Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1845)
- Date
- 1845-10-20
- Page
- Seite 650 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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650 torium hat dem eigentlichen Urheber, Herrn Peter Lippmann, in Anerkennung seiner Verdienste einen, herrlichen, silbernen Ehrrnpokal überreicht. Deutschland. Hannover, 8. Oktober. Der Rabbinatskandidat Meyer hat bei der Wahl zum Landrabbiner den Sieg über Frensdorfs und Schott davongetragen, und die: Mehrheit der Stimmen für sich gehabt. Er ist ein 26jähriger Mann, der eine so bedeutende Stelle eingenommen, und so hat Adler, dennoch einen Nachfolger erhalten, der an der braunschweiger Nabbinerverfammlung so lebhaften Antheil genommen: Ob Meyer wie sein Vorgänger durch — Schweigen siegen wird (aba aiü tpab ■'ns»» Nb ist nun die Frage. Seine Bestätigung von Seiten der Landesregierung wird erwartet, und dann die Einführung statt finden. Braunfchweig, 12. Oktober. (Privatmitth.) Die öffentlichen Blatter haben einmal wieder ihre Indiskretion-, ihre Sucht nach Pikantem erwiesen, indem sie unfern Landesrabbinen von seiner Stelle durch die Negierung auf Antrag der Gemeinde re» moviren lassen. Beides ist falsch. Die hiesige Gemeinde ist wahrlich! nicht so obskur-, um das Fahren auf der Eisenbahn am Sabbat für eine Verletzung des Sabbats erster Größe zu halten. Allein die Rabbiner-Versammlung selbst hat ja bis jetzt hierüber noch keine Beschlüsse gefaßt, ihre Meinung kund gegeben, und es schien daher Vielen eine Verletzung dessen darin , was vom Geistlichen verlangt werden kann, des Anstandes. In der hiesigen Gemeinde that sich daher der Wünsch kund, daß wenigstens ein Verfahren statt fände, welches die Gemeinde als selbstständig bezeichttete, um so die Ehre der letztem zu wahren. Es ist daher eine Kommission erwählt worden, welche sich mit dem Herrn Landrabbinen vernommen, und eine Anfrage an drei Rabbinen versandt hat. So wird diese, höchst peinliche Angelegenheit wieder ausgeglichen werden. FrattVfurL am Main, 13. Oktober. Die D. P. A. Z. theilt die Antwort Frankel's aus die Adresse von frankfurter Juden mit.- Wir müssen gestehen, es ist ein solche Phrasenmacherei ohne Kraft und Inhalt, wie wir seit langernichts Aergeres gelesen, so etwas'Forcivtes, das Einen: ganz und gar kühl. läßt. Aus Wüvtembevg, 2. Oktober. (Privatmitth.) Am> 25. v. M. wurde in Stuttgart ein Missionsfest abgehalten. Einer der Festredner sagte unter Andern:- „Es ist viel geschehen in den letzten fünfzig Jahren an, den, Heiden, und in den letzten fünfundzwanzig Jahren auch an den Juden." Ferner: „Wenn noch achthundert Millionen Heiden und sieben Millionen Juden nicht von dem Namen Jesu wissen, sollen da nicht Heere gesammelt werden?" Auch wir werden bisweilen von Emissären solcher Seelenjagdgesellschaften besucht. Der Orthodoxe und Indifferente schenkt ihnen kein Gehör, und die zeitgemäß religiös Gebildeten dienen ihnen oft so trefflich, daß sie beschämt und mit leeren-Laschen weiter, zi-ehen müssen. Uebrigens meinen viele unserer intelligenteren christlichen Mitbürger, daß die Miffionsgesellfch asten, reich an materiellen, und spirituellen Kräften, zweckmäßiger und im nächsten Kreise wirkend, ungemein mehr Elend heben und Erspriesllches wirken könnten, während sie diese Kräfte im fernen Osten und Westen ohne sonderlichen' moralischen Werth vergeudeten. Aber — es läge den frommen Herrn mehr an Suaden und imposanten Aufzügen, als an bescheidener, echter Nächstenliebe. Den 5. Oktober. Auch heuer wurde das Geburtsfest unseres Landesvaters (27. September) wie in allen Kirchen, so in sämmtlichen Synagogen des Landes feierlichst begangen. Zum Text der Festpredigt hatte der Allgeliebto aus Ps. 5, 12' "p •'Dilrbs" gewählt. Es ist. gewiß-, daß jene Feier von den Israeliten Würtembergs nicht, blos als verordnet, sondern jedes Jahr mehr aus Drang des Herzens begangen wird. Wie klar den Israeliten Würtembergs ihre politische Lage geworden, mit wie viel Eifer und Umsicht sie ihre Rechte zu erkämpfen streben, und wie würdig sie deren Verfechter zu danken wissen, zeigen außer den dießfallflgen früheren Berichten nachstehende Fakta. Der Schwäbische Merkur und der Beobachs ter beschreiben die Festlichkeiten, welche dem Abgeordneten Holzinger zu ehrender Anerkennung seiner ständischen Wirksamkeit: in Bopsingen bereitet wurden. Wir entnehmen daraus, was uns insbesondere als