Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 41 (6.10.1845)
- Date
- 1845-10-06
- Page
- Seite 619 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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619 Ration bei den ihr bevorstehenden und erleidenden Verfolgungen und Knechtungen, sich nicht durch Sitten- und persönlichen Verwahrlosungen aufreiben konnte. Wenn daher Rabbi Akiba, der sicher von der für die Erhaltung des Judenthums so wichtigen religiös-gesetzlich geregelten Lebensweise seines Volkes durchdrungen war und von der Heiligkeit ihrer Beobachtung dadurch ein Beispiel gab, indem er, als er sich tm Kerker befand, lieber tagelangen Durst erlitt, bevor er das ihm kärglich mitgetheilte Wasser dem Händewaschen entzogen hätte; so zeigte er darin nur seinen unvergleichlich unerschütterlichen, später mit dem martervollsten Tode besiegelten Glauben an Gott und an den Beruf Zsrael's; und ebenso klar ist es, wie der so gerne in Hyperbeln sprechende Talmud mit dem Satze ■'bn bsiNi"! ■cra ntSK b* Na nbao D'T» nV's: nur darauf hindeudet, wie lei erleidenden Knechtungen von Außen, die Hintönansctzung der häuslichen RcligionSgesetze das jüdische Familienleben trübe und störe. Möge man von der Wahrheit der talmudischm Gesetzdeutung auch nicht überzeugt sein können, historisch gerechtfertigt ist die Richtung und glücklich das Ergebniß ihrer Wirksamkeit! — Was unsre Zeit betrifft, so störe» zwar Saduzäer und Karäer nicht mehr den. Gesammlberuf Israels; die anerkannte Nichtigkeit aller heidnischen Elemente hat längst jeden Einfluß der Kabbala auf die Forschungen im Ge, setze zurückgedrängl und die Unterjochung des Buchstabens von Seiten der im Reicbe der Wahrheit nöthigen Denkfreiheit schwinget auch außerhalb unserer Grenzen ihr siegendes Panier; und doch fehlt es nicht an einer blöden und feigen Manier, welche auf eine echt karäische Weise sich des Talmuds und seiner Legionen Ausleger bemächtigen will, ohne auf Erhöhung und Erhaltung des IudenthumS die'mindeste Rücksicht zu nehmen. Diese, verkennend den Beruf Israelis und mrßkennend den Geist unserer Gesetze drohet uns ganz aus dem Leben zu dräu gen und uns jedes für Israel so-wichtigen historischen Einflusses zu berauben. Aber auch andrerseits erregt die in Vordergrund tretende, in echt rabbinischem Geiste kühne Handhabung unserer religiösen Gesetze jedoch die Beforgniß, ob man nicht bei dem unablässiigen Bemühen, unfern Glauben zu erhöhen, zu wenig auf die Erhaltung desselben bedacht sei. Man hat die Höhe unsrer Zeit vielleicht zu viel im Augenmerk, wodurch man die Tage, die da kommen könnten, vergißt; man vertraut vielleicht zu sehr der eignen Kraft, dem eignen Wenh, das gesunde Herz des zerstreuten Jsräel's denkt vielleicht zu wenig au das noch vielseitig blutende — bfcW>‘ bbs.; — Was jedem, die Erhaltung unsrer Glaubeusgenoffenschaft tief im Herzen anstrebenden Israeliten noch vor den heutigen, mit rabbinischer Kühnheit wirkenden jüdischen Hirten so vieler Gemeinden, zu wünschen übrig bleibt, ist,, daß selbe auch jene Kühnheit der Altrabbinen bewähren möchten, mit welcher diese um keiner Begünstigung der Welt einen der geistigen Ringe aus der Kette unsrer GlaubenSeiuigung preisgegeben hätten; jene Stärke, mit welcher die Altrabbinen trotz äußeren und inneren Stürmen den jüdischen Gesammtörganismus vor jeder Schwächung zu verwahren, verstanden — und endlich wünschen wir ihnen die jetzt wie nie so nöthige Kühnheit jener Zeit, welcher wir entgegen streben und von deren Geist «nö Jesaias verkündet: ‘iniD n* spov» «b 81NN DV2 JrSTl 1*1331 — 1HD72' b? *j*iDnbip**» rnn nrrbsi baniö** O rrw) — innsa binia-» i»np mrr b* Etwas über Dogmatik, mit besonderer Beziehung auf die in den Gebeten vorkommendeu Glaubensartikel. Von D. Oppenheim, Nabbinatskandidak. Leipnick, 2. September. Es gehört zu den unauflöslichsten und nicht genug gewürdigten Räthseln des Judenthums, daß es Jahrtausende hindurch eine merkwürdige, von keiner Seklirerei und keinem Schisma getrübten Einheit und Untheilbarkeit in den Glaubenslehren und Meinungen zu bewahren wußte, 'welche allen Stürmen des unaufhaltsam daherbrausenden Zeitstromes die mächtige Stirne bot und noch jetzt in nnserm reformistische» Sekulum, trotz der schroff gegen einander stehenden, heiß und blutig kämpfenden Parteien, scheint der Geist der Eintracht noch nicht gänzlich gewichen , der ganze Kampf mehr momentan als anhaltend zu sein, aus dem die Wahrheit siegreich'hervorgehen wird. Es ist keine gewagte, vielmehr gegründete Behauptung, die wir aufstellen, daß das Judenthuw keine Sekten und dogmatisch geschiedene Glaubensbekenntnisse hat. Wir können den Saduzaismus keineswegs als eine besondre religiöse Sekte betrachten. Der SaduzäismuS ist blos eine philosophische Schule, die mit dem Epikuräimns analog ist. Die Saduzäer läugneten die Auferstehung und jede künftige Belohnung weg, nicht etwa weil die' Schriftauslegung ste zuließ, sondern weil fit sich'vorerst