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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-10-06 · Heft 41 (6.10.1845) · p. Seite 626

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 41 (6.10.1845)
Date
1845-10-06
Page
Seite 626 (sequence 10)
Language
German
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626 Hamburg, 29. September. (Privatmitth.) Der hiesige „Verein gegen das Branntweintrinken" hat vor Kurzem einen eklatanten Beweis seiner humanen Richtung, gegenüber der exelusiv christlichen, der die meisten Mäßigkeitsvereine sich hingeben, dadurch abgelegt, daß er zu seinem Deputirten an die Generalversammlung in Berlin,, neben noch einem christlichen Mitglieds, unfern Dr. Frankfurter erwählt hat, in der ausgesprochenen Absicht, durch die Wahl eines Juden seinen Standpunkt deutlich zu bezeichnen und mit dem speziellen Auftrag gegen alles Muckerwesen Protest einzulegen. Dem Vernehmen nach haben diese und ähnliche Demonstrationen.eine' sehr eingreifende Wirkung auf die berliner Versammlung geübt. Das hiesige, vom Prof. Büttner redigirte Blatt jenes Vereins hatte sich in der letzten Zeit einfallen lassen aus östlicheren Blättern mehrere Erzählungen aufzunehmen, in welchen auf eine andere Manier der Judenhaß gepflogen wird, worauf denn in einer der letzten Versammlungen der Herr Büttner durch einmüthigen Beschluß und cormn protocollo eine so derbe Lektion erhielt, daß er künftig dergleichen wol hübsch bleiben lassen wird. O die Deutschen! Dreißig Jahre lang haben sie den Religionshaß an den Juden geübt und befördert und selbst die nicht persönlich Thätigen haben dem studirten und unstudirten „Volke" gern dieses unschuldige Vergnügen gegönnt, die Deutschthümelei als eine Aeußerung der Einheit, die Radikalen als eine Bewegung kaute d6 mieux — ■— und jetzt ist die Saat üppig aufgeschossen und Alles kommt darin überein, daß der einzige innerhalb Deutschlands mögliche Krieg — ein Religionskrieg ist! —. Einen andern Sieg hat die Humanität hier gefeiert. Es hat sich nämlich ein Theil der niedersächsisch konstituirten Freimaurerloge abgetrennt und lediglich in der Absicht, Juden aufzunehmen, sich zu einer eignen Loge gebildet. Dr. Detmer, Schuldirektor und Dr. Brinkmann, Advokat, sind die Stifter. —. Die vor Kurzem hier vorgefallne Wahl eines Klausrabbiners an die Stelle des verstorbenen sehr gelehrten und als Maggid sehr geschätzten "lira *ud Rabbi Joseph Hannover, welche auf den durch asketische Frömmigkeit und talmudische Gelehrsamkeit ausgezeichneten Hrn. Gottschalk Schleßinger aus Flehingen (Rabbi Götsch), einem Schüler des altona'schen Rabbiners fiel, hat in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich viel von sich reden gemacht. —. Am 25. d. M. verlor unsre Gemeinde eins 'ihrer ausgezeichnetsten Mitglieder in dem bis vor Kurzem noch ganz kräftigen Greise, dem Wagenhändler Levin Lazarus (R'Löb Stieber), dem Letzten von den Parnassim der ehemaligen hiesigen drei Gemeinden. Dieser sehr religiöse, aber keineswegs kopfhängerische, brave Mann, Chef der hiesigen Schaß-Chebra und der Kabranim-Brüderschaft, starb im 82sten Jahre seines Lebens und im 63sten seiner glücklichen Ehe '121 w-iw-» mn höbs mnn. Oesterreich. Aus Böhmen, im September. (Privatmitth.*) Am trüben Himmel unsres gedrückten Lebens blinken uns Juden hier jetzt einige freundliche Sterne. Das Interesse an nationalen und literarischen Bestrebungen bringt manchen freundlichen, erhebenden Klang in die öde Monotonie unsrer Pariaverhältnisse. Besonders gilt dies von Böhmen. — Hier bereitet sich der friedliche Sieg der Nationalsprache vor, welcher in der Erlangung einer gleichen Berechtigung mit der Deutschen besteht. Deutsche und cechische Bestrebungen erregen einen Wetteifer, in dem wol der Enthusiasmus am ehesten zum Ziele kommen dürfte. Wie überall in den zivilisirten Ländern Eüropa's ist auch hier der Geist des Juden mehr oder minder von der Nationalität erfaßt und genährt, und je nach seinem Geburtsorte, seiner Umgebung, seinen Jugendeindrücken und wol auch öfters seinem Rechtssinne steht er in der einen oder andern Reihe und wird in ihr von seinen jüngeren Söhnen würdig vertreten. Auf der deutschen Seite natürlich viel stärker, da auch die Cechen bisher ihre höhere Ausbildung, durch die jetzt in Frage stehenden Verhältnisse, in deutscher Sprache zu empfangen genöthigt waren. — Doch gehören manche von den jüdischen Schriftstellern, obwol sie deutsch schreiben, ihrer Richtung nach mehr zur Nationalpartei. So z. B. der Dr. Ludwig August Frankel (aus Ehrast in Böhmen), dessen Erstlinge in der Poesie, wie er dem Kardinal Mezzofanti zu Rom ver- *) Etwas verspätet. Redakt.

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