Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1845)
- Date
- 1845-10-06
- Page
- Seite 623 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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623 den übrigen Paraschoth; eine freie Bearbeitung von den, ein Neujahrsgebet, die Ni'LN ran nbsn fast ganz wörtlich bearbeitet, ein Hallelujah zum Schluß. — Das. Morgengebet für den ersten Neujahrstag beginnt mit einem Chorgesang, woran sich die Beartungen von yna, 'Nbrr, bs ■pm schließen, worauf sofort die von nnriN folgt, hierauf die von i:n:§ ‘p-sb, hebräisch y?a« und , ött) l"ptaQ, deutsch nana«; dann folgt die Bearbeitung von anaa ab® -r3> Nift nnN, und ein Chorgefang, ein eignes ilieujahrgebet mit Chorgesang durchsiochten; in die tibsn sind die inranp hebräisch und einige deutsche Gebete eingelegt. Es folgt die Aushebung der Tora aus der Lade und das betreffende Stück wird hebräisch und deutsch vorgelesen; hierauf Predigt, de.r Priestersegen hebräisch, Einhebung der Tora, ’ irb* bearbeitet, Hallelujah. —" Inwiefern die Gebete für den zweiten Tag variiren, ist uns, da wir die Bogen noch nicht haben, nicht bekannt. Wir sehen also, daß dieser Gottesdienst eine ganz neue und eigenthümliche Stufe gegen die bisherigen Kultveränderungen einnehmen wird. Es ist nichts hebräisch darin, außer n-w, tna -p->2, s-nönp, irrinn nK*np und na^a; es bilden zwar die alten Gebete den Grundstock deS Gottesdienstes, aber in eigentümlicher Auswahl und in freier Bearbeitung; es ist vollständig weggelassen alles Symbolische, das Gebet um Rückführung nach Palästina, das Gebet um Herstellung der Opfer. Dagegen ist ebenso sehr, wie bis jetzt, ausgedrückt die Lehre von der Erwählung Jsrael's, von der Offenbarung Gottes an Israel, und ganz besonders scharf ausgeprägt die Lehre von der Bestimmung Jsrael's, den Völkern die Lehre Gottes zu lehren und zu bezeugen, wo denn die Zerstreuung Jsrael's als Mittel hierzu ausgesprochen wird. Eine charakteristische Stelle hierfür z. B. ist: „Du hast uns treu erhalten Deiner Lehre und der Religon unserer Väter, und hast unfern Sinn erleuchtet, daß wir nicht fürder glauben, verstoßen zu sein vor Deinem Angesichte, weil wir zerstreut sind unter den Völkern der Erde, sondern mit Zuversicht auf die Zukunft schauen, in der sich Deine Verheißung erfüllen wird, daß alle Völker sich vereinen werden, um zu Dir zu beten." In diesem Sinne ist die Messiaslehre mehrmal ausgesprochen; auch die historischen Erinnerungen feh-. len nicht. Indem wir soeben bereit sind, zu diesem Zwecke nach Berlin zu gehen, werden wir in der nächsten Woche eine ausführliche Darlegung und eine spezielle Kritik geben. Berlin, 30. September. (Privatmitth.) Folgendes ist das Programm, welches die Reformgenossenschaft über den Festgottesdienst ausgegeben hat: „Wir übergeben unseren Genossen das Programm des Gottesdienstes für die bevorstehenden Festtage nicht ohne das Bewußtsein der hohen Verantwortlichkeit, die wir durch die von uns" getroffenen Bestimmungen sowol Ihnen, als unsrer allgemeinen Aufgabe gegenüber übernommen haben. — Wir haben nicht angestanden, diese Verantwortlichkeit allein zu tragen, weil bei der Kürze der Zeit und bei dem Umfang und der eigentümlichen Beschaffenheit des Gegenstandes eine öffentliche Berathung und gemeinsame Beschlußnahme nicht möglich erschien. Es war uns die Aufgabe gestellt, einen, dem religiösen Bedürfniß unsrer Genossenschaft entsprechenden Gottesdienst in's Leben zu rufen. Diese Aufgabe, im Zusammenhang mit der Bedeutung der bevorstehenden Feßtage für die Bekenner des Iudenthums, haben wir streng in's Auge gefaßt, und ohne den zukünftigen Bestimmungen einer Synode dadurch irgend vorgreifen zu wollen, ja ohne uns für berechtigt zu halten, für den von uns beschlossenen provisorischen Gottesdienst ohne Zustimmung der Generalversammlung bleibende Anordnungen zu treffen, wünschten wir nur den gegenwärtigen Gottesdienst als den wahrhaften Ausdruck des religiösen Bewußtseins unsrer Genossenschaft erscheinen zu lassen. Wir erklären auf's Entschiedenste: Was wir von dem Bestehenden ausgenommen haben, wollen wir dadurch nicht für ein nothwendiges Element des Iudenthums gehalten wissen; was wir nicht ausgenommen, erklären wir noch viel weniger für ausgeschlossen aus der zukünftigen Gestaltung des Judenthums; wir haben vielmehr das Bestehende überall zur Grundlage unserer Anordnungen gemacht und es erhalten, insoweit wir es als ein Lebenselement in dem Religionsbewußtsein unserer Genossen erkannten, wir haben es aber nicht ausgenommen, sobald wir uns überzeugt hielten, daß eS in uns und in denen, die mit uns find, nicht mehr lebendig sei und nicht