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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-10-06 · Heft 41 (6.10.1845) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 41 (6.10.1845)
Date
1845-10-06
Page
Seite 627 (sequence 11)
Language
German
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627 sicherteauch in böhmischer Sprache geschrieben. Unter allen Redaktoren deutscher Blätter in Oesterreich bespricht er die slavischen Herhältnisse daselbst am würdigsten und offensten. — Selbst in den echt deutschen Gedichten des kräftigen, gemüthreichen Hartmann (aus Duschnikin in Böhmen), dessen „Kelch und Schwert" (Leipzig, I. I. Weber 1845) besonders in Böhmen sehr freudig ausgenommen, zuckt ein warmes, nationales Mitgefühl. Dasselbe und im stärkern Grade ist bei dem genialen Kaufmann (aus Bidschow) der Fall; ich brauche blos, obwol er auch als Publizist böhmische Interessen vertreten,. an seinen ausgezeichneten böhmischen Dorfjuden zu erinnern (Berlin, Ieschurun 184V). Wenn ich die deutschen Dichter und Schriftsteller unter den böhmischen Juden nenne, so darf ich nicht den gewandten Redakteur und Publizisten und Dramatiker Kuranda aus Prag vergessen. — Ganz der slavischen Partei angehörig ist Siegfried Kapper (aus Smichow bei Prag.) Schon seine milden „slavischen Melodieen" (Leipzig, Einhorn 1844), beurkundeten diese seine Richtung. Seine jüdisch-nationalen Gedichte in der Zeitschrift Kwety zeichnen sich vor seinen deutschen durch eine entschiedenere, kräftigere Gesinnung aus. Sie wurden von den Böhmen um so freudiger begrüßt, als er der erste Jude ist, der sich unter die cechischen Dichter reiht. (F. Edler von H—g schrieb, wenn ich nicht irre, vor einigen Jahren einige minder bedeutende böhmische Aufsätze.) Nächstens erscheint von Kapper bei Pospisil in Prag ein Band böhmischer Gedichte in zwei Abtheilungen unter dem Titel: I. „Wlast md a kmen inug. II. Ruze Sarouska. (Mein Vaterland und mein Stamm. Die Rose von Saron.) — Auch auf dem Lande, wo die Juden oft weit besser böhmisch, wenigstens nicht so korrupt, als deutsch sprechen, regen sich analoge Bestrebungen. So wurde kürzlich, wie die Kwety melden, durch Vermittlung eines Herrn Morawetz und eines edeln Menschenfreundes aus Prag (wahrscheinlich Leopold Edler von Lammel) in Kosteletz, sowie schon früher in Raudnitz cechische Schulen für Juden gegründet. Die unter den Cechen bestehenden Judengemeinden werden wol alle binnen wenigen Jahren ähnliche Anstalten errichtet haben. Denn abgesehen von jedem höhern Interesse, werden diese immer mehr Bedürfniß, indem durch genauere Kenntniß der Nationalsprache der gesellschaftliche Verkehr, sowie der des Handels und der Gewerbe ungemein erleichtert wird. Solchen und ähnlichen Bemühungen kommen die christlichen Bewohner des Landes freundlich entgegen. Der in diesen Blättern öfter erwähnte böhmische Dichter W. B. Nebesky baut auch ferner die Bahn zur freundlichen Annäherung der jüdischen und christlichen Slawen mit Eifer an. Erst kürzlich (Februar 1845) brachten die Kwety wieder einen Artikel von ihm über dieses Thema, in dem er auch die prager Vorfälle im August 1844 mit Bitterkeit und Wärme besprach. Noch mehr Anerkennung verdient eine mit ebenso viel Liebe als Sachkenntniß geschriebene Abhandlung desselben Verfassers in der Ce8ka Wcela: über die Feigheit als vermeintlichen Nationalfehler der Juden über das Judendeutsch, wo er besonders die slavischen Worte berücksichtigte ff. Hier zitirte er Zunz und Rappoport, führte auch bei dieser Gelegenheit die würdigenden Worte des erstem über Rapoport an, bemerkte, daß dieser Koriphae der jüdischen Wissenschaft in Prag lebe und daß er doch leider, in Folge einer Ungerechtigkeit, die sich fast auf Alles, was jüdisch heißt, sei's Leben oder Wissenschaft, erstreckt, von den slavischen Gelehrten daselbst ungekannt und nicht beachtet sei. — Nicht unwichtig mag es auch sein als Zeichen der theilweisen Gesinnung des Volkes und des doch endlichen Dahinschwindens eines krassen Vorurtheils, daß auf dem Slavenballe, der diesen Karneval in Wien stattfand, unter den glänzendsten literarischen und gesellschaftlichen Notabilitäten (es waren mehrere der ersten böhmischen Aristokraten, die Grafen Cernin, Harrach, Lützow'rc. anwesend) auch Juden zugegen waren. Die Schriftsteller Frankel, Kapper ff. und der Mnemotechniker Ed. Dick"), welcher im Frühjahr in *) Derselbe gab in Wien Vorlesungen an der theresianifchen Ritterakademie und bei der k. k. ungarischen Leibgarde. Nachher kam er um die Erlaubniß ein, auch an der dortigen Universität lesen zu dürfen, wurde aber, weil er mehrere Zeugnisse, unter Anderen auch den Taufschein nicht beigelegt, abgewiefen. Seinem nochmaligen Bittgesuche legte er die geforderten Zeugnisse, wie auch seinen Geburtsschein (Beschneidungsattest) vollständig bei, wurde aber, weil er wieder unterlassen den Taufschein!! beizulegen, gänzlich abgewiesen. Um wieviel humaner man doch-jetzt ist! Sonst hatte jedes Amt einfach den Bescheid gegeben: „Dem Gesuch des

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