Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 43 (20.10.1845)
- Date
- 1845-10-20
- Page
- Seite 646 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3224737-3225389-3225433--07276-3237155- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
646 ligion anvertrant haben, sie sprechen es freudig aus-: Das Wort, chas ihr /gesprochen -habt, ist -gut; mndÄverm die Lhat Lew Worte gleicht, so wird 15c zum Geile Israels werden. Und nun steht sie vor uns, die erfle'Dhcrt, zu der sich dies Wort gestaltet hat, und die erste Frucht der hoffnungsreichen Aussaat, zu der eS in den Gemüther» der Unsrigen geworden. Und -wie;es ln mnsrec heiligen Schrift heißt: „Die Erstlinge Eurer Früchte sollt ihr dem Ewigen eurem Gotte darbringen," so treten auch wir mit dieser ersten Frucht unsres Strebens vor Sein Angesicht. Denn Ihm gehört sie, an Ihm ist sie geweiht und Ihm möge sie Wohlgefallen. — Und wenn sie Ihm wohlgefäüt, dann wird sie auch uns zum Segen gereichen. Denn nicht die Stunde ist es, die wir Ihm heiligen können, nicht das Haus, das wir Ihm zu weihen vermögen, denn Zeit und Ort sind Sein von Ewigkeit. Wol aber ist es unser Gemüth, das wir Ihm zuwenden sollen. Und Heil uns, wenn wir uns wieder ganz Ihm hingeben können. Wenn Andacht wieder in unser Herz einzieht, wenn die Worte die unsere Zunge spricht wieder zu lauten und lauteren -Verkündern der Regungen unsres Innern werden, wenn die Töne, die unser Ohr vernimmt, wieder mächtig anschlagen an die Saiten uns. res Herzens, daß sie fort und fort weiter klingen zum Preise des Ewigen. Heil uns, dann wird der Segen dieser Stunde weit hiuausreichcu über ihre engen Grenzen und zu einem neuen Saatkorn werden, aus welchem reichere und immer reichere Früchte hervorgehen. Darum laßt uns dem Allgütigea danken, der uns bis hierher geführt. Laßt uns Ihm danken, der unfern Sinn gelenkt hat auf Seine Wege, und uns ausrüstete mit muthiger Zuversicht und mit ausdauernder Beharrlichkeit, vor denen jedes Hinderniß weichen muß, das sich von außen entgegenstellt, der unser Thun und unser Wollen im rechten Lichte erscheiueu ließ denen, deren Hand das Wohl unsres Vaterlandes auvertraut ist, und der unser Werk werden ließ zu einem Werk des Friedens, zu einem Werke brüderlicher Eintracht unter denen, die sich dazu verbunden haben, und zu einem Werk des ungetrübten Friedens zwischen uns und den Andersdenkenden unter unseren Glaubensgenossen. Ja, meine theuren Freunde, laßt uns freudig eine Bürgschaft für die Lauterkeit unsres Strebens darin erkennen, daß selbst diejenigen unter unseren Glaubensgenossen., die unferm Wege Nicht folgen, selbst die ihn für einen falschen und irrigen halten, nimmer versucht haben unsere Gesinnung anzutasten oder uns in der Ausführung unsres Vorhabens hemmend entgegen zu treten, und daß auch wir uns niemals versucht gefunden, diejenigen $u rverwuMupsem, die nicht 4nit MM Gehen und Mcht mit mms streben, Weit .sie in den hergebrachten Hottnen unsrer Religion noch Eine wahrhafte Befriedigung ihres Herzens finden oder doch zu finden glauben. Aber so -wie wir dem Alkgittigen danken, daß er uns bis hierher geführt, so wollen wir auch auf Ihn vertraue», daß er -uns weiter führe. -Lasset mns nicht vergessen, daß es nur ein kleiner Theil unsres Weges ist, den wir bereits zurückgelegt haben, daß wir noch viel des Weges zu durchwandern, viele und gewaltige Schwierigkeiten zu überwinden haben, bevor wir uns dem Ziele nahen, das wir zu erreichen streben. Lasset uns über das, was bereits gethan ist, nicht dessen vergessen was noch zu thun bleibt, und lasset uns die Freude an unsrer ersten That zur Aufforderung dienen — nicht still zu stehen aus unsrem Wege, sondern muthig fortzuschreiten auf der betretenen Bahn, bis die letzte That gethan ist, bis der letzte Schritt geschehen, der zu unsrem Ziele führt. Und lasset uns vor Allem das Eine nicht aus dem Auge verlieren, daß wir unser Werk nicht begonnen haben um unsertwillen, nicht um der Wenigen, die sich in diiser Stadt, die sich in dieser Gemeinde mit uns vereinigt haben; nicht um der Wenigen, die gegenwärtig in diesen Mauern versammelt sind; denn schon -jetzt ist die Zahl derer nicht geringe die außerhalb der Stadt mit uns verbrüdert sind und doch nicht Theil haben können an den Segnungen dieser Stunde,-sondern'daß wir nur dann zum wahrhaften Ziele unsres Strebens gelangen können, wenn es allen unseren Glaubensgenossen zum Heile gereicht. Ja Allen, die sich zu unsrer Religion bekennen, ist unser Thun geweiht, wenn wir uns auch zunächst nur denen zugewendet haben, die durch eine Sprache und ein Vaterland naher mit uns verbrüdert sind. Denn nur so können wir in Wahrheit die Aufgabe erfüllen, die wir uns vorgesetzt haben: die Aufgabe, unsre heilige Religion selbst wieder zu dem erheben zu hctfeu, was sie nach ihrer göttlichen Bestimmung sein soll: ein ewig frischer Quell des Lebens und ein nimmer trügender Führer zur Tugend für diejenigen, die sich zu ihr bekennen, und eine immer höher sich erhebende Sonne der Wahrheit, die weiter und weiter ihr reines Licht sendet, bis sie endlich sichtbar wird allen Bewohnern des Erdballs. Und wie sich mehr und mehr erweitern soll der Kreis -derer, die einem gemeinsamen Ziele mit uns zustreben, so