Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1845)
- Date
- 1845-10-20
- Page
- Seite 647 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225433--07277-3237156- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
647 soll sich mehr und mehr der Boden befestigen, -auf dem wir. unser Werk aufrichteu. Darum laßt uns nicht: allzusehr uns: selbst: vertrauen; denn wie rein auch unser Willen, wir lauter unser Strebensei, so sind wir darum nicht minder dem Irrthum und dun Fehltritt preisgegedem, wenn wir allein unserer Einsicht vertrauen. Denn der Ban, den Tausende: als/ den: ihrigen: erkennen, in dem Tausende dasHeil ihres: Lebens finden sollen, er kann nicht aufgerichtel und. vollendet werden, ohne den Rath Vieler, ohne die Stimme Mer zu hören, die daran Mitwirken sollen. Und nicht nur für uns und für diejenigen, die mit uns sind, wollen wir ja den Bart aufrichten, fondem: auch für unsere Kinder und für die Geschlechter die nach uns kommen, daß sie nicht nur sicher in demselben weilen, sondern fort und fort weiter bauen mögen bis vollendet ist das Haus des Herrn für alle Völker: Ja laßt uns nicht zurückschrecken, meine theuren Freunde, vorder Größe unsrer Aufgabe und vor der Ferne des Zieles, das vor uns liegt; denn ein edler Wille und ein reines Streben ermatten nimmer an der Fortführung, eines Werkes, das in Gottes Ramm begonnen worden und mit Gottes- Beistand vollendet werden wird. So wollen wir uns freuen an dem. Werke, das bereits vollbracht ist, um uns zu dem zu ermuthigen, das noch vor uns liegt, wir. wollen dem Allgütigen danken für den Beistand, den Er uns bisher geleistet hat und wollen- Ihm vertrauen, daß Er ihn auch ferner uns nicht entziehe. In dieser Stunde aber möge heilige Andacht unser Herz erfüllen und eine: wahrhafte, den ganzen Menschen durchdringende Erhebung in unser Gemüth ei »ziehen, daß sich: mit den Worten des Gebets unsre Seele emporschwinge zu den Höhen., in denen, der Ewige thront-. Mgnädiger Gott und Vater:! Klein und weithin über den Erdball: zerstreut' ist das: Haustein derer, die den Ranken Israels tragen, klein: ist unter diesen unsre Zahl, dir wir uns hier vereinigt haben:, um zu Dir zu beten in unsrer Weise. — Aber Du zahlst nicht die Häupter, Du wägest die Herzen. Und wenn Einer zu Dir kommt mit reiner Seele und mit lauterw Gemüth um Dich an-" zurufen, so bist Du ihm nahe und erhörest ihn. O wende. allgütiger Vater auch uns Dein Auge in Gnade zu. Segne diese Stunde,, daß sie uus zum Heile werde und segne unser Thun, daß es gedeihe, nach Deinem Willen. Du kennest o Gott unser Streben, Du weißt: es, wem wir vertrautenals wir unser Werk' begonnen. Aber das Ziel ist fern und der Weg ist dunkel. Sei Du unsre Kraft daß wir nicht ermatten, sei Du unser Licht, daß wir nicht irre gehen. Du. schauest in's Herz und kennst seine, innersten Triebe. Du weißt es nicht um unsertwillen — nein zu Deiner Ehre haben wir gestrebt und geschaffen. — Aber des Menschen Herz ist. schwach und au der Erde haftet: seine Seele. Wenn in. den innersten Tiefen unsres Gernüths, vielleicht uns selbst verborgen, noch unlautre Regungen walten, wenn Selbstsucht und Eitelkeitau unserin Thnn noch irgend einen Antheil haben-, o so schone unser nicht. Reiße sieganz aus unferm Herzen und lasse Demuth aufkeimen, wo sie wurzelten, auf daß wir in Wahrheit lernen, Diener Deines Willens zu. sein. Denn Dein ist die Ehre, Dein ist die Kraft und Dein ist unser Thun. Leite uns Herr auf dem Wege, führe uns nach Deinem Willen, auf daß unser Werk zum Segen werde. — Amen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Preußen. Breslau, 13. Oktober-. (Privat-mitth.) Das Polizeipräsidium hat die Denunziation wegen Nichtbeschneidung des Kindes des Lithographen Brüll zurückgewiefen, als vor sein Forum nicht gehörig. Hierbei erinnert man sich, daß Friedrich Wilhelm II. 1788 eine Kabinetsordre erlassen hat, nach welcher dev Staat die Verpflichtung der Juden zur Beschneidung nicht beaufsichtigen will, sondern sie den Juden allein überläßt. Ich werde Ihnendieselbe nächstens wörtlich mitzutheilen Gelegenheit haben; späterhin kam aber der Usus wieder dagegen auf. Bevliir, 14. Oktober. (Privatmitth.) Der Versöhnung stag ist vorüber, und es laßt sich nunübersehen, welchen Verfolg der Gottesdienst der Reformgenoffenschaft gehabt hat. Wenn die Wirksamkeit einer Sache der erste Maßstab ist, denman bei der Beurrheilung anzulegen hat: so kann man sie nicht groß genug schildern. Der Gottesdienst hat einen sv außerordentlichem, einenso über alle- Erwartung hinausgehenden Eindruck' gemacht, hat eine. so. außerordentliche Begeistrung geweckt, daß es sich der zur Freude rechnen kann, welcher dies: mitzudurchleben Gelegenheit gehabt. Die Zcheilnehmer bestan-