auch andere Rabbiner ohne Ausnahme einladen, Gegenstände zur Berathung vorzulegen beschlossen und vorbereitet wie die folgenden: 1) Hebung des Kultus; a) durch Entfernung aller jüdischen Gebete, welche der sittlichen Würde des Iudenthums widersprechen; b) durch ' Aufnahme deutscher Gebete beim Gottesdienst. 2) Die Abschaffung und Umbildung mancher durch die Zeitverhaltnisse bedeutungslos gewordener Zeremonieen, wie z. B. die Trauergebräuche, des Verbots der Sektion jüdischer Leichen, die Veredlung der Liturgie bei Trauungen, Beerdigung rc. — Aus dem Unterrheinkreife, 18. Oktober. (D. A. Z.) Die badische Rabbinerversammlung, welche im Laufe des verflossenen Sommers zu Mannheim ihre Sitzungen hielt, hat nunmehr durch ihre Ausschußdeputation zwei ihrer Beschlüsse vor die großherzl. Behörde, die ihr Oberrath ist, gebracht. In ihrer ersten Eingabe legt sie ihr Wesen und ihre Tendenzen dar, nach welchen sie vorzu-' schreiten gedenke. Die Reform auf historisch-traditionellem Boden soll das Fundament der Bestrebungen der badischen Rabbinerversammlungen sein. Wenn die zu Mannheim versammelten Rabbiner bereits allenthalben die lebhaftesten Sympathieen im Lande Hervorriesen, so kann diese offene Darlegung ihrer Prinzipien, denen ohnehin .die bei Weitem überwiegende Majorität der Israeliten des Landes anhängt, ihnen die rege Theilnahme ihrer Glaubensgenossen nur nachhaltig sichern. In einer zweiten Eingabe wird ihr Oberrath gebeten, bei den kompetenten Staatsbehörden auf Erzielung einer den geläuterten Prinzipien des

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