Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1845)
- Date
- 1845-10-27
- Page
- Seite 659 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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659 andere waren, wie die gewöhnlichen, daß sie auch deutsch verlesen wurden, daß das Aufrufen und die Haphtoroth wegfielen; 7) daß der Gottesdienst außer den genannten Stücken völlig deutsch war; 8) daß für die Theilnahme des Publikums in Chorälen und Chorgesängen ein neues Element hereingebracht war; 9) daß der Prieflersegen vom ganzen Chor, nicht blos von truns gesungen wurde. Was man daher im Einzelnen auch darüber urtheilen wird, im Ganzen kann man diesem Gottesdienste das Entschiedene und Bestimmte nicht absprechen. Nun und nimmer wird man denselben als einen nichtisraelitischen bezeichnen dürfen; er war durch und durch israelitisch; dies erweiset die obige Aufzählung dessen, worin er der alte geblieben, das erweiset auch die ganze Fassung des Einzelnen, in welchem selbst die öftere Erinnerung an die Erzväter, an den Auszug aus Aegypten, der Ausdruck „dein Volk Israel", in welchem die Erwählung Jsrael's, die Offenbarungslehre, selbst „der du die Todten wieder belebst" nicht fehlen. Hieran schloß sich in demselben Geiste und Charakter die Predigt. Andrerseits ging er bis an's Aeußerste, die Bedürfnisse der Jetztzeit zu befriedigen und dem Bewußtsein der Gegenwart, wie es aus Wissenschaft, Bildung und dem Einleben in das Vaterland und den Staatsverband hervorgegangen, zu genügen. Was dem Wesen der israelitischen Lehre angehört, hat man kräftigst geltend zu machen und zu bewahren gesucht; Alles was dem Bewußtsein fremd und bedeutungslos, nur formal, was ihm im Geiste der Andacht störend, in der Erhebung hemmend geworden, hat man fallen lassen. Erwägt man daher die Kulturstufe, für welche man diesen Gottesdienst hingestellt, so muß man Wünsche, die im Einzelnen mit Beziehung auf das allgemeine Judenthum gehegt worden, fallen lassen und vor der Thatsache gefangen geben. Seine Wirkung war voll und ganz: begeisternd, erhebend, läuternd, voll Adels und Schönheit, so daß man in.derselben — Nichts vermißte. Mit einem Worte: es war ein Gottesdienst, der eine große Zahl von, dem Judenthume Entfremdeten, wieder mit ihm in lebendige Verbindung bringen mußte, der aber für die Verfassung unsrer Zugend, wohin wir diese immer mehr gelangen sehen, das höchste'Brdürfniß, eine wahre Nothwendigkeit ist. Braunschweig, im September. (Vorbemerkung der Redaktion.) Wir geben diesen Artikel des für seinen Beruf so begeisterten Herrn Gold borg ganz so, wie er ihn uns übergeben, und werden recht gern von tüchtigen Männern weitere praktische Winke über Ausführbarkeit des besprochenen Gegenstandes entgegennehmen. Wir glauben, daß letztere eher möglich würde, wenn man sich vorläufig auf eine Gegend beschränkte, z. B. Norddeutschland, ohne natürlich irgend wen aus anderen Gegenden auszuschließen.) lieber die Nothwendigkeit einer Versammlung jüdischer Kantoren Dentschland's für die Verbefferung.unsrer Liturgie, inöio tr.ötti üüib bs Zeder echte Menschenfreund sieht mit Vergnügen auf den wahrhaft religiösen Sinn, der feit einigen Jahren in der deutschen Judenheit immer mehr und mehr rege wird. Der Widerspruch der zwischen der alten Lehre und den sich neugestalteten Lebensverhältnissen eingetreten war, hatte, vielleicht nothwendiger Weise, einen krassen Jndifferentismus gegen die Erstere herbeigeführt und dieser sich leider nur zu fest eingenistet. Erst in den letzten Jahren ist das religiöse Bewußtsein wieder erwacht, und, da die Verhältnisse dieselben geblieben, mit ihm auch das Streben Lehre und Leben auszugleichen. Wie schwankend der Erfolg desselben im Allgemeinen auch noch sein mag, so hat es doch auf eiuem und unstreitig höchst wichtigen Punkte im weiten Felde des religiöse» Lebens schön segensreiche Früchte getragen, und läßt uns in den vielen Schößlingen, die hier und da heroorsprossen, eine noch weit segensreichere Zukunft mit Recht erwarten. Der Gottesdienst nämlich ist es, welcher bereits, wenigstens theilweise, eine zeit- und bildungsgemäße Einrichtung erhalten hat. Nicht nur höreu wir das heilige Gotteswort in verständlicher, klarer und wohlausgebildeter deutscher Sprache von den Kanzeln unserer Synagogen herab ^.ert'önew, sondern auch das Gebet, wie von jeher also auch noch jetzt der überwiegendste und wichtigste Theil unsrer Liturgie, hat Berücksichtigung gefunden. Männer, deren echte Religiosität Niemand in Zweifel zu ziehen wagt, wie z. B. der selige Rabbiner zu Braunfchweig, haben es sich angelegen sein lassen, dasjenige aus unseren Gebeten zu entfernen, was der Bedrückung. Jsrael's in den früheren Jahrhunderten der Finsterniß seine Entstehung zu verdanken hatte; und andere, die es