Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 39 (22.9.1845)
- Date
- 1845-09-22
- Page
- Seite 595 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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595 gen Streben, sowie mit meinem Austritte aus der Rabbinerversammlung zu Frankfurt a. M. zu erkennen gegeben. Ist schon solche Anerkennung von Seiten für den väterlichen Glauben glühender Männer ein hoher Lohn, so fühlte ich mich von noch tiefrer Freude über die große Wahrheit durchdrungen, die Ihrem Schreiben zum Grunde liegt: noch schlagen die Herzen Vieler für das Judenthum, giebt es Viele, die für dasselbe leben und, wie Sie sagen, für dasselbe zu sterben bereit sind. Wir befinden uns in einer drangvollen Zeit, es stürmen von innen Feinde gegen den Glauben und läßt man kein Mittel unversucht, uns unser hohes Gut geringschätzig, verächtlich zu machen, man ist bestrebt, ihn herabzuwürdigen, ihn vor den Augen der Außenwelt als lächerlich darzustellen, auf ihn Haß und Verachtung herbeizuziehen, ihn als Ausgeburt der Beschränktheit und des Stumpfsinnes zu verschreien, die schöngeistigen Tage des vorigen Jahrhunderts kehren bei uns ein, es sollen Oberflächlichkeit und Leichtsinn die heiligen Spuren verwischen, nicht was Jahrtausende ehrwürdig war, was .als Heiliges uns übergeben wurde, was Israels Leben und Bestehen bildet wird befragt, sondern die seichte Aufklärungssucht, die gemüthlose Verflachung, das Anschmiegen an des Tages Sitten und Gebrauche, der Beifall und der Zuruf von Außen wird zum Richter gemacht, er soll über unser religiöses Sein entscheiden l Welche andere unedle Motive noch vielen Reformversuchen zu Grunde liegen ist jedem Tieferblickenden klar, aber ihm auch fest die Ueberzeugung, daß diese vorübergehenden Gewitterwolken auf Augenblicke nur unseren Horizont zu umvüstern vermögen. Wol ist in dieser Zeit der Kampf sehr betrübend, betrübend der Gedanke, daß das Volk an sich irre werde, es nicht weiß, wohin sich wenden, an wen sich halten! Und doch ist mein Vertrauen stark: noch lebt ein starkes Bewußtsein in unsrer Mitte, noch wird in ihr die wahre« Anhänglichkeit nicht vermißt, wird erkanntwelche Reform aus frommen Bedürfnisse hervorgeht und welche der Geringschätzung des väterlichen Glaubens, und weil er nicht liefere Wurzel geschlagen, ihr Entstehen verdanke. Lassen Sie also Muth fassen, wahrlich! nicht ich bin der Berufene, ich'fühle vielmehr in mir, wie schwach meine Kraft ist, aber der Wille, der mich trotz meiner Neigung zur Stille und Zurückgezogenheit zum Kampfe gegen Lüge und unwahres Vorgeben drängt, lebt in Vielen; auch in Ihnen wird der Unmuth über das trügerische Treiben zur Kraftäußerung übergehen, daß sie sich um das Heiligthum schaaren, es kräftig gegen Unberufene vertheidigen und die Zeit herbeiführen, die den bedauerlichen Riß heile. Wir haben für uns ein hohes Bewußtsein, wir haben für uns das Bewußtsein eines auf Glauben und Wahrheit gegründeten Vertrauens und der Gott unserer Väter, für dessen Namen wir kämpfen, wird uns nicht zu Schanden werden lassen, Er wird für uns ausführen. Genehmigen Sie die Zeichen wahrer Hochachtung, mit der ich verharre Dresden, 18. Aug. Ew. Wohlgeboren 1845. ergebener Dr. Z. Frankel, Oberrabb." Herrn I. L. Feder, Wohlgeb. in Breslau. Deutschland. Mainz, 8. September. (Privatmitth.) Es ist schon oft darüber geklagt worden, wie die lieben Deutschen bei allen Vorkommnissen den „Juden" zum ewigen Refrän machen — bis jetzt hat es noch nichts geholfen. Wenn die deutschen Blätter wüßten,- wie lächerlich sie sich damit machen, sie hätten doch ein klein wenig Bedenken. Vor einiger Zeit hat ein Literat, Julian Chownitz, in Ulm sich an die Spitze der 'sogenannten deutsch-katholischen Bewegungen gestellt und sehr bedeutendes Geräusch damit gemacht. Die katholischen Blätter waren voll Gifts darüber und nannten den Chownitz einen doppelten Apostaten, denn er wäre von einem Juden zu einem Katholiken, nun von diesem zu einem Deutsch-Katholiken geworden. Jetzt hat derselbe Mann seinem Deutsch-Katholizismus abgeschworen und ist allhier wieder römisch-katholisch geworden. Nun erhebt sich in den protestantischen Blättern der Lärm über den — Juden, und er wird ein dreifacher Apostat genannt! Die D. A. Z. meint naiv, er 'könnte auf vier Wochen Protestant und dann für immer wieder Jude werden. Aber/ meine Herren, von wannen kömmt dies, als von Eurem Lärmschlagen über die erste Apostasie!? Da ist ein gaudium in allen Blättern, wenn ein Jude — der längst nicht, mehr Jude war und niemals Christ sein wird —