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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-10-13 · Heft 42 (13.10.1845) · p. Seite 637

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 42 (13.10.1845)
Date
1845-10-13
Page
Seite 637 (sequence 5)
Language
German
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637 eben gebraucht, wie i» der hebräischen Bezeichnung, dessen Uebcrsetzung eben das griechische Wort ist (nossn rra). Und überall, wo man dem gottesdienstlichen Wesen erneute Sorgfalt zugewandt und ihm die Würde und Angemessenheit, die cs verloren, wieder zu erringen sich bestrebt hat. war der Erfolg zunächst die Wiedervereinigung der auseinander gerissenen, einander sowie dem Judenthum überhaupt entfremdeten Glieder. Daß in der Beseitigung dieser Entfremdung auch noch das tiefere Interesse für die religiöse Bildung und Erziehung der Jugend mit inbegriffen sei, daß, wo erst die Einzelnen aus ihrer kalten Jsolirung herausgetreten und unbefangen zum Besuche des Gotteshauses sich wieder entschlossen, auch der Anspruch, dem jünger» Gcschlechte Halt- und Stützpunkte für sein Bekenntniß darzubieten, sich wieder einfinde, bedarf wol nicht erst des Beweises und der nähern Begründung. Wie wenig der Gottesdienst Ln seiner bisherigen Gestalt seiner Bestimmung entspreche, geht aus derThatsache hervor, daß er eben in vielen Gemeinden eine Umgestaltung erfahren. Ueber die Mittel zu einer solchen und die Grenzen derselben liegen hinlängliche Erfahrungen vor und es kann aus dem bereits Vorhandenen das Angemessene und zum Ziele Führende, sowie das Unangemessene und. seinem Zwecke nicht Entsprechende mit ziemlicher Sicherheit ausgeschieden werden. Zur Ordnung und Gestaltung des Gottesdienstes bedarf es weniger der Einführung neuer, ihm fremder Bestandtheile, als der Ausscheidung und Entfernung derjenigen, die ihm seinen ursprünglichen Charakter genommen, sowie seiner Würde Eintrag gethan; es gilt weniger, ihn durch außer ihm liegende Mittel zu stützen oder aufzustutzen, als die in ihm liegenden, ihn bildenden und haltenteu Momente zu ihrer Geltung durchdringen zu lassen." — Es folgen hierauf Auszüge aus dem Sächsischen Gutachten über das leise Gebet, Vorsänger und Chor, die wir hier übergehen. B. „In Erwiederung auf den Antrag eines wohll'öblichen Vorstandes der hiesigen jüdischen Gemeinde vom 23. Dezember v. I. haben wir nach genauer Erwägung des Inhalts Folgendes zu bemerken. Zuvöderst aber erlauben wir uns hiermit darzuthuu, daß wir Ln Ihrer Aufforderung zur Begutachtung der von Ihnen in Vorschlag gebrachten Abänderungen beim Gottesdienste Ihre edle Absicht nicht verkennen, wir wissen vielmehr, daß ihr Streben nur dahin geht, den leider erkalteten religiösen Eifer wieder zu beleben. Folgende Gründe hingegen bestimmen uns den Vorschlägen nicht beizutreten: a) erachten wir diese Neuerungen für nicht fördernd den daraus zu erspricßenden Endzweck, denn dem Unwissenden, welchem die Beurtheilung des Wesentlichen und Unwesentlichen mangelt, bleibt dann nichts mehr heilig, und das noch Bestehende könnte von ihm dann nicht minder in Zweifel gezogen werden; b) leben wir jetzt in einer Zeit, wo unbefugte Lehrer, die keine Autorität achten und sich unaufhaltsam bemühen, die Basis des JudeathumS zu untergraben, damit es in sich zerfalle; werden wir nun die alten, ehrwürdigen Schranken aufheben, so haben wir ihnen die Bahn gebrochen und ihnen zugleich die Anleitunggegeben, sich durch willkürliche Neuerungen bei ihren Gemeinden geltend zu machen; o) werden wir durch die Abschaffung der bisher in Achtung gestandenen Gebräuche und Gebete nicht ermächtigt sein, neue Schranken zu setzen, denn sobald wir einräumen, daß die alten Autoritäten ihren Einfluß verloren haben, so wird dem Neuen das Vertrauen nicht mehr gegeben werden. In der That halten wir uns nicht für kompetent (zu welchem überhaupt ein großer Grad von Egois- , mus gehört) der Judenschaft in der ganzen preuß. Monarchie sagen zu wollen, diese Grenzen haben wir gezogen, sie zu überschreiten ist nicht zulässig; ä) muß in einer Gemeinde, wo nur eine Synagoge ist, denen, welche an die frühere herkömmliche Ordnung der Gebete gewohnt sind, jede Abweichung eine Kränkung verursachen, indem sie dadurch gezwungen werden, wider ihr Gewissen die neue Gebetsordnung zu theilen; wir werden dadurch nur den Saamen der Zwietracht in friedliche Gemeinden ausstreuen und in den kleineren Gemeinden, wo die Nachahmungssucht 'wüthet, könnten Beleidigungen vorfallen, die an die Behörde gebracht nur Verachtung dem Jndenthum zuziehen würden. Die Erfahrung hat's genügend bekundet, daß in mancher kleinen Gemeinde die Mitglieder verschiedener Parteien sich gegegenseitig angefeindet haben u. s. w.

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