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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-22 · Heft 39 (22.9.1845) · p. Seite 594

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 39 (22.9.1845)
Date
1845-09-22
Page
Seite 594 (sequence 6)
Language
German
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594 zum Unterschreiben jener Addreffe haben verleiten lassen, alle Uebrigen aber dem Judenthum und seinen Interessen so fern stehen, daß sie nur einigen Freunden zu Gefallen unterschrieben haben. Wenn man mir nicht glaubt, so will ich den Beweis nicht schuldig bleiben. Ein gewisser I. L. F...r, der hier als stiller, grundgelehrter Talmudift ruhig in der strengsten Ausübung des ausgedehntesten Zeremonials lebt und von den Händeln dieser Welt weiter nichts erfährt, als daß man im Winter der Kälte wegen einen Pelz tragen muß, wurde für die Addresse gewonnen. Der schlichte Mann ging in die Falle und unterschrieb zuerst die Addresse für Frankel, den er für irgend einen versteckten BalMekübel, nach Dresden, das er für eine fromme polnische Khille halten mochte. Frankel richtete seine sentimentale, giftige Antwort an den an der Spitze stehenden F ... r. Unterdessen hatte dieser erfahren, wer Frankel sei und was sein Thun bisher gewesen, und er verbat sich's ganz höflichst, bei der Veröffentlichung der Antwort seinen Namen abzüdrucken, und so mußte diese ohne Addreffe in die Welt hinaus. Die Orthodoxie schämt sich also Herrn Frankel beaddressirt zu haben und möchte am Liebsten, daß man es vergesse. Ist Herr Frankel noch nicht überzeugt, daß er hintergangen worden und daß ihm der Addressenappetit einen argen Streich gespielt, so schlage ich ihm ein sicheres Mittel vor. Er hat es oft ausgesprochen, daß er redlich zu wirken wünsche, nun denn, beantrage er beiden hiesigen Addressanten eine Reform, wie er sie will und gut heißt, richte er in ihrer Synagoge einen Gottesdienst ein, wie er in Dresden besteht, mit Chor und mit christlichen Chorsängern: wenn er durchdringt, wenn die hiesigen Orthodoxen nur eine einzige kleine Aenderung aus seinen Händen annehmen, dann will ich, wie weil, der Abt von St. Gallen, verkehrt auf dem Esel seinen Oberrabbinatssprengel durchreiten. — Welch' mitleidrrregendes testimonium prmpertatis hat sich nun Herr Frankel durch seine Antwort ausgestellt! Solche Kampfgenossen, solche Kriegsgefährten, wie er sie hier gefunden, gönnen wir ihm von Herzen. Doch wir würden uns wahrlich um dieses ganze Treiben wenig kümmern, wenn nicht die Antwort des Herrn Frankel auf die hiesige Addresse uns dringend dazu aufforderte. Er spricht von „inneren Feinden des Glaubens", von „Verrath und trügerischem Treiben"; wir fragen: wer verräth und betrügt, die Männer, die mit Aufopferung, mit Mühe und Anstrengung, trotz Verfolgung und Verlaumdung zusammenkommen, um offen vor den Augen des ganzen Deutschlands über die Läuterung und Erhaltung ihrer Religion zu berathen, oder Herr Frankel, der zuerst sich hinter den Ofen gesetzt, um von da aus Bannstrahlen gegen die Rabbinerversammlung zu schleudern und dann gekommen ist, um mit Geräusch und Pomp aufzutreten und sich bewundern lassen zu können? Glaubt er uns so mit Blindheit geschlagen, daß wir das feine Gewebe nicht sollten durchschauen können? Wenn ihm „die Erhaltung der Religion am Herzen liegt", wenn „der Wille, trotz seiner Neigung zur Stille und Zurückgezogenheit, ihn zum Kampfe gegen Lüge drängt", warum kam da der Herr Frankel nicht nach Braunschweig zur ersten Rabbinerversammlung, da er doch nicht wissen konnte, welche Richtung sie nehmen, welcher Geist sie beseelen würde? Warum kam er dann hinterher zur zweiten Versammlung, da ihm doch die Männer, die sich gemeldet hatten, aus der ersten bekannt waren und ihr Streben ihm klar sein mußte? — Aber weil er gesehen, daß das Institut der Rabbinerversammlung trotz seines vornehmen Sichzurückziehens gedeiht, wollte er wenigstens noch einen Triumpf feiern; traurige Entschädigung! Wir können, seinen Verlust ertragen, wir fühlen uns nicht so schwach und arm, um mit jedem Bettelpfennig zu geizen, aber wir verlangen, daß er ein offener, ehrlicher Feind sei, daß er die fromme Büßermiene, die zerknirschte Mönchsdemuth nicht länger auftische, da man den Hochmuth und die tosende Lebenslust in der frommverwahrten Brust schon längst wahrgenommen. — Uebrigens kann ich zum Schluß Herrn Frankel die Versicherung geben, daß man sich hier schon auf die nächste Rabbinerversammlung freut, daß man, sich schon davon unterhalt, wie man all' die ehrenwerthen Gäste ausnehmen und bewirthen wolle, indem man stolz auf die Ehre ist, die unsrer Gemeinde durch die Anwesenheit solcher Gäste zu solchem Zwecke zu Theil wird. Frankens Antwort auf die Addresse von einigen Mitgliedern der breslauer Gemeinde. „Sie haben, hochzuverehrende Herren! in einer Addreffe ihre Uebereinstimmung mit meinem bisheri-

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