Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1845)
- Date
- 1845-10-06
- Page
- Seite 628 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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628 Prag, theilweis zum Besten der Jubelfeier der Präger Universität, böhmische Vorlesungen zu haltew gesonnen ist. Ueberhaupt nimmt das Vorurtheil gegen die Juden, seit der kurzen Zeit, daß die jüdischen Angelegenheiten auch in slavischen Blättern besprochen werden, wie ich vielfach zu bemerken Gelegenheit hatte, bei den Cechen überraschend schnell ab. -Und trotz allem dem kann der Judenhaß je ganz schwinden, so lange die Juden eine ausnahmsweise Stellung einzunehmen gezwungen sind?! Die Schuld dieser Schmach wirft der Bürger der Regierung und die Regierung dem Juden gegenüber dem Bürger an den Hals, und wer sie auch immer ganz oder theilweise trägt, will sie zu rechtfertigen trachten und wie darf da der Haß je enden?! Es ist ein Jammer, welchen Zwiespalt, auch theilweise liberale Verfügungen unter den Juden erregen. In Wien z. B. darf der Jude jedes Handwerk als Lehrling erlernen, als Gesell darf er sich jedoch nicht daselbst aufhalten, wie überhaupt keinem Juden erlaubt ist, bei einem Christen in Diensten zu stehen. Ebenso darf man dort an den Staatsanstalten öffentlich studiren und wer z. B. und sei es auch manchmal nur , um sich mir größter Mühe und Noth dem Schacher zu entwinden 14 Jahre lang studirt hat und endlich 1)r. med. worden ist, der zahlt dann für die Erlaubniß je 14 Lage lang in der Stadt athmen zu dürfen 5 fl. jüdischen Leibzoll, aber als Arzt daselbst praktiziren darf er nicht. Zur Vermeidung jeglichen Jrrthums bemerke ich, daß Gegenwärtiges nicht etwa der Abdruck-eines alten, mehrhundertjährigen Manuskriptes, sondern, wie ich bei allen Heiligen versichern kann, der Wahrheit nach treu im Jahre 1845 geschrieben. — Auch die Technik dürfen sie studiren und das haben zum Behufe eines ehrenvollen Fortkommens gar Viele benützt, von denen sind jetzt einige aus Böhmen nach Amerika gewandert, um es dort zu finden; einer, der tüchtige Techniker Klein hat es glücklicher Weise näher und zwar in Würtemberg als Oberbaurath gefunden. Da fast Noth an Technikern ist, so fanden sie bei Privatunternehmern hier und da auf kurze Zeit Beschäftigung. Als die Bahn Juden kann keine Folge geleistet werden. — Wenn ich jedoch nicht irre, las Bendavid 1804 über kantische Philosophie an der wiener Universität. — Staatsbahn wurde, mußten sie zurücktreten. Einer war so naseweis um eine Anstellung an derselben einzukommen; er wurde abgewiesen und ihm ein nochmaliges Bittstellen untersagt. Ein Andrer wollte, bei dem tüchtigen Oberingenieur Perner in Prag unentgeltlich praktiziren, wäre auch sogleich angenommen worden, wenn derselbe nicht zufällig bemerkt hätte, daß er ein Jude sei. - „Da können Sie bei uns nicht praktiziren, warum sagten Sie mir das nicht gleich?" gab der Ingenieur zum Bescheid. „Ich wußte nicht, daß es leider auch ein Hinderniß bei einer unbesoldeten Anstellung sei," erwiederte Jener. „Ich darf nur solche Leute bei mir prakliziren und sich ausbilden lassen, die der Staat später verwenden kann," sagte der in der That liberale Mann. — Aus Böhmen wandern seit einiger Zeit mehrere Juden nach Amerika. Lebhaft spricht es für diese Auswanderer, die großen Theils Leute von Bildung sind, daß sie sich dort keineswegs dem Handel, der ihnen hier nicht zur.Gewohnheit,' nur zum Ekel geworden, sondern den Handwerken und dem Ackerbau widmen. Leute, die hier Buchhalter und Kommis waren, sind jetzt dort Ackerknechte und ich sab Briefe von ihnen, die doch voll Frohsinn und Zufriedenheit waren. Einer wanderte sogar mit seiner Braut aus. Leichtsinn über Leichtsinn!-Konnte er nicht lieber vierzehn oder gar zwanzig Jahre warten, wie es sich auch schon traf, bis eine Familienstelle wäre leer geworden? Wie niederdrückend und entsittlichend -dieses Warten auf eine Familienstelle ist, davon hat nur der einen Begriff, der, wenn auch nur kurze Zeit, unter den Juden auf dem Lande gewohnt hat. Es ist fast das stete Lagsgespräch des jungen Burschen, verbittert sein Gemüth und der empörende Gedanke verfolgt den Gefühlvollen bis in das Haus Gottes und erfüllt ihn mit Ekel, wenn er am Sabbat oder Festtagen dieHallelujah's unterbrechen hört, damit der Synagogendiener im . Aufträge des herrschaftlichen Amtes verkündigen könne: „Haben sich sämmtliche Konkurrenten um die, durch den Tod des Schutzjuden NN. erledigte Familienflelle mit den. gehörigen Zeugnissen versehen, als da sind erstens rc. (jetzt werden sie aufgezählt und zwar gehören zur Erreichung einer Familienstelle mehr Zeugnisse als zur Erreichung irgend eines akademischen Grades,) Montag den und den Datum auf das löbliche herrschaftliche Amt zu begeben, um all-