Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1845)
- Date
- 1845-10-20
- Page
- Seite 652 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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652 Zukunft an den Israeliten das Weh zu sühnen, das sie in vergangenen Jahrhunderten erfahren. — Dasselbe Blatt enthielt durch mehrere Nummern einen Artikel, welcher die Wirksamkeit der braunschweiger und frankfurter Rabbinexversammlung darstellt. Aus dem Schlußwort ist Folgendes bemerkenswerth: „Das wären nun die Beschlüsse oder richtiger gesagt, die Aussprüche der Rabbinerversammlung. Wir sagen Aussprüche, denn es sind eben nur Aussprüche. Allein es ist dies schon ein großer Schritt vorwärts, daß der intelligentere Theil der Rabbiner die Nothwendigkeit einer Umgestaltung des Kultus offen ausgesprochen hat, was viele ihrer Amtsgenossen wol gleich gut einsehen, aber zu zaghaft sind es frei zu bekennen. Wenn diese Aussprüche auch keine bindende Kraft für die einzelnen jüdischen Gemeinden haben, wenigstens in Würtemberg nicht, wo nur mit Zuziehung und Einstimmung der Landesrabbiner neue Veränderungen im Kultus eintreten können, so üben dieselben doch auf die Masse eine solche nachhaltige moralische Wirkung aus, daß das Volk, welches ohnedieß zum großen Theil schon veralteten und Herz und Gemüth unberührt lassenden Formen entfremdet ist und deshalb dringend die Herstellung eines der heutigen Gesittung und Bildung entsprechenden Gottesdienstes wünscht, auch gerne jenen Aussprüchen, welche so sehr mit seinen religiösen Gefühlen und Gesinnungen übereinstimmen, praktische Geltung angedeihen lassen wird. Wie tief diese bessere religiöse Geistesrichtung schon Wurzel im jüdischen Volke gefaßt hat, davon geben uns die vielen Reformversuche den besten Beweis." Die Juden Würtembergs können daher vorerst ihre Hoffnung nur in die israelitische Oberkirchenbehörde setzen, der sie schon viele zweckmäßige Anordnungen zur Herstellung eines würdigen Gottesdienstes verdanken. Vertrauen wir derselben auch ferner, daß sie aus der Bahn eines zeitgemäßen Fortschrittes beharren und furchtlos durch baldige Herstellung eines den gegenwärtigen Bedürfnissen entsprechenden Kulus für Erkräftigung des Judenthums sorgen werde, denn nur auf diese Weise kann dem tvdtenden Jndifferentismus, welcher auf eine bedenkliche Weise überhand genommen hat, mit Erfolg entgegen gewirkt werden." — Beilage I. Dem Abgeordneten des Oberamtsbezirks Neresheim, Herrn Oberjustizrath-Holzinger! Verehrter! Berufen, Recht zu sprechen und zu üben, haben Sie — der innern Stimme treu — auch in der Ständeversammlung für die Forderungen der Gerechtigkeit gekämpft. Durchdrungen von dem Geist der Verfassung, haben Sie die hohe Aufgabe des Volksabgeordneten darin gefunden, zu wirken und zu streben, daß Jedem^im Volke sein Recht werde, damit Alle sich immer fester anschließen dem Vaterlande, dem König,'dem Grundgesetze. Ihnen für diese ruhmwürdige Tätigkeit Anerkennung und Dank, darzubringen, sind auch die Israeliten des Landes besonders verpflichtet. Als Mitglied der Ständeversammlung, als Berichterstatter der Kommission in der Abgeordnetenkammer haben Sie mit der Gründlichkeit und Geistesschärfe, die Sie auszeichnet, wie.die Rechtsungleichheit, welche gegenwärtig aus uns lastet, dem Gesammtwohle ebenso nachtheilig ist als den Forderungen des Rechts und der Zeit widerstrebend. Der Ruhm, den die Stände unsres Vaterlandes erworben, treugeblieben zu sein dem Geiste der Gerechtigkeit und der Humanität in einer Frage, vor welcher der gerühmte Freisinn anderer Kammern, auch in neuester Zeit wieder trübselig verstummte, Ihnen, Verehrter, gebührt er zu einem wesentlichen, Theil. Gewiß, es ist Ihnen das ein schönes und erhebendes Bewußtsein bei dem Rückblick auf Ihre ehrenhafte Thätigkeit am letzten Landtage. - Gute und edle Menschen tragen den Lohn ihrer Thaten in sich. Im freien Gemeinwesen ziemt cs aber, für eine ruhmwürdige öffentliche Wirksamkeit auch öffentliche Anerkennung und Verehrung auszusprechen. Dieser Pflicht entsprechen wir heute, indem wir dankerfüllt anerkennen, daß Sie dem Biedersinne unserer christlichen Mitbürger, dem Rechtsgesühle des edeln schwäbischen Volksstammes in der Sache der Emanzipation der Juden geistvolles richtiges Organ gewesen und wie wir der freudigen Üeberzeugung leben, daß Ihr einflußreiches Wort , auch auf dem nächsten Landtag gehört werden wird, wenn die k. Staatsregierung vervollständigend die Rechtsgleichheit, die unser geliebter König schon vor Jahren uns gewahren wollte