Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-10-06 · Heft 41 (6.10.1845) · p. Seite 621

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 41 (6.10.1845)
Date
1845-10-06
Page
Seite 621 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225431--07249-3237126
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

621 und ganzen Bibel haben wir unsre Dogmatik, die durch eine richtige Interpretation erst recht erzielt wird. Es hat damit dieselbe Bewandniß, wie mit den verschiedenen Zählungen der Tariag Mizwot, die so vielfach variirend, in der Hauptsache aber ganz einig sind (vide *p:a uns) nwüti sv dbnSb masatt). Das Judenthum weiß daher wenig von Ketzerei und Häresie zu sagen; denn so lange die Streitenden die 'Bibel als ihre Basis anerkennen, ist an Ketzerei nicht zu denken, beim Hinanstreten aus dieser Sphäre, durch Anstellung von Symbolen, die antibibiisch sind, ist allein ein Lossagen möglich und kann aber auch nicht mehr als Ketzerei bezeichnet werden. Auch auf die Gebete influirte der Dogmenstreit und wir können uns dabei das ehrende Zeugniß geben, von dem friedlichen Geiste, welcher in allen religiösen Institutionen herrschte, von dem wahrheitsliebenden Sinne, welcher unsere Gelehrten beseelte, der aber leider jetzt aus unsrer Mitte zu scheiden droht. Zwei, vielfach von einander abweichende, Formen der, zum Theil nach maimonidischer Ansicht bearbeiteten, dreizehn Glaubensartikel wurden in' die Gebete eingerückt und friedlich aneinander gereihet. Die eine, metrisch und in 'didaktischer Weife, unter dem Namen Jigdal; die andre, prosaisch, unter dem Namen Ani Mamin. Bekanntlich hat Maimonides in seinem Kommentar zur Mischnah (T. Sanhed. Ab. Chelck), die Grundzüge und Hauptpunkte der jüdischen Dogmatik ausgestellt, die, wie er selbst dabei sagt, als Kriterien des Judenthums gelten und dem Religionsunterricht zu Grunde gelegt werden sollen'nbn dnsn.aba 773^1 -pzjfcoi 73'hV) "121 V&niDi bb>22 D323 Ü2 *p73N,n tfiir Ndi-k whi mann nsa rrnwn V2 .Hbbri ib bnN msan ^22 Vaw ^^273 '■»aaan fibaa T.yT* -7W821 isfb 2n2 73'hrih "773^7327 "jüt Vtf -ü^™bn tnapaatab 73b "paaiaü 73->n"7 mb27p72 mnjsNrt nr’i-ib 732*727 '727 272^vn mfiöb 1773NN.) Die Synagoge, sich wenig kümmernd um die Streitschriften, die diese Neuerung hervorrief und sie vor das Forum der Philosophie und Theologie verweisend, hat zwar den maimonidischen dreizehn Glaubensartikeln den Vorrang eingeräumt, allein zu einer allge- *) Nach der tibonischen UeberseHnng, 'die Abarbanel in seinem schönen uud trefflichen Rosch Awuua anfuhrt und den Vorzug ein räumt. meinen Norm konnten sie nicht gelangen und mußten sich selbst einige Modifikationen gefallen lassen. Mit Recht bemerkt H. Fürstenthal in seinen Anmerkungen zum Moreh Ab. 16, daß die in den Gebeten vorkommenden Glaubensartikel nicht von Maimonides herrühren, wiewol seine Argumentation nicht erschöpfend ist. Die vier ersten Satzungen des Maimonides wurden bekanntlich von Aldo und Abarbanel (Rosch Amuna) heftig angegriffen, weil man die Lehre von der Weltschöpfung, die, nach dessen eigner Behauptung in Moreh zu den wichtigsten Prinzipien der mosaischen Religio'» gehört, darin ohne Grund vermißte. Allein es ist merkwürdig, daß Aberbanel und die anderen Vcrtheidiger des Maimonides, dessen eigene, obwol nicht sehr zu billigende Gründe, die ihn bewogen, die Schöpfung nicht unter die Dogmen zu rechnen, ignorirten (vide “6 ■panm ^8273ri Jrrbi .fct/s an d'73 ,m73npa ■asi!) riT *pN /’)D'1 *57227 ■»nölTa 73P373K2 7777^3373 D^pöNd “31:72?3dt D3738 '121 72 np7bri73 Der unbekannte Verfasser des Ani Mamin glaubte aber doch, hier von Maimonides .abweichen zu müssen und stellte an die Spitze seiner Kredo's die Lehre von der Weltschöpfung; ohne gar die so wichtige Lehre vom Dasein Gottes, woraus die andere» Artikel als Attribute erst deduzirt werden können, anzuführen. Sind dem Verfasser die Worte Abarbanels vorgeschwebt? (PN3N2 "77772 ib^l 2"b2 M373N £5H2 «7rn 2nrr "ip9 d» *>2 m:?3 kV '727 d^prw '727 dbi2!n OTri). Doch wir lassen das auf sich beruhen, man hat ja, in neuerer Zeit die armen Ani Mann» in den reformirtcn Sidurim und selbst in der Mannheimer'scheu Ausgabe ganz weggelassen. Eine größere Abweichung erlaubte sich der Verfasser des Jigdal, von dem wir bereits in unserm Aufsatze (No. 3 d. Zeitg.) gesprochen haben. Unter allen von M. aufgestellten Dogmen wurde keiner so heftig bekämpft, als Artikel 5, daß wir unsere Gebete zu Gott allein richten dürfen (vide Jkarim 1 §. 3). Der Sänger des Jigdal war philosophisch und unparteiisch genug, um die Unhaltbarkeit besagten Artikels einzusehen und ließ ihn aus seinem Elaborat weg. Anstatt dessen substituirte er ein andres Prinzip, nämlich: 2273 b2b 2bi2 zi28 73N, welches den eigenen Worten, des Maimonides im Jad Hachsaka T. 1 Ab.. 1 §. 5 nachgebildet zu sein scheint. Hr. Fürstenthal will nun bemerken, daß hier der erste Artikel nicht ganz mit dem des Mainonides übereinstimmt, welcher den Glauben an das Dasein Gottes mit der höchst wichtigen Lehre, das Gott das Urprinzip alles Seins ist,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.