Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 42 (13.10.1845)
- Date
- 1845-10-13
- Page
- Seite 641 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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641 Den Herren Zuckermann, Jaddassohn, Samostz und Fränkel habe ich nicht viel zu erwidern, wenn sie meine letzten Berichte in diesen Blättern gelesen haben, so müssen sie wol einsehen, daß, wenn sie auch an der Frankel'schen Addresse betheiligt waren, dieselbe darum doch nicht von den wahrhaften Orthodoxen ausgegangen, daß nur einzelne derselben in der unschuldigsten Unwissenheit sich zur Theilnahme haben verleiten lassen. Ihre Erklärung in No. 38 d. Zeitg. giebt mir, wahrscheinlich zu ihrem tiefsten Aerger und Bedauern, den schönsten Beweis für diese meine ausgesprochene Behauptung. Die Herren Zuckerma.nn, Jaddassohn, Samostz und Fränkel wissen recht gut, daß, wennman hier von der frommen Orthodoxie spricht, man gewiß nicht an sie denkt; von ihnen also hätte gegen meine Behauptung nicht protestirt werden dürfen, sondern von denjenigen, die hier an der Spitze der gottesfürchtigen Opposition stehen und die allgemein als die Vertreter derselben hier gelten. Daß Herr Grätz kein Geld für die Abfassung der Addresse bekommen, kann mir nicht zum Vorwurf gereichen, da ich ja eben dasselbe gesagt und tadelnd erwähnt habe, daß man für denselben die geringfügige Summe von 5 Thlr. nicht zusammentreiben konnte. Den Herren auf's Wort zu glauben, daß die Addresse mehr Unterschriften gezählt hätte, wenn man ihre Absendung hätte verschieben wollen, kann mir Niemand zumuthen, und sie erlauben daher, daß ich nach wie vor daran zweifeln darf. — Also, meine Herren, ich gebe Ihnen vorläufig die „Lüge und Unwahrhaftigkeit" zurück, bis sie durch untrügliche Beweise Ihre Aussage bekräftigt haben werden. — Von andrer Seite her suchke man mich zu verdächtigen, indem man mir vorwarf, ich ließe mich von Eingebungen Geiger's bestimmen. Der brüderlichen oder schwägerlichen Liebe kann ich es nun nicht verargen, wenn sie von Breslau über Krotoschin nach Leipzig den Balsam für die räudige Haut ihres Windelkindes schickt, aber sie hat sich nur vergriffen. Ich halte es unter meiner Würde, gegen einen Vorwurf mich zu vertheidigen, dessen sich nur ein Herr Grätz schuldig-machen kann. Ich achte und verehre Geiger seiner tiefen Gelehrsamkeit, seines edeln Wirkens, vor Allem aber seiner Festigkeit willen, die ihn alle versteckten und offenen Angriffe des Herrn Grätz verachten läßt, niemals aber hat Rücksicht für ihn mich zur Entstellung von Thatsachen verleitet und ich würde jeden Fehlgriff von seiner Seite ebenso zu rügen mich gedrungen fühlen, wie ich das Treiben des besagten Herrn verabscheue. Herr Grätz läßt von allen Seiten her seine Gelehrsamkeit proklamiren, die haufenweise in der Rezension über Geiger's Mischnah zu finden sein soll; ich habe keine Lust diese armselige Gelehrsamkeit in Zweifel zu ziehen; vielleicht hat Hr: Grätz noch andere Werke geschrieben, die mir nicht bekannt sind und deren Inhalt er nicht, wie in jener Rezension, größtentheils den Bemerkungen gelehrter Freunde zu verdanken hat — aber wenn man naseweise Schulbuben, wenn sie auch erwachsen und bärtig sind, und wenn sie auch eine Rezension geschrieben haben,' neben Männer wie Geiger, Holdheim u. A. stellt, so sieht wol Jeder ein, daß dies lächerlich und abgeschmackt ist. dixi. — Deutschland. Frankfurt am Main, 23. September. (Fr. I.) Einen interessanten Beweis, wie seU die jüngst dahier abgehaltene Rabbinerversa mm1!uMg die Aufmerksamkeit der europäischen Welt auf sich gezogen, liefert ein gestern an den Präses derselben eingelaufenes Schreiben aus Zamora in Spanien"), von der Hand eines dortigen- Presbyters, welcher, wie es scheint, im Sinne der Progressisten j-a-uch^ auch als Publizist arbeitet. An und für sich gewiß schon eine Denkwürdigkeit; aus Spanien, dem Vaterlande der Inquisition und der Auto's da fe, von einem katholischen Priester ein Schreiben an eine Versammlung jüdischer Volkslehrer! Und nicht etwa blos privatim eingesandt, sondern dessen Inhalt in der Hauptstadt Spaniens durch mehrere Zeitungen veröffentlicht! Da sage man noch, daß die Zeit nicht vorwärts schreite! Jener Inhalt aber ist nichts Geringeres, als die Darlegung wichtiger Veranlassungen für die Nachkommen der einst aus der glück- *) Dasselbe ist in wortreichem kastilischen Style verfaßt und mit theologischen Diskussionen vermengt. Der Sekretär der diesjährigen Rabbinerversammlung Herr Dr. Jost, hat es übernommen, düs Schreiben zu übersetzen und wird an geeignetem Ort einen Auszug daraus veröffentlichen. 42