Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1845)
- Date
- 1845-10-06
- Page
- Seite 624 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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624 mehr belebend und erhebend auf das religiöse Gefühl zu wirken vermöge; wir haben nicht ausgenommen, was, seiner Bedeutung oder seiner Erscheinung nach, nicht im Einklang zu stehen schien mit unsrer, nicht minder im Boden unsrer Zeit als im Boden unsrer Religion wurzelnden Denk- und Empsindungsweise. — Wir sind in den äußeren Anordnungen unsres Gottesdienstes von den, jetzt freilich schon in großer Mannigfaltigkeit bestehenden Reformen nicht unwesentlich abgewichen; desto mehr aber sind wir darauf bedacht gewesen, unsere Gebete zum bestimmten und entschiedenen Ausdruck der religiösen Ueberzeugung zu machen, die sich im Judenthum und nur im Judenthum kund giebt, und die Bedeutung dieser besonderen, unsrer Religion angehörenden Festtage zum lebendigen Bewußtsein zu bringen. Unser Gottesdienst sollte kein solcher sein, der sich eine möglichst allgemeine, Allen in gleicher Weise zugängliche Gottesverehrung zur Aufgabe stellt, sondern ein solcher, der lediglich in dem bestimmten Religionsbewußtsein des Judenthums wurzelt, das sich zwar von den letzten Spuren einer nationalen Besonderheit frei zu machen sucht, aber seine eigenthümliche, geschichtliche Entwickelung nicht aufgiebt, und darum ebenso freudig zurückblickt auf seine Vergangenheit, in der es zum Träger einer ewigen Wahrheit berufen wurde, als es zuversichtlich auf die Verheißung der Zukunft schaut, in welcher die ganze Menschheit den einzigen und unsichtbaren Gott bekennen und anbeten wird. Wir haben in der äußern Erscheinung unsres Gottesdienstes der allgemeinen Denk- und Empsindungsweise der Zeit ihr Recht werden lassen, in dem Inhalt unserer Gebete den einen und unveränderlichen Geist des Judenthums zur vollen Anerkennung zu bringen versucht. In diesem Sinne haben wir gewirkt und geschaffen und wir sind uns bewußt, unsere Beschlüsse mit Besonnenheit und Gewissenhaftigkeit gefaßt und uns mit ausdauerndem Eifer, ihrer Ausführung unterzogen zu haben. Möge es uns gelungen sein, dem religiösen Bedürfniß unsrer Genossenschaft ebenso sehr zu entsprechen, wie wir bemüht waren, denselben entgegenzukommen. Mögen diese heiligen Festtage zu Tagen wahrhafter Andacht und Erhebung für uns werden und dazu, beitragen, uns ebenso sehr in der Anhänglichkeit an unsre heilige Religion zu befestigen, als uns zur muthigen Fortführung der Aufgabe zu erkräftigen, für die wir uns verbrüdert haben. Berlin,-den 29. September 1845. Die Bevollmächtigten der Genossenschaft ... und die Repräsentanten für Einrichtung eines Gottesdienstes." —. Die Gebete des zweiten Festtages sind denen des ersten meistens konform, nur daß die Bearbeitung von r-173-uü und Mehreres aus Y'imb ‘■PSüii und naw ^2 eingelegt sind. Breslau, 25. September. Auch hier hat sich der Fall ereignet, daß ein Jude, Lithograph Brüll, die Beschneidung seines Kindes weigert. Der Fall ist bei den Behörden angezeigt, und so hat nun auch Preußen diese Frage zu beantworten, welche der Senat von Frankfurt a. M. ganz und gar abgelehnt hat. Es wäre zu wünschen, daß die theologische Streitfrage nicht wieder ausgenommen würde, da sie schon genugsam besprochen ist. Deutschland. Dresden, 26. September. Sachsen ist eines der wenigen deutschen, ja europäischen Staaten, auf deren Budget „der israelitische Kultus" eine eigne Rubrik ausmacht, nämlich mit 400 Thlr. jährlich. Da Sachsen nicht, ganz 800 Juden zählt, so kann dies nicht als ganz unbedeutend angesehen werden, da in Frankreich nur eireu 10 Sgr. auf den Kopf käme. Obiger Betrag ist auch diesmal den Ständen vorgelegt worden. Frankfurt am Main, im September. Von hier aus ist auch eine A'odresse und ein silberner Pokal an den Dr. Frankel ergangen. Kassel, 28. September. (Privatmitth.) In einem jüdischen Winkelblattewirft sich ein Ungenannter als Beurtheiler eines Berichts in No. 31 der Allg. Ztg. d. Judenth., die Besetzung der hiesigen Rabbinerstelle betreffend, auf, und bringt darin so viele Unrichtigkeiten und Enstellungen der Wahrheit vor, daß dieselben einer Berichtigung dringend bedürfen.