Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1845)
- Date
- 1845-09-22
- Page
- Seite 596 (sequence 8)
- Language
- German
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596 sich taufen läßt! Nun, da glauben denn die Leutchen, daß Apostasie etwas Rühmliches, Erhebendes sei und versuchen das Kunststück noch einmal. Ihr habt ihnen die Sache zu einem Leckerbissen gemacht und doch schreit ihr, wenn sie näschisch geworden. O, über euch, Religionsschachrer! Macht dieOpostasie nicht zu einer lockenden, reizenden, vortheilhasten, belobten Sache, und ihr werdet nicht so oft'über die Folgen zu klagen haben. Stuttgart, 6. September. Es ist durchaus unrichtig, daß Hr. Weil in Heidelberg der erste Jude ist, der in Deutschland Professor wird; schon vor ziemlich vielen Jahren hat die württembergische Regierung, wie der badischen so den meisten anderen deutschen Regierungen in manchen Beziehungen weit voraus, einen Juden, Dr. Mayer, zum Professor in Tübingen ernannt. Landau in der Pfalz, 9. September. (Privatmitth.) Soeben lese ich in No. 35 dieser Zeitg. einen Artikel „Aus der baierischen Pfalz" in Bezug auf die Vorstellung der pfälzischen Rabbiner an die hohe königl. Regierung, die israel. Schulen betreffend, der mich, ich muß es sagen, in das höchste Staunen versetzte. Von einem Israeliten oder gar von einem israelit. Lehrer, und ein solcher scheint der Verfasser sicher zu sein, hätte ich eine solche lieblose, durch das -pan rmp Via sogar gehässige Beurtheilung nicht erwartet. Was haben denn die pfälzischen Rabbiner von der königl. Regierung erbeten, wodurch sie eine „Herrschaft" über die israelit. Lehrer oder gar eine Beengung der Schulen erstreben wollten? — Die Leser müssen da gewiß etwas Außerordentlfthes erwarten. Nun will ich das Geheimniß kund thun und sie von ihrer bangen Erwartung befreien; sie selbst sollen dann beurtheilen, ob israelitische Lehrer einen Grund haben, eine Dankaddresse an eine kön. Regierung zu richten, darüber, daß hochdieselbe, deren humanes Streben übrigens aus der Entschließung hervorleuchtet, „aus die Vorstellung der Rabbiner größtentheils nicht eingegangen ist." — Die Rabbiner baten um einen Lehrplan für die israelitischen Schulen, von dessen Zweckmäßigkeit jeder einsichtsvolle. Lehrer selbst längst überzeugt ist, durch welchen freilich die israelit. Lehrer wöchentlich ein Paar Stunden mehr als bisher Unterricht zu ertheiä len bekommen hätten aber sie legten dabei eine dem Unterzeichneten schon vor mehreren Jahren von einem israelitischen Lehrer selbst und zwar von einem der Tüchtigsten, dem sehr wackern Lehrer Elsässer in Edenkoben, einem wirklichen Schulmanne und Pädagogen, überreichte Stundeneintheilung für israelitische. Schulen zu Grunde. Sie baten ferner, daß der Rabbiner, Lokalinspektor und Katechet der Schule seiner Konfession sei, wie es nach der allerhöchsten Verordnung vom 20. August 1817 der Geistliche jeder Konfession für „seine" Schule ist, wozu sie sich eben durch diese Verordnung wie durch die vom 28. Febr.1828, wonach der Rabbiner „die Aufsicht über den Religionsunterricht in den israelit. Schulen zu führen hat", berechtigt glaubten. Daß dieses „unter Bürgermeistern und Schulkommissionen", welche bisweilen ohne jeden Andern als den Rabbiner, als Mitglied der Ortsschulkommission in Vorschlag bringen, welche zum Theil darüber unzufrieden sind, wenn ein Gefühl für den Glauben, für die eigne Ehre im Juden sich regt, „die größte Entrüstung hervorgerufen", wollen wir dem Berichterstatter glauben; der israelitische Lehrer aber sollte sich am Wenigsten darüber beschweren, wenn echte Religion ihn belebt, ja wenn nur ein Funke Gefühl für die Ehre seiner Glaubensgenossen in seinem Innern glimmt. Die Rabbiner baten ferner, daß überall Israeliten Mitglieder der Ortsschulkommission werden möchten;- daß die Lehrer, wenn sie eine Reise unternehmen, dem betreffenden Rabbiner davon Anzeige machen sollten, damit dieser nicht in die Gemeinde zur Vornahme der Religionsprüfung reise und den Lehrer nicht treffe. Sie baten ferner, daß für mehrere nahe bei einander liegende kleine Gemeinden gemeinschaftliche Schulen errichtet, und daß in kleinen Gemeinden dem Lehrer die Ausübung des Schächterdienstes gestattet werden möchte, durch welche beide Anträge einmal die Möglichkeit der Errichtung von Schulen in solchen Gemeinden, die es bis jetzt nicht im Stande waren, und deren Jugend daher, da ungeprüfte Lehrer nicht geduldet werden, ganz ohne Religionsunterricht bleibt,' sodann die größere Aussicht der jungen Schulexpektanten auf Anstellung, und endlich „die Verbesserung der äußern Stellung vieler Lehrer" erzielt werden sollte, was Alles hervorgehoben war. Die Rabbiner baten ferner^ daß für den Religionsunterricht der israelitischen