Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1845)
- Date
- 1845-09-29
- Page
- Seite 6 (sequence 18)
- Language
- German
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6 Judensteuer sich nicht entzog, und zvar ungleich stärker als mehrere der Reichsten zusammen dazu kontribuirte — im Laufe der Jahre über 180,000$. C. M. — und dieses freiwillige Opfer für sein Religionsbekenntniß nur in der Absicht leistete, damit diese von ihm gezahlte Quote der jüdischen Landessteuer nicht auf seine übrigen dortigen Glaubensgenossen falle. — Seine Bemühungen waren es ferner, die im Jahre 1817 die Aufhebung der Beschränkung des Getreidehandels für Israeliten bewirkten. '— Unter die letzten seiner zahlreichen Bemühungen für Erleichterung der geistigen und materiellen Situation seiner Glaubensgenossen gehört noch sein Einschreiten um Abänderung des noch vorgeschriebenen mittelalterlichen Zudeneides und Umgestaltung desselben in jene mehr zeitgemäße Formel , die für andere Unterthanen vorgeschrieben ist. Nicht minder thätig aber wie für die Befreiung feiner Glaubensgenossen von drückenden Lasten, und unermüdliche Unterstützung derselben durch Rath und That, ohne Rücksicht auf das Land, dem sie als Unterthanen angehörten, war er auch, zeuge der von der israelitischen Geistlichkeit bei seiner Beerdigung gehaltenen Leichenreden, eifrigst bemüht, bei selben den Geist für die Verbesserung von innen, die eigene sittliche Erhebung derselben beleben und fördern zu helfen, wo als Beispiel nur auf seine eben so erfolgreichen als energischen Bemühungen zur Einführung des reorganisirten Gottesdienstes in deutscher Sprache bei der Wiener Gemeinde hingedeutet werden darf. Ueberhaupt war seine religiöse Sinnesweise, bei aller warmen Anhänglichkeit an den Glauben seiner Väter, doch weit entfernt von orthodoxen Vorurtheilen, und das Gebot der Liebe, sei« nem milden Charakter so sehr zusagend, flößte ihm die schonendste Duldsamkeit auch gegen Andersdenkende ein. Daß überhaupt sein ganzes Wirken nach Außen zu den verschiedensten Zeiten und in den mannichfachsten Richtungen so selten den Vorgesetzten Zweck verfehlte, lag theils in Her Natur seiner Bestrebungen, die immer nur auf das Edle und Nothwendige gerichtet waren, theils in dem seltnen Zusammentreffen jener Eigenschaften des Kopfes und' Herzens, die sein Charakter in sich vereinigte. Von der Natur mit hohem Scharfsinne begabt und dadurch, daß er da, wo es Wirken fürs Allgemeine galt, nicht erst wartete, bis die Gelegenheit kam, sondern sie aus innerstem Drange gleichsam aufsuchte, ward er bald dahin geführt, sein Ürtheil über Sachen und Menschen nicht aus dem Bücherschränke, sondern aus der höhern Welt des Geistes zu schöpfen. Eben so schnell aber, wie er durch seine vielseitigen Bemühungen in den höchsten und untersten Regionen der Gesellschaft und seiner Hineinziehung in die wichtigsten Geschäfte einen schnellen Durchblick der verwickeltsten Dinge erlangte und das in jeder Lage als - nothwendiges Ziel sich Darstellende schnell erfaßte, hatte auch die ausgebreitete Sphäre seiner Thätigkeit ihn bald mit der Erfahrung bereichert in der Kenntniß des wahren Charakters der Menschen und der Mittel, sie zum Guten zu benützen und zu lenken, wobei ihm denn allerdings das Vertrauen zu seinem offenen, biedern Wesen sehr zu statten kam, verbunden mit jenem heitern Geiste, dessen gemüthlicher Humor selbst die ernstesten Geschäfte so oft erleichtern und fördern half. Sein kaufmännisches Verhalten war stets durch strenge Rechtlichkeit und gewissenhafte Erfüllung aller Obliegenheiten, verbunden mit bereitwilligem Eingehen auf jede billige Zumuthung, eben so ausgezeichnet, wie durch seinen großartigen Unternehmungsgeist, was alles dazu beitrug, seine Firma auch in den entferntesten Handelsortenbekannt und überallgeachtet zu machen. Wie heilig ihm die Erfüllung eingegangener Verpflichtungen waren, weiß Jeder, der mit ihm in Geschaftsberührungen kam; am meisten zeigte sich dies bei den Tuch- und Getreidelieferungen im Jahr 1826, die er mit dem Staate kontrahirt hatte, und wobei er immense Summen' verlor, die einen großen Theil seines Vermögens absorbirten, ohne daß er demungeachtet irgend eine Verbindlichkeit nach Unten ungelöst ließ, oder nach Oben eine Entschädigung oder Nachlaß angesucht hätte, wozu er gegenüber den wichtigen Diensten, die er: