Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 40 (29.9.1845)
- Date
- 1845-09-29
- Page
- Seite 612 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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612 acw rn db Hb nitia» .#öiru — Der Textkritik widmete der Prof. Della Torre einen beherzigenswerthen Aufsatz unter der Ueberschrift ^2. nirrnvid b», der vorzüglich gegen einen Anonymus gerichtet ist, welcher dreist den rezeptirten Bibeltext angriff. Herr Delta Torre konnte sich' aber, trotz seines heiligen Eifers nicht enthalten einige neue ihm richtiger scheinende Lesearten vorzuschlagen, z. B. anstatt Psalm 89, 9 V2?r» von ^1722!! N'' N">dN 'zu lesen. Meines Erachtens werden wenige Leser dieser Leseart ihren Beifall geben, da die Konstruktion allein schon unhehraisch ist. — Seite 25 treffen wir wieder den Dichter Kohn, aber auf einem andern Gebiete. Aus seinem großem Werke nvrnfi isvn'p, wovon der erste Theil bereits in Warschau 1839 erschien, wird eine schöne Probe mitgetheilt, welche in fließender Sprache und gedrängter Kürze die Geschichte der Juden in Preußen, Polen und Rußland in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erzählt. Besonders erwähnenswerth sind, wegen ihres gelungenen körnigen Styles, die beiden trefflichen-Biographien des Philosophen B. Spinoza und des Dichters S. Kohn von M. Letteris. — Als poetische Beigaben bringt uns der Bikure Haitim manch' hübsches Gedicht von Luzzatto, Reggio, Letteris und Strelisker. Am Bemerkenswecthesten sind die Uebersetzungen; des Gedichts „Hagbaha" in Rieffers Jude von Luzzatto, Reggio und Strelisker, wobei aber in diesem Wettkampf die Siegespalme Herrn Luzzatto gebührt. — Das zu seiner Zeit soviel Eklat machende Rheinlied von N. Becker hat in Hm. Stern seinen Uebersetzer gefunden, wir möchten ihm aber die Gegenstrophe hinzufügen: Wir wollen ihn nicht haben in schlechten Versen. — Endlich von Almanzi der Anfang einer Uebersetzung der berühmten Epistel des'Horaz „ve arle poelica." Was den deutschen Theil betrifft, so haben wir wenig darüber zu bemerken, da er meistens schon früher in des Herausgebers Jahrbuch Gedrucktes enthält; wie z. B. die Biographie Montesiores von Jost, Proben rabbinischer Weisheit von Mannheimer u. s. w. Als Originabbeiträge sind besonders hervorzuheben, das prächtige Gedichtchen „der Jude" von Kämpf und das Lied eines Jerusalemers, Amdt's deutschem Vaterland nachgedichtet, von demselben. — Als Probe einer genialen Uebersetzung, welche „Symbolik des Talmuds" überschrieben ist von A. S. möge schließlich nachfolgende Stelle ihr Plätzchen einnehmen? V2N *n»bn .*Jö nr. Wer ist weise? Der sich für unvollkommen ansieht!! Das heißt nun wahrlich wie ein rechter Tal.mid Chacham, der sich seiner Unvollkommenheit bewußt ist — übersetzt. Im Ganzen glauben wir, daß Jeder nicht ohne Befriedigung diesen Almanach aus Händen legen wird. D. Oppenheim. Auszüge. Die Karäer. In der Didaskalia theitt ein Anonymus „Reisenotkzen über die Krimm" mit. In denselben wird über die Karaer Folgendes mitgetheilt: „Mit meinen beiden Begleitern ritt ich vom Kloster nach dem eine Stunde davon entfernten, auf einem ' hohen Berge liegenden Tschoufet Kale, wohin der Weg so steil ist, daß er-gar nicht zu befahren und blos auf an ihn gewöhnten Pferden zu ersteigen ist. In Tschoufet Kale wohnt nur eine in neuerer Zeit berühmt gewordene Sekte, Karaiten genannt, welche sich schon vor mehreren Tausend Jahren vom Hauptstamm der Juden trennten, in sehr kleiner Zahl zwar in Aegypten und Syrien vertheilt sind, größtentheils aber die Krimm bewohnen. Sie hängen fest am Buchstaben von Moses Worten, verwerfen alle Propheten und Talmudisten und mögen vielleicht heute bei den deutschen Israeliten, wo soviel von Reform geschrieben wird, als Muster dienen können. Die 100—150 Familien zahlende Gemeinde bildet, so zu sagen, eine Republik, indem sie das Recht besitzt, Niemand in ihrer Gemeinde zuzulafsen, ihre eigne Verwaltung und Gerichtsbarkeit hat, frei von Konskription ist und an den Staat nur eine mäßige Abgabe zahlt. Der Ort liegt auf einem senkrechten Felsen und wenn seine zwei kleinen eisernen Thore verschloffen sind, so, mag die Vertheidigung dieses Platzes leicht sein. Nirgends auf dem Felsen ist ein Tropfen Wasser zu erhalten und wird daher aus dem Thale in Schlauchen mittelst Maulthieren den Berg heraufgebracht, in einer Zysterne gesammelt und nach der,Kopfzahl gleichmäßig vertheilt. Um diese Gemeinde näher kennen zu lernen, hatte ich mir in Odessa vom Karaiten Jsaakowitsch an den Chacham oder Chef Schlemi Beim ein.Empfehlungsschreiben verschafft; als ich aber bei diesem eintrat/ fand ich soviel hohe Personen, welche das