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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-29 · Heft 40 (29.9.1845) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 40 (29.9.1845)
Date
1845-09-29
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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5 seinen Leistungen nie brüstete, und seine Bescheidenheit ihm nicht gestattete, Belohnungen oder Auszeichnungen nachzusuchen, so erhielt Lämmel doch bereits im Fahre 1842 vom Prager Magistrale die amtliche Mittheilung, daß Se. Majestät der Kaiser gesonnen: „seine anerkannten vielseitigen Verdienste auf eine der in Böhmen bestehenden Gesetzen und der Landesv erfassung *) nicht entgegen laufende Art zu belohnen." Bald darauf wurde ihm die damals überhaupt und besonders für Israeliten in Oesterreich sehr seltene Auszeichnung der erblichen Erhebung in den Adelsstand des Kaiserstaates, und der immerwahrenden Toleranz für sich und seine Kinder rücksichtlich des Aufenthaltes in Wien, so wie der Ertheilung des dortigen Großhandlungsbefugniffes. Außer dieser Gnade seines Monarchen — der ihm wie früher so auch später bei verschiedenen Veranlassungen ungewöhnliche Beweise seiner kaiserlichen Huld und der wohlwollendsten persönlichen Werthschätzung durch ein eigenes Handbillet zu erkennen gab, erfreute Herr von Lämmel sich auch vieler Beweise des Wohlwollens anderer Souveräne, so z. B. des Königs von Sachsen, der während des Aufenthaltes in Prag 1813/1814 seine eifrigen und nützlichen Dienste durch eigene Handbillets und später durch einen kostbaren Brillantring dankend anerkannte — ferner seines Nachfolgers, des Königs Anton, in vielen eigenhändigen brieflichen Versicherungen des wärmsten Wohlwollens, nachdem ihm bereits im Jahre 1814 Seitens des dortigen Gouvernements und der k. Kriegsverwaltungskammer amtlich bezeugt wurde, daß er, nach hiezu erhaltener Erlaubniß der österreichischen Negierung dem sächsischen Staate wesentliche Dienste geleistet habe u. a. m. So viele seltene Auszeichnungen, die bei gewöhnlichen Menschen nur allzuoft zum Hochmuth und zur Entfremdung - seiner frühem Schicksalsgenossen führen-vermochten alle nicht, ihn, der ein Edler im edelsten Sinn des Wortes, von dem zu •) Gesetze und Landesverfassung Böhmens legen den Juden belanutlich viele Beschränkungen auf. entfernen, was dem Menschen den höchsten Werth verleiht: Adel der Seele und des Herzens. Wie in allen seinen übrigen Lebensverhältniffen zeigte sich dieser Seelenadel bei ihm am deutlichsten in dem unausgesetzten Bemühen: das Loos seiner so gedrückten und verachteten israelitischen Glaubensgenossen nach Kräften zu mildern. Als einzelne weniger allgemein bekannte wichtigere Leistungen in dieser Richtung mögen hier nur erwähnt werden seine jahrelangen Bemühungen bei der österreichischen Regierung, um deren Verwendung zur Aufhebung des in Sachsen bestandenen schimpflichen Leibzolles, die endlich durch Erfolg gekrönt wurden. Noch wichtiger — wenn auch freilich zur Stunde noch ohne den vollen Erfolg — waren seine rastlosen Anstrengungen und aufopfernden Handlungen zur Zeit des Wiener Kongresses, wo er, indirekt zwar dafür aber um so nachhaltiger bemüht war, seinen Glaubensgenossen die Aussicht einer besseren und zeitgemäßeren bürgerlichen Stellung, wie sie die Art. XVI. und XV11I. der deutschen Bundesakte verheißen, verschaffen zu helfen.— Welche Vorsicht und Gewandtheit dann beharrliche Ausdauer solche Bemühungen erheischten, bedarf wohl keiner weitem Auseinandersetzung, allein, hier so wie überall, wo er einen großen Zweck im Auge hatte, waren Schwierigkeiten für seinen strebsamen Geist anstatt entmuthigend vielmehr ein Sporn, und während sie bei andern die Thatkraft oft lähmen, wurde diese bei ihm gerade durch die Nothwendigkeit, sie in vollstem Maaße anzuwenden, stets erhöht. — Seinem unausgesetzten Eifer und erlangten vielseitigen Einflüsse gelang es im Jahre 1817 durch die Gnade des Kaisers, einen Nachlaß der böhmischen Judensteuer von 72,000 fl. C. M. bewirken zu helfen und die fernere Zusicherung des Kaisers Franz, daß diese Steuer mit der Zeit gänzlich aufhören solle. Daß er hierbei nur im Gesammtinteresse seiner Glaubensgenossen handelte, und jeden persönlichen Vortheil verschmähete, ist durch die allgemein bekannte Thatsache charakterisirt, daß er, obwohl durch 26 Jahre in Wien etablirt und 34 Jahre im Besitze des dortigen Großhandlungsbefugniffes, er allein unter allen von Prag dahin übersiedelten Israeliten der böhmischen

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