Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 45 (3.11.1845)
- Date
- 1845-11-03
- Page
- Seite 671 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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671 Durcharbeitung besteht ihr Heil, besteht ihre Bürgschaft, daß sie wurzelt, und nicht ein Phänomen einer flüchtigen Zeit ist.' Zeitungsnachrichten. Deutschland. Stuttgart, 13. Oktober. Unsere Staatsregierung hat jüngst von sammtlichen Oberämtern des Königreichs und diese bereits wieder von den Schultheißen ihre Berichte unverlangt, welche dem für den künftigen Landtag Seitens der Regierung auszuarbeitenden, die vollständigere Emanzipation der diesseitigen Israeliten bezweckenden Gesetzentwürfe als Grundlage dienen sollen. Aus der baierischen Pfalz, 14. Oktober. (Privatmitth.) In unsrer Zeit, wo so viele und herrliche Kräfte an der nothwendig gewordenen Reform des Judenthums arbeiten, für die bessere Gestaltung unserer religiösen Zustände wirken, in dieser Zeit des Lebens und Strebens darf gewiß der israelitische Lehrer kein müßiger Zuschauer sein, sondern auch er soll rüstig und. nach Kräften mit Hand anlegen an das große Werk, er soll und muß sein Scherstein dazu beitragen, daß nach der Gahrung die Klärung komme, daß aus der wirren Gegenwart eine heitere Zukunft erstehe. Er soll Mitwirken, da er es kann, denn ihm ist die israelitische Jugend anvertraut, die er zu einer würdigen, für den väterlichen Glauben warm fühlenden, für alles Hohe und Heilige empfänglichen Generation heranbilden soll, und daß dieses Ziel erreicht werde, dazu ist wahrlich die rechte Wirksamkeit des Lehrers keiner der unbedeutendsten Faktoren. Sowie aber freilich nun der Rabbiner, welcher für die heilige Sache der Religion wirken will, die Mitwirkung der ihm untergebenen Lehrer und mit Recht verlangt, verlangt, daß dieselben „durch Eintracht mit den Rabbinern, durch Achtung gegen dieselben den Gemeinden als Muster vorangehen", und die derLhätigkeit des israelitischen Geistlichen so vielfach im Wege stehenden Hindernisse wegräumen helfe, so dürfte es von dem Lehrerstande vielleicht auch nicht als unbillige Forderung betrachtet werden können, von Seiten der Rabbiner mehr Achtung und weniger Geringschätzung ihres Berufes in Anspruch zu nehmen. , Mit so vieler Freude aber auch nun die israel. Lehrer der Pfalz wahrnehmen, daß die pfälzischen Rabbinen warme Theilnahme an dem Erblühen der israelitischen Schulen des Kreises zeigen, daß sie namentlich in jüngster Zeit das Interesse der Schule vertreten, daß sie die ihnen übertragene Ueberwachung des Religionsunterrichtes in den israelit. Schulen nicht als eine aufgebürdete Last betrachten, was doch bei den geistlichen Schulinspektoren in der Regel der Fall ist (und dies ist ja auch der Grund, warum die große Mehrzahl der deutschen Lehrer von der Aufsicht der Geistlichen „emanzipirt"' fein, warum sie diese Schulaufsicht in die strengeren Hände der Sachkenner gelegt wissen will), mit so vielem Unmuthe haben seiner Zeit die israelit. Lehrer des Kreises wahrgenommen, daß sie, deren Gewissen doch eigentlich die Schulen anvertraut sind, bei beabsichtigten Schulreformen von Seiten der Rabbiner zu wenig zu Rathe gezogen würden, und das ist der eigentliche Grund, der viele Lehrer ihren Geistlichen entfremdete. Vielleicht gekränkte Eitelkeit doch welcher Mensch ist ganz frei davon? Zwar scheint'— und wir freuen uns dies berichten zu können — jene unmuthige Stimmung der Lehrer des Kreises den Rabbinern gegenüber fast spurlos wieder verschwunden zu sein, aber daß diese Stimmung beinahe allgemein vorhanden war, das läßt sich auch'.mit den schönsten Sorten nicht wegläugnen. Daß unser Schulwesen an großen Mängeln leidet, das fühlt jeder einsichtsvolle Lehrer des Kreises lebhaft, und die Vorschläge der Rabbiner an die hohe k. Negierung bezweckten auch nur die Beseitigung dieser Mißstände. Sicherlich aber hatte die Regierung andere, erwünschtere Verordnungen erlassen, wenn die Vorstellung von Seiten der Lehrer ausgegangen wäre; die Regierung hätte dann gewiß darin den Ausdruck einer tiefgefühlten Nothwendigkeit erkannt. Wie wir gehört, waren zu diesem Behufe im vorigen Jahre die Lehrer des Rabbinatsbezirkes Kaiserslautern zu einer zweitägigen ' Konferenz' unter dem Präsidium des Rabbiners versammelt, und wurden dort ähnliche Vorschläge an die k. Regierung vorbereitet, aber die Sache, die unter diesen Verhältnissen gewiß eher auf Erfolg rechnen konnte, gedieh nicht weiter,' warum? das ist uns fremd. Wie sehr ein Lehrplan für die israelit. Schulen