Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1845)
- Date
- 1845-10-27
- Page
- Seite 664 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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664 fern von aller Disputirsucht hatte man nur immer die zu berathende Sache im Auge, und,wenn auch den Reden Zierlichkeit und glänzende Perioden fehlten, fo konnte man ihnen doch vielen praktischen Takt nicht absprechen. Verhandelt wurde hauptsächlich: Die zweckmäßigste Methode beim Uebersetzen der Bibel. Hierbei wurden die meisten der vorhandenen Methoden durchgesprochen, aber fast alle für die Volksschule nicht anwendbar gefunden. Als die zweckmäßigsten stellten sich heraus die Methoden von „Safotot" und von „Ahn-Seidenstücker." Ferner wurde ein gemeinsamer Schulplan verfaßt, damit der Unterricht in den Schulen gleichmäßig, sowie in denselben Fächern, auch in denselben Stunden betrieben werde; dann wurde eine Uebereinstimmung in den vorhandenen Schulbüchern zu finden gesucht, und zuletzt wurden Lhemate zur Ausarbeitung für die nächste Zusammenkunft, welche in den NO12N Tagen stattft'nden wird, ausgetheilt, welche zum Lheil die Schule, zum Lheil die Belehrung des Volks betrafen. Alle Beschlüsse wurden in Form eines Protokolls dem Herrn Oberrabbinen zugeschickt und um dessen Genehmigung und Unterstützung gebeten. — Möge doch der Herr Oberrabbiner dieses Institut nach Kräften beschützen und unterstützen, den Eifer beleben und ihm seinen Rath und Hülfe angedeihen lassen, so wird es auch bessere Anerkennung gegen außen und Erstarrung nach innen finden. Die Lehrer werden dann mit freudigem.Muthe in ihrem Werke arbeiten und die Schulen werden die herrlichsten Blumen entfalten. — Vom Ndiederrhein, im Oktober. (Privattnitth.) Im vorigen Monate starb zu Goch der Stadtrath und Konsistorialmitglied Joseph Heimann. Wir fühlen weder den Beruf noch die Fähigkeit einen Nekrolog zu schreiben. Bekennen muß aber jeder, der den Verstorbenen gekannt, daß er ein wahrer Biedermann, ein Israelit vom echten Schrot und Korn war. Er besaß tüchtige talmudische Kenntnisse, und obgleich selbst sehr zeremoniel und streng altfromm, war er doch ziemlich tolerant gegen Andersdenkende. Die Achtung, welche er bei seinen christlichen Mitbürgern genoß, wird dadurch bekundet, daß er schon lange Gemeinderath war und zuletzt noch zum Stadtrathe gewählt wurde. — Von der größten Wichtigkeit und von unberechenbaren Folgen ist die Wiederbesetzung dieser'Stelle; daher siehb auch der ganze Sprengel mit gespannter Erwartung auf die Wahl eines neuen Konsistorialmitgliedes, denn von dieser Wahl hangt ebensowol, wenn .auch nicht in einem so hohen Grade, das Glück oder Unglück des Sprengels ab, wie von einer Rabbinenwahl. Der Mann, welcher gewählt werden soll, muß für Juden und Iudenthum begeistert, die Religion seiner Väter muß ihm heilig sein und die Zeit mit ihren Forderungen wohl kennen, so wird auch die Wahl dem ganzen Sprengel zum Heil und Segen und ihm zur Ehre gereichen; ebenso würde auch vielleicht die unverzeihliche Unthatigkeit des Konsistorii hierdurch aufhören. Die Zeit ist da, es muß gewirkt werden; ein Orkan hat das stagnirende Gewässer bis in die tiefste Liefe aufgewühlt, und wenn es bis jetzt, sich hier auch noch ruhig ansah, so sind doch die sichersten Symptome vorhanden, daß cs auch hier endlich aufbrausen wird. Unsere religiösen Institutionen sind gänzlich in Verfall gerathen, und es sind nicht die Indifferenten allein, denen ja ohnehin alles Heilige profan ist, welche über Religion und Heiligthum spotten, sondern sogar die noch fromm heißen wollen, spotten oft über heilige Zeremonien und.entwürdigen oft auf das Abscheulichste den, Gottesdienst. Wer hieran zweifelt, besuche nur an Festtagen die Synagoge, besonders an Orten, wo diese sogenannten Altfrommen vorherrschend.: sind. Und wem.anders als dem Konsistorio in Verbindung mit dem Rabbiner.liegt es ob, diesem Unfug zu, steuern? Und wodurch anders, als durch die Unthätigkeit des Konsistorii ist dieser Unfug soweit eingerissen? — Es ist die höchste Zeit, daß zur Lhätigkeit, zur energischen Lhätigkeit geschritten werde.' 0 Oesterreich. Baja, 6. Oktober. (Privatmitth.) Drei volle Jahre sind es nun, dass eine verheerende Feuersbrunst unsere Stadt heimsuchte, der auch das Gotteshaus. zum Opfer siel. In eine dunkle, kümmerliche Nothhalle flüchtete die Gemeinde Gottes. : Aber aus der Asche entstand, dem sich verjüngenden Phönix gleich, in edlerer, verjüngter Gestalt ein neues Gotteshaus, ein sprechender Zeuge und Beleg für die Worte: ^oneoräLa res parvae crescunt.