Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 44 (27.10.1845)
- Date
- 1845-10-27
- Page
- Seite 658 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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658 mit der Anstellung des zweiten yrn und der Verwehrung des Chors; nicht einmal das Abschüssen einiger rinp am 282 'dgelang ihr. Doch muß es die nächste Zeit lehren, ob sie bei größred Kraftentwickelung, wie die Vorsteher am Schlüsse ihres Schreibens verkünden, ein Mehreres durchsetzt: wodurch erst wieder klar werden kann, ob diese mittlere Partei einen wirklichen Boden Ln der berliner Gemeinde hat. Das, was sie will, ist in vielen Gemeinden längst vorhanden; sie will die Gebete, wie sie sind, erhalten, nur eine Auswahl der Piutim treffen und ein Paar deutscher Gesänge einführen. Wo nun kleinere Gemeinden ein abgerundetes Ganzes bilden, hat sich dieses mittlere Maaß der Umgestaltung bewährt und gemacht. Zn allen größeren Gemeinden aber, z. B. in Frankfurt am Main, hat es nur ein sehr schwankendes Leben gewonnen, da dort die Extreme viel schärfer und als Ganzheiten hervortreten, und dann —Niemand zufrieden ist. Zn Berlin aber ist dieses Extrem bereits in's Leben getreten, es steht kräftig da, eS hat schon einen nicht unansehnlichen Theil der Gemeinde um sich geschaart, die für jenes mittlere Maaß nicht wieder zu gewinnen sind; gerade darum will aber die alte Partei ebenso wenig nachgeben, da sie nur einen Uebergang zur ganzen Reform darin erblickt: mau soll also hier um Etwas kämpfen, was schon dahinten liegt. War also für die berliner Gemeinde das verflossene Zahr von großer Bedeutung, indem die, lange Zeit in verborgener Gährung befindlichen Parteien rasch in's Leben traten, so daß mit einem Male die Marksteine sich entschleierten und die Fahnen aufgrsteckt wurden — so wird das kommende Zahr noch entscheidender sein. Während die Genossenschaft ihren ruhigen, besonnenen Weg, ohne Kampf nach Außen, gehen will und wird, und namentlich die Bildung eines dauernden Gottesdienstes zur nächsten Aufgabe hat, muß sich innerhalb des entzweiten Rabbinats, des Vorstandes und der alten Synagoge die obschwebende Frage entscheiden, und jene mittlere Reform sich den Boden gewinnen, oder die Erhaltung des Kultus in seiner ganzen bisherigen Gestalt gestatten. Mag hierin der Sieg nun auf welche Seite es sei, sich neigen, ohne wesentliche Folgen wird er nicht bleiben. — Mau spricht jetzt von Penstonirung der beiden alten Rabbinatsassessoreu, von Berufung Rappoport'sdamit Sachs ganz freie Hand habe — das würde natürlich die alte Partei auf's Tiefste verletzen, und nicht freiwillig würde sie nachgeben. Die nächste Zukunft wird dies aufklären. Wir können hier nicht schließen, ohne noch einen Blick auf dem Gottesdienst' der Reformgenossenschaft an den vergangenen Festtagen zu werfen. Energisch ist' er betrieben und in's Werk gesetzt worden, aber geräuschlos. Die Genossenschaft hat sich in Bezug auf denselben alles Ausposaunens in den politischen Zeitungen enthalten; die Theilnahme an ihm ist nicht durch Zeitungsartikel hervorgerufen, noch durch solche gesteigert worden; auch nach Beendigung desselben wurde von ihr über ihn nichts den Journalen übergeben: es sollte ein, nur durch sich wirkendes Werk sein. Wenn nun auch dieser Gottesdienst von den Bevollmächtigten selbst nur als ein provisorischer bezeichnet worden, wenn er, als nur ein Lokalbedürfniß befriedigend, mit dem allgemeinen Werke der Reform nicht identisch ist: so muß doch die ganze Institution innerhalb der Genossenschaft selbst als maaßgebend und als eine Grundlage angesehen werden, und verdient so eine nähere Betrachtung. Man wird dies dem Schreiber dieses um so eher Nachsehen, als er durch die Predigt bei demselben thärig war und ihn sehr freundliche und erhebende Erinnerungen daran knüpfen. Der genannte Gottesdienst war ebenso wesentlich der alte, wie er ebenso wesentlich ein neuer war. Worin war er der alte? 1) daß er aus Liturgie, Vorlesung aus der Tora, Predigt und Schlußgebet bestand; 2) daß die Liturgie aus Vorgebet, 1212, w'p und Irrbsn zusammengesetzt war, und in diesen Stücken sich ziemlich der Anordnung der alten Gebetstücke anschloß; 3) daß diese Gebete theils Uebersetzung, theils Bearbeitung der alten Gebete waren, wie dies auch mit dem Schlußgrbet 12^2 der Fall war; 4) daß das echtjüdische Element des (yrn) beibehalten blieb und nur aus dem Vorsänger ein Vvrbeter geworden; 5) dass das Vorlesen der Tora mit all' der Feierlichkeit umgeben ward, welche es von dem Gebete unterscheidet und aus dem Kreise des Gebetes hervorhebt; 6) daß die hebräische Sprache in den Bekenntnißsätzen und rjvtmp, in der Vorlesung der Tora, in den Predigttexten und im Priestersegen beibehalten blieb. Worin war er ein neuer? I) daß das qDittwegfiel; 2) daß eine große Anzahl Zwischengebete weggelassen ward; 3) daß neue Gebete, welche der Bedeutung des Tages angemessen,,eingelegt wurden; 4) daß alles Symbolische im Gottesdienste entfernt wurde, wie ri^L, ‘isrtf; 5) daß alle Bitten um Rückführung nach Palästina und alle Erwähnung des Opferkultus unterblieben; 6) daß die zur Vorlesung der Tora gewählten Stücke