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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-22 · Heft 39 (22.9.1845) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 39 (22.9.1845)
Date
1845-09-22
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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593 —. Die Petition von 66 Gemeindemitgliedern von Straßburg an das dortige Konsistorium um Einführung einer Orgel, ist zurückgewiesen worden und hat zu manchen Mißhelligkriten veranlaßt. —. Am 1. September sollten die Notabeln von Paris sich der Wahlen wegen versammeln. Da 233 Notabeln eingeschrieben sind, mußten nach dem Gesetze 117 (die Hälfte und einer) zugegen sein, um die Wahlen gültig zu machen. Aber — so viele (oder so wenige) fanden sich nicht ein und die Sitzung mußte anfgehoben werden. (Das ist ein Eifer!) (Arch. isr. de Fr.) —. Der Professor Franck, obschon im königl. Konseil zum Mitglied der philosophischen Prüfungsjury bestimmt, ist aus dieser entfernt worden. Die Journale sagen 7— weil er Jude ist. ’ —. Die Arch. isr. klagen die Dem. Rachel an, weil sie in Straßburg, gebeten, sich für ein höchst wohlthätiges israelit. Institut zu interessiren, es rund abgeschlagen hat. Sie geben zu erkennen, daß dies bei Dem. Rachel nicht Neues ist. —. Der Chasan Naumburg in Paris giebt unter dem Titel bö-iw'' nrvm eine Sammlung der traditionellen Gesänge der Synagoge heraus. Die Schweiz. Paris, im September. In Paris will sich einKomite bilden, das es namentlich damit zu thun habe, den französischen Juden der intoleranten Schweiz gegenüber ihr Recht zu verschaffen. Auf die Bekanntwerdung dieses Planes hat ein Herr Abr.Brunschwig, Inspektor der israelit. Gewerbeschule und Offizier der Nationalgarde in Mühlhausen, in den Arch. isr. de Fr. ein Schreiben veröffentlicht, aus dem wir Einiges hervorheben. „Es giebt Kantone, wo ein Israelit, Franzose oder aus einem andern Lande, seinen schweizerischen Schuldner durchaus nicht gerichtlich belangen kann. Die Justiz sagt: du bist ein Jude, du darfst in unserm Lande keine Geschäfte machen; du hast sie ohne Kenntniß des Gesetzes dieses Landes gemacht (oder der Schweizer in deinem) — schadet Nichts! es ist eine gute Prise! — In einem andern, sogenannten liberalen Kanton ist dem französischen Israeliten der Aufenthalt nur in der Eigenschaft — des Bedienten gestattet. Es ist wahr, daß nach Empfang seiner Sicherheitskarte als Bedienter, auf das Zeugniß einest Einwohners, es einen Israeliten giebt, der dort seit. zwanzig Jahren an der Spitze eines wichtigen Magazins steht und die größte Achtung genießt — dennoch muß er alle halbe Jahre die Erkarung des Quidam, dessen Livree er zu. tragen vorgeben muß, erneuern. Vor dem Gesetze ist dr Bedienter." Preußen. Breslau, im September. (Privatmitth.) Wenn man leichtfertig sich betrügen und Illusionen machen wollte, könnte man sich wol freuen über die schöne Zeit, die neu gekommen, über die segensreichen Fortschritte, die der neue, bessre Geist hervorgebracht; denn hätte man nicht Grund dazu, wenn man bedächte, die starre, mauerfeste Orthodoxie, die hart wie Kieselstein jeder Mahnung der Zeit widerstanden, allem Drängen und Stürmen des Geistes ein kaltes quod non entgegengesetzt, sei nun zur Einsicht gelangt, habe Vernunft angenommen, und wenn sie sich auch noch nicht auf den freien Standpunkt einer wissenschaftlich begründeten Reform schwingen, und mit männlicher Konsequenz alle Resultate einer ernsten Forschung gutheißen kann, so bekennt sie sich doch mit Freuden zu dem halben, schwankenden, ganz willkürlich zusammengestellten Reformsystem eines Frankel, so findet sie doch schon Gefallen an phrasenhaften Deklamationen über „Gemüthlichkeitsbedürfnisse", die allein eine Reform bestimmen können, so ist sie doch wenigstens ehrlich geworden, um Herrn Frankel zu sagen, daß sie eigentlich schon längst ihn liebe und sein Streben verehre, daß sie bis jetzt nur zu verstockt gewesen, um ihm dies einzugestehen, aber sein Austritt aus der Rabbinerversammlung habe vollends die Eisrinde von ihren Herzen gelöst, einen allgemeinen Frühling herbeigeführt und sie bringen ihm nun dje ersten Blüthen seines Wirkens in einer freudigen Addresse als Dankopfer dar. — Aber unser Blick ist nicht so umdüstert, die ernste, kampfesheiße Zeit hat uns verständig gemacht und wir wissen, haben es Herrn Frankel schon oft gesagt, daß die Orthodoxie heute dieselbe ist, die sie vordem gewesen; aber Frankel scheint es immer noch nicht zu wissen oder thut wenigstens so, als wüßte er nicht, daß nur wenige, gar zu einfältige Fromme sich *

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