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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-10-27 · Heft 44 (27.10.1845) · p. Seite 663

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 44 (27.10.1845)
Date
1845-10-27
Page
Seite 663 (sequence 7)
Language
German
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gerechte Sache erfaßten und welche darthat, daß das Recht für Sie, verehrter Herr, nicht nur Sache der unbefangenen, selbstklaren Vernunft, sondern zugleich Kultus des warmen, mitfühlenden Gemüthes ist. Sie haben Worte gesprochen, welche nie verklingen werden in den Herzen aller Israeliten, Worte, welche im ganzen deutschen Vaterlande mit Achtung und Verehrung aufgenommen wurden, die eine Lhat waren der reinsten Religiosität und des edelsten Freisinns zumal. Wer, wie Sie, mit warmer Liebe ergreift, was der erleuchtete Geist als wahr und recht erkennt, mit reiner Humanität die Darstellung und Verwirklichung der Rechtsidee im Staate erstrebt, auch da, wo sie gegen veraltete Vorurtheile und gegen enge Begriffe anstößt, der bedarf zwar der äußern Anerkennung nicht: die Verehrung der Guten und Edeldenkenden aus allen Ständen, allen Parteien, allen Religionsgenoffenschaften ist ihm aber von selbst durch seine That und durch sein Wirken zugewendet. Diese Verehrung gegen Sie ist bei den Israeliten des Landes mit dankbarer Anerkennung verbunden, und mit Freude erfüllen wir den, uns von unseren Glaubensgenossen gewordenen Auftrag, den Ausdruck derselben Ihnen, Verehrter, darzubringen. Ihr Name wird mit Liebe und Ehrerbietung genannt, und auch aus unserer Kinder dankbarer Erinnerung nicht verschwinden, als einer der schönsten Höhepunkte jenes Geistes der Toleranz , der Gerechtigkeit und der Humanität, den die württembergische Ständeversammlung bei dieser Frage so ruhmwürdig an den Tag gelegt hat. Nehmen Sie den Ausdruck dieser Gefühle so wohlwollend an, wie wir sie warm und innig Ihnen darbringen. Stuttgart, im September 1845. Im Namen und im Auftrag der sämmtlichen Israeliten des Landes." (Folgen neun Unterschriften.) Preuße«. N?euH, im September. (Privatmitth. Verspätet.) Wir leben jetzt in einer Zeit der Assoziationen; alle die dasselbe Amt, denselben Beruf haben oder gleiche Zwecke verfolgen, versammeln sich, um durch gemeinsame Berathung und gegenseitigen Meinungsaustausch die gemeinsame Sache zu fördern. Wenn eine solche Versammlung irgendwo Bedürfniß ist, so ist sie es beim Lehrerstande und vorzüglich beim jüdischen Lehrer. Das jüdische Schulwesen hat kaum die ersten Stadien der Entwickelung durchgemacht. Noch ist die Zeit nicht ganz vorüber, wo Männer, alles Wissens bar, den Unterricht, Subjekte ohne Erziehung und Pädagogik, die Erziehung der Jugend leiteten. Die Organisation zeitgemäßer Schulen, in welchen systematischer Unterricht ertheilt wird, ist, wenigstens in hiesiger Gegend, ein Werk der neuesten Zeit und noch ganz im Entstehen. Für die Methodologie der israelitischen Schulen ist leider noch sehr wenig geschehen, und bei dem leidigen, häufigen Lehrerwechsel kommen meistens die verschiedenen Methoden in Konflikt. Darum sind Lehrerversammlungen ein dringendes Bedürfniß unsrer Zeit. Die gemeinsame Berathung vieler praktischer Lehrer über ihre Praxis im Allgemeinen, übernhre Erfahrungen und Entdeckungen, über die Beseitigung der vorhandenen Schwierigkeiten, insbesondere die Besprechung ihrer Methoden und deren Resultatekann nur von gutem Erfolge für die Methodik und daher für die Schule sehr ersprießlich sein, indem dadurch die bessere Methode des Einen, Gemeingut für Alle wird. Und wenn Lehrerversammlungen weiter keinen Nutzen hatten, als daß mancher Laue und Gleichgültige wieder für seinen Beruf begeistert, mancher, durch die vielen Unannehmlichkeiten, die der Lehrer zu dulden hat, Entmuthigte wieder angeregt und ermuntert würde, so wären dies gewiß schon Gründe genug, um sie in's Leben zu rufen und zu begünstigen. — Vollkommen von dem oben Gesagten überzeugt, veranstalteten die Lehrer hiesiger Gegend am 18. August hier eine Versammlung. Aber.wie höchst unangenehm mußte es für jeden Besserdenkenden sein, daß von 20 eingeladenen Lehrern nur 7 da waren. Welch' ein Zeichen der Lauheit wirst dieses nicht auf die meisten Lehrer! — Aber die nummerische Größe macht es ja nicht aus! Wenn die Wenigen nur mit dem rechten Eifer beseelt sind, so können diese schon recht Vieles wirken, und die Lässigen und Lauen werden sich später dann auch anschließen, und dann können durch größere Mittel auch die Zwecke besser befördert werden. Daß der rechte Eifer bei dieser Versammlung herrschte, zeigte schon ihr , Erscheinen, vorzüglich aber die Verhandlungen. Es herrschte im Allgemeinen ein reger, strebsamer Eifer;

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