Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1845)
- Date
- 1845-09-29
- Page
- Seite 7 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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7 für den Staat geleistet, und der Opfer', die er demselben gebracht hatte, wohl berechtigt gewesen wäre. — War in solcher Art das äußere Leben des Verewigten ein rühmliches und thatenreiches, sich.selbst, seinem Vaterlande, seinem Geschäfts- und Glaubensgenossen zur Ehre, so war er auch nicht minder in seinem Privatleben mit allen jenen trefflichen Eigenschaften ausgestattet, die sein Andenken theuer machen. Als treuer Gatte und zärtlicher Vater war er den Seinen mit aller Sorgfalt und Liebe ergeben, und stets um die Förderung ihres Wohls bemüht. Ueberall theilnehmend, wohlthatig, voll aufopfernder Gefälligkeit, dabei angenehm im Umgänge und beseelt von einer Bescheidenheit, wie man sie in unserer Zeit der Geldaufblahung bei den Reichen nur selten findet, war er mit der unerschütterlichsten Treue seinen Freunden ergeben, deren ihm seine Geschäftsgewandtheit,- rauhe Erfahrung und die Liberalität seiner Gesinnung, verbunden mit dem unermüdlichsten Eifer, durch Rath und That zu nützen, so viele erworben hatte. Künste und Wissenschaften, seine liebsten Erholungen von -den heißen Mühen und Sorgen des Geschäftslebens, fanden an ihm die eifrigste Stütze und einen großmüthigen Beförderer, wie denn sein durch seltene Gastfreunrschaft berühmtes Haus stets ein Zusammenfluß wie durch ihre Stellung so auch durch geistige Eigenschaften ausgezeichneter Personen als Sammelplatz vereinigte. Freigebig gegen andere und keine Ausgabe scheuend, was die Ehre würdiger Personen oder die Förderung eines guten Zweckes galt, war er in seinen persönlichen Bedürfnissen stets mäßig, und ein Feind jedes eigenen unnützen Prunkes. Die größte Lust im Wohlthun findend, das er um so großartiger übte, je mehr es geräuschlos und in verborgener Stille geschehen konnte, war er auch mit den Beiträgen zu humanen Anstalten, zu milden Zwecken, zu Bethausern jedes Glaubens u. dgl., stets in der ersten Reihe derer, die ihren Reichthum zum Wohle der leidenden Menschheit benützen, ohne nach seinen Mitteln zu rechnen oder nach den Leistungen Anderer zu messen. Nicht aber blos mit todtem Metalle half er, sondern mit der lebendigen Thatkraft überall, wo es galt, sich eines Bedrückten anzunehmen; ohne Unterschied der Herkunft oder des Religionsbekenntnisses, und nur den Eingebungen der Humanität folgend, suchte er überall Leiden zu mildern, Druck zu beseitigen, und durch seine stets bereite Fürsprache, die Allen, die sich an ihn wandten, gewidmet war, wurde manches-Leid gemindert, manches Unrecht beseitiget und oft vieles Harte gemildert. — Die äußere Erscheinung des Verewigten trug das Gepräge seines schlichten, biedern, milden Charakters, war schnell gewinnend und Vertrauen einflößend. Die Sorgen eines reichbewegten Geschäftslebens,,verbunden mit Strapatzen während den langen Kriegsjahren, hatten ihm lebensgefährliche Krankheiten zugezogen und seinen Körper geschwächt, über den aber sein starker Geist immer die Oberhand behielt, und bis zum letzten Augenblicke seines Lebens eben so für Geschäfte in seiner vollen Stärke verblieb, wie er ' eine jener glücklichen Naturen war, bei denen die unversiegbare Jugend des Herzens auch in den spätesten Jahren noch das Gemüth frisch, und für edlere Gefühle und Genüsse des Lebens stets empfänglich erhielt. Seit dem Beginne dieses Jahres nahmen seine körperlichen Kräfte sichtbar ab, und er konnte das Zimmer nicht mehr verlassen. Nachdem er in den letzten Wochen bei fortwährend ungeschwächter geistiger Regsamkeit, körperlich immer mehr ermattete, schlief er am 18. April d. I. um 2 Uhr Nachmittags sanft ein, mit der Ruhe des Weifen, der sich der Erfüllung seiner Lebensaufgabe bewußt. Gleichsam hienieden schon als Lohn für die Kämpfe seines Lebens, ward er vom Todeskampfe verschont, kein Zeichen desselben entstellte sein Gesicht, das auch nach'dem erloschenen Leben noch die Züge der Herzensgüte und Verstandeshöhe zeigte, und noch am vierten Tage seiner Beerdigung beibehielt. Wie in Wien selbst die Nachricht seines Todes allgemeine Theilnahme erregte, und sein Leichenzug gefolgt von einer eben so zahlreichen als durch ihre Stellung in den höchsten Regionen ausgezeichneten Begleitung es