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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-22 · Heft 39 (22.9.1845) · p. Seite 592

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 39 (22.9.1845)
Date
1845-09-22
Page
Seite 592 (sequence 4)
Language
German
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592 haben sie dennoch verloren, die Weihe, die Heiligung — also was ist erzielt?! Wir'können nicht anders, als uns mit dem Berichte des Herrn Vr. Geiger nicht übereinstimmend zu erklären, und in demselben weder Richtigkeit der Begründung, noch Richtigkeit der Konsequenz anzuerkennen. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 7. September. Der Rücktritt Cremieux aus dem Zentralkonsistorium hat einen liefern Grund. Es zeigt sich nämlich bei den französischen Israeliten das Widerstreben, in den Administrativbehörden des jüdischen Kultus Männer fungiren zu sehen, die ihre Kinder dem Judenthum entzogen haben. Es ist natürlich, daß diese, in sich so richtige Ansicht vor den immensen persönlichen Verdiensten Cremieux' um das Judenthum verschwand. Allein bei den riesenhaften Anstrengungen der Propaganda in Frankreich und bei dem Leichtsinn, welchen die Zeitverhaltnisse und die Zeitrichtung in religiöser Beziehung hervorgebracht haben, ist es sehr mißlich, ein so gefährliches und verlockendes Beispiel in den höchsten Regionen des französischen Judenthums zu sehen. Die Frage wird daher in Frankreich jetzt häufig diskutirt. Einen Artikel darüber bringt das 'jüngste Heft der Arch. isr. de Fr. ' Dieser behandelt die Frage — rein politisch. Er sagt: „das Judenthum bedarf des Schutzes nach innen und nach außen. Nach innen, in religiöser Beziehung, sind die Rabbinen, ssind alle Juden Wächter. Nach außen muß man aber die Vertreter unter denen suchen, welche die Macht dazu haben, also unter den hochgestellten. So sehr es nun zu wünschen sei, daß die Vertreter auch solche seien, welche dem Judenthum ganz angehören: so bliebe doch bei den hochgestellten Israeliten keine Wahl übrig, und man müsse daher Männer .in's Zentralkonsistoriüm wählen, welche die Macht der Rede und der Stellung haben, auch wenn sie in gemischten Ehen leben und ihre Kinder nicht Juden sind, wenn sie nur Eifer haben." Wir gestehen, daß wir uns mit diesem Raisonnement wenig einverstanden erklären müssen. Wir, so weit von Frankreich entfernt, sehen sicherlich von allen Persönlichkeiten ab und betrachten die Frage, wie sie liegt. Wir bedenken, daß es sich hier um Religion, um religiöse Interessen handelt. Alles, was das Ae ußere betrifft, kann nur das allgemeine Humane berühren, da es sich nur um Freiheit, und Gleichberechtigung der Kulte handelt. Wir müßten uns aber sehr irren, wenn wir uns nicht zu der Ansicht berechtigt glauben könnten, daß diese Gleichberechtigung in Frankreich zu tiefe Wurzel geschlagen, als daß ihre Verwirklichung von der Macht und Stellung Einzelner abhängen und nicht immer ihre Vertreter und Vertheidiger finden sollte. Wer aber seine eigenen Kinder dem Judenthume entzieht, der kann unmöglich in ihm ein so köstliches und höchstes Gut finden, daß sein Herz begeistert für dasselbe schlägt, daß er für das Erblühen und wahre Erkräftigen des Judenthums einen reinen, heiligen Eifer hegt. Nein! er ist ihm entfremdet, er ist kalt und gleichgültig, und es können zwar noch Momente in ihm sein, die ihn zur Verteidigung und Vertretung aufrufen, aber zu belebter Wirksamkeit nach innen niemals! Und sehen wir auf den Erfolg — ja, das französische Judenthum steht in völliger Gleichberechtigung da, es fehlt ihm hierin gar nichts — wie aber sieht es im Innern aus? Seine wärmsten Anhänger blicken rathlos nach Hülfe sich um! Diese Fischnatur des französischen Judenthums, dieses kalte Blut, welches die Adern des französischen Judentums durchströmt, hat bis jetzt alle Entwickelung ihm fern gehalten, jede Energie gehemmt, jede Produktivität gelähmt. Wahrlich, französische Israeliten, ihr habet bis jetzt mit all' euren politischen Erfolgen noch keinen einzigen Erfolg im Judenthume erlangt! Es ist Zeit, daß ihr umkehrt! Es ist Zeit, daß ihr es einmal anders versucht, es mit Männern versucht, die vielleicht weniger glänzend, weniger ruhmvoll nach außen dastehen, die aber die Kraft ihres warmen Herzens nach innen wenden, um zu beleben, zu entflammen, zu schaffen!- —. Das Zentralkonsistorium hat. an Cremieux ein Schreiben gerichtet, worin es ihm sein Bedauern über seinen Rücktritt zu erkennen giebt und bittet, die Würde eines Ehrenpräsidenten anzunehmen. Nach den Arch. israel. wird Cremieux auch dies ablehnen. Ein ähnliches Schreiben hat das Konsistorium und die Notabilität von Metz an denselben gesandt.

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