Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1845)
- Date
- 1845-10-06
- Page
- Seite 629 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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629 da rc." — Und das Gemurre dann, das Anneiden und Anfeinden, das Sinnen auf Bestechung der Beamten und auf Anschwärzung des Andern, muthmaßlich Begünstigter»!! Warum soll denn der oder jener glücklicher sein? „Es soll aber kein Angeber unter deinem Volke einhergehen! Sind wir denn aus bessrem Stoffe als andere Menschen? und wohnt in unsrer Brust denn weniger die Selbstliebe? Nicht doch und — " Ha pfui! ich will das ekle Gemälde nicht aufrollen. Wie vielen edlen Seelen, besonders Mädchen, die dies Treiben mit ansahen, wurde das Herz vergiftet, und ach! wie viele unter ihnen haßten dann die Mitgedrückten!? Denn der kalte Verstand nur trennt Ursache und Wirkung, das Herz sondert nicht, es empfindet nur. Und trotz allem dem — doch wem von den Lesern dieser Blätter brauch ich von dem Geiste, dem Herzen oder der allgemeinen Bildung unter den Juden zu reden?! Das was ich aber hier erwähnte, das sind die Anstalten zur Verscheuchung einer mittelalterlichen Barbarei, das sind die Versuche zur sittlichen Hebung der Juden und zur Verbesserung ihrer Lage. Wol könnte ich von erfreulicheren Anstalten erzählen, die aus den Juden selbst erwachsen — aber davon ein ander Mal. Von Sternen, die uns freundlich blinken, habe ich Eingangs dieses Berichts gesprochen? — Sie sind nicht zahlreich genug, als daß man sie nicht bequem zählen könnte. Aber zählen muß man sie um so mehr, als bei uns noch nicht die Oeffentlichkeit herrscht, welche oft das Wahre, Rechte und Gute durch die Repräsentanten der Masse verkündigt. — Die Petitionen der preußischen Städte hatten hier eine sehr freudige Sensation erregt, und daß sie unter den gerechtesten Anforderungen der Zeit die Emanzipation der Juden rechnen und fordern, .hat, wie man sich denken kann, besonders die Juden erfreut. Unsere Städte petioniren nicht, und wenn sie petitioniren dürsten, würden sie jetzt noch schwerlich um die Gleichstellung der Juden bitten, aber darum soll man um so eher des Guten und Freundlichen erwähnen, damit beide Parteien sich dessen bewußt-werden,, und weitaus einem .Funken Flammen werden, aus einem Keim ein starker Baum mit tausend Früchten, aus einem Liebesblick und einem Liebeszeichen aber ein Liebesglück und ein Liebesbund. David Kuh. Pesth, im September. In der D. A. Z. wird eine große Jeremiade von hier aus angestimmt, daß die Proselytenmacherei unter den Juden gar nicht fortwlll, trotzdem die Engländer mehrere Missionäre halten. Wer hat zuletzt Schuld? — Die Juden. Wenn die Juden nicht wären, würden sich viele Juden taufen lassen! Ist das nicht kurios? Daß diese Leute doch niemals klüg werden! Palästina. Konstantinopel, 10. September. Der Divan hat dem englischen Gesandten einen Ferman ausgefertigt, daß die anglikanische Kirche in Jerusalem gebaut werden dürfe, jedoch mit der Klausel, daß keine Proselytenmacherei getrieben werden dürfe, indem schon ein früheres Gesetz allen Rajah's (Nichttürken) der Konfessionswechsel ohne Erlaubniß verboten sei. Damit wäre freilich der nervus des ganzen Bisthums zu Jerusalem abgeschnitten. Der englische Gesandte wollte wenigstens den Uebertritt der anderen christlichen Sekten gestattet haben. Jerusalem, I. August. Der Einfluß der holländischen Tyrannen scheint im Adnehmen, indem nun von Monteft'ore und den Rothschild's das jüdische Hospital gebaut werden soll, zu dem die Idee von unserm Blatte ausgegangen. Montesiore wird in Jerusalem erwartet. Literarische Nachrichten. GroH-Kanischa, 20. September. (Pcivatmitth.) Zulässigkeit und Dringlichkeit dec^ Synagogen-, reformen, begutachtet von vorzüglichen in- und ausländischen Nabbinen. Wien, 1J345. Weniger die Wichtigkeit in Bezug, auf Wissenschaftlichkeit und der darin ausgesprochnen Grundsätze als die Hecvorcufung und Entstehung machen die Anzeige und Besprechung des in der Ueberschrist erwähnten Werkchens in der Allg. Zeit, des Judenthums räthlich und wünschenswerlh, um die Aufmerksamkeit der ungarischen Juden darauf zu lenken. In Papa, einer der größten und wohlhabendsten Gemeinden Ungarns, wird ein Tempel, der an Pracht und Größeseines Gleichens in Europa sucht, bald.der Vollendung nahe sein. Mehrere achtbare Familienvater,.