Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-22 · Heft 39 (22.9.1845) · p. Seite 601

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 39 (22.9.1845)
Date
1845-09-22
Page
Seite 601 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3225389-3225429--07219-3237094
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

601 so wichtig gehalten, um damit aufzutreten. Erst dann, als er in Berlin von den Rechnungen eines Gauß, von den Arbeiten Nesselmann's erfuhr, theilte er es dem letztem mit, daß er schon langst eine Formel gefunden. Dieser forderte dem Geh. Oberbaurath Ereile auf, die Formel von Slonimski sich zu erbitten, und im 28sten Bande des mathematischen Journals ist sie' abgedruckt worden und hat bei den Chronologen die allgemeinste Anerkennung gefunden*). *) Diese Formel verdient in den jüdischen Zeitschriften mehr als bisher 'bekannt zu werden und ich erlaube mir daher, sie Ihnen aus dem mathematischen Journal, mitzutheilen. Dort heißt es: Bekanntlich giebt es im jüdischen Kalender vierzehn verschiedene Jahresformeln oder Normalkalender/ nach denen im ganzen Jahre sich die Festtage und andere damit zusammenhängende religiöse Gebräuche richten und die den Chronologen unter dem Namen Basch Gach ff. bekannt sind, welche Bezeichnungsart wir aber durch folgende hier ersetzen wollen. 2 k, 2 g, 3 in, 5 in, 6 g, 7 k, 7 g für die gemeinen Jahre; 2K, 2 6, SM, 5K, 5 6, 7K, 76 für die Schaltjahre. In diesen Zeichen bedeuten die Zahlen die Wochentage, auf welche der Neujahrstag fallt; die Buchstaben k, g, m, ein kurzes, ein großes und ein mittleres Jahr, und zwar im gemeinen Jahre von 353, 355, 354; im Schaltjahre von 383, 385 und 384 Lagen. ' Dieses sind die beiden charakteristischen Merkmale eines jeden Jahreskalenders. Dieses vorausgesetzt läßt sich nun für die'ganze jüdische Kalenderberechnung folgende allgemeine Aufgabe aufstellen. 1. Nach der jüdischen Zeitrechnung. Bei jedem gegebenen Jahre A der jüdischen Zeitrechnung zu bestimmen, welcher von den 14 Normalkalen-, dem in dem verlangten Jahre für einen vollkommnen Jahreskalendec gelten soll. Die Auflösung, welche alle vierzehn verschiedene Fälle zu bestimmen hat, ist folgende: Man dividire die Zahl 12A+7 durch 19 und nenne den Rest R; ist dieser — 1, so nehme man 19-f.l^R. Man suche dann den Werth von 0,178117458. A+ 0,2220345. R + 0,812684 und setze in der gefundenen Summe, die Ganzen unberücksichtigt, den Dezimalbruch -----I'. Das gesuchte Jahr A ist ein Schaltjahr, wenn R<C9 gefunden wird, sonst aber immer ein gemeines Jahr. Der Kalender des Jahres A aber wird vermittelst des gefundenen Werthes von T auf folgende Weise bestimmt. Diese Arbeit gewann ihm bald die Aufmerksamkeit der Mathematiker der Akademie, unter welchen er besonders dem Professor Jakobi schon von Königsberg her bekannt war. Er erhielt eine Einladung, bei einer Sitzung der Akademie mit seinem Instrumente zu erscheinen. Die richtigen Resultate desselben gewannen ihm den allgemeinen,Beifall, und obwol er die theore- Es ist nämlich Beim Schaltjahre----- 2 K, wenn T—>► 0 2 6, - - - - 0,157468 3M, - - - - 0,285714 5K, - - - 0,428571 5 6, - - - - 0,533570 7 K, - - - - 0,714285 7 6, - - - - 0,871753 Beim gemeinen Jahre---- 2 k, wenn0 2 g, - - - - 0,090410 3 m, - - - - 0,285714 5 m, - - - - 0,376124 5 g, - - - - 0,661838 7 k, - - - - 0,714285 7 g, - - - - 0,804695 Ist im gemeinen Jahr der Werth von R>13 bis 15 incl., so andre man die Grenze bei 3 m und setze dieselbe -----0,271103; ist R größer als 15, so andre man außerdem noch die Grenze bei 7 g und setze an dessen Stelle ----0,752284. Exempel. Man verlangt für das Jahr 5604 der jüdischen Zeitrechnung den ganzen Jahreskalender. Hier findet man R----14, I---0,0919. Das Jahr ist also ein gemeines Jahr und sein Jahreskalender ----- 29, d. r. es fängt am Montage an und seine Länge ist 355 Tage. — Eine gleiche Formel findet sich dort auf der christlichen Zeitrechnung. Ebenso verdient hat Slonimski durch die nin an naipn sich in der Geschichte des jüdischen Kalenders gemacht. Er machte nämlich zuerst darauf aufmerksam, daß diese nsipn im neunten Jahrhundert unterschoben sein muß. (Siehe ü^iDii nilbin S. 62 u. *17211 aia Bd. 5, Briefwechsel mit Reggio.) Unsere Kritiker konnten aber die Sache nicht erklären, bis Slonimski, der seinen Satz früher nur astronomisch bewiesen, endlich selbst fand, wer der Erfinder dieser iisipn war und warum man ihn den Ramm iisipri rridr an beilegte. Er bewies dies nicht hypothetisch, sondern authentisch, wie es von dem Erfinder selbst, welcher vor Rabbi Hai Gaon lebte, in seinem unedirten Werke erzählt wird. Die ganze Abhandlung hat Herr Slonimski schon seit mehreren Jahren den Ovr. Zunz und Geiger zum Drucke übersendet; sie wurde aber von ihnen bisher noch nicht veröffentlicht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.