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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-10-06 · Heft 41 (6.10.1845) · p. Seite 618

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 41 (6.10.1845)
Date
1845-10-06
Page
Seite 618 (sequence 2)
Language
German
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618 Aber auch an abschreckenden Bildern einer knechtischen, abgöttisch, feigen, blöden Hinnehmung der Worte des Herrn, fehlt es nicht in der Geschichte unsrer Religion. Vor allen Ln den unter dem starren Buchstabenjoche sich beugenden Saduzäern und Karäern, welche aber mit dem Aufgeben des echt jüdischen Geistes, als Konsequenz der ihnen heiligen Stabilität jeder historischen Bedeutung und somit des jüdischen Berufes sich verlustig machten — und ferner in der ebenso irrigen als sündhaften Manier, welche den Buchstaben und Punktationen der heiligen Schrift Kronen aufsetzte —, in die Schriftzüge Moscheh's Unter- und Obergötter hineinlegte, und unter dem vielbekannten, noch immer zu wenig freimüthig genug bekämpften Namen Kabbala, das von allen heidnischen Schlacken sich so rein erhaltene - Judenthum mannigfach trübte, und entstellte. Erwähnt sei auch hier jene sehr bekannte Richtung, welche nur durch Anerkennung eines üeuen nnjüdischen Prinzips von der Buchstabenlast des Mosaiswus sich zu befreien verstund — und indem selbe mit dem Iudenlhume ganz gebrochen, seinen Boden nicht verlassen kann; — ihm feindlich gegenüber stehet und doch sich ihm öfters an die Brust wirft; — eine Richtung, welche in ihrer geläutertesten Potenz das Judenthum ebenso wenig anerkennen will, als es dasselbe ganz verleugnen kann. — Die einzige, höchste historische Rechtfertigung genießende, kühne Auffassung und Handhabung der Bibel finden wir bei den Räbbinen im Talmud. Den echten Geist des Mosaismus kennend, den Beruf Jsrael's stets vor Augen habend, war die Erhaltung des JudenlhumS: die Bewahrung seiner innersten Glaubenswahrheiten, ihre nächste und heiligste Aufgabe. Und so durchwehet ettrerseitS die Verwahrung gegen jede Buchstabeuverknöcherung des Gesetzes ihre ganze Lehrweise; Anbequemung zu nicht zu umgehenden Zeüansprüchen wird von ihnen höflichft gebilligt; Sektenbildung im Iudenlhume wird von ihnen um jeden Preis verhütet und die Erhaltung des jüdischen Volkes auf eine die Sitten desselben fördernde -Weise bewerkstelligt. — Haben die Altrabbiner in Auslegung und Anwendung hiblischer Stellen eine Kühnheit dargethan, wie sie nur eia unerschütterliches Bewußtsein eines hohen, gottgefälligen Zweckes zu. erzeugen vermag; — nur hoher Ernst und konsequente Beharrlichkeit ihr'Geltung zu verschaffen im Stande ist Heine Kühnheit, die sie ihren würdigen Jüngern b'is; «nf; unsre heutigen Tage herab so glücklich vererbten), so war sie doch nur der Abglanz jenes Mmhes, welchen sie in Lehre und Leben gegen ihre eigenen, menschlichen Anforderungen, gegen die sie bekämpfende Welt behauptet, so sie Gefährdung der Erhaltung des Judenthums zu befürchten hatten. Männer, welche z. B. in ihrer Anerkennung der weiblichen Würde — und der hohen, einflußreichen Bedeutung des zarten Geschlechts auf unser Familienleben, soweit über die minder freundlichere biblische Ansicht sich hinaussetzten, — Männer, aus deren Leben wir die schönsten Beispiele musterhafter Ehre haben, die nach ihrer Weise in der Bibel nachmiesen: , ■nTDtf iiwSa S-ib^a niEN nnnioi ,irnö» üt 118Ä die bereits das Unmoralische der Konvenienzehe bekämpft, indem sie lehrten: ib y»Tn , 317373 mob N28 «wart ('? ■punTp) orsiö irsä — welche als Lehre aufgestellt: tainv maaTsm, idi» mm na nm«ii ■jönDam, Yna im:ai Tan T'vrai, noia» üibiö : *1731« aman Tba*', ip-iab (a'b mna1') .‘yVis; Männer, die im 'Bereiche der Familie dem weiblichen Geschlechts eine solche hohe Stellung angewiesen und doch wieder andrerseits den Muth hatten, dasselbe fast ganz aus der Synagoge zu verweisen— und ihm jeden Einfluß auf die jüdische Theologie durch das bekannte i-nisbTs ibso N->m wa nN •robjsjrr mbsn zu versperren, stand sicher die 'von uns vielseitig gemachte Erfahrung vor Augen, wie das dem Aberglauben so geneigte, schwache Geschlecht bei allen kirchlichen Trübungen so bedeutungsvolle Rollen spielte. Nicht minder historische Rechtfertigung findet auch in den Augen des Tieferblickenden die rabbinische Kühnheit durch eine ebenso strenge als erschwerende Regulirung deS jüdischen Lebens, dieses gleichsam selbstgeschmiedeten Fesseln zu unterwerfen und mit einem Joche zu belasten, welches je minutiöser, desto schwerer drückte. Die Altrabbinen waren nämlich, wie so mancher heutige, bedächtigere jüdische Denker, überzeugt, daß so lauge der Jude sich nicht zu gewissen Prinzipien bekennen werde, welche dem Geiste seines Glaubens den Lebensnerv abschneiden, er immer Verfolgungen, Bedrückungen und Hintenansetzungen mannigfacher Art zu erleiden haben wi§d; sie mußten daher die von ihnen gehörig begriffene nöthige Kühnheit mehr zur Bewahrunng als zur Erhöhung unserer GlaubenSwahrheiten benützen, und durch eine äußerst strenge religiöse Regulirung der jüdischen Lebensweise Vorbeugen, daß die jüdische

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