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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-15 · Heft 38 (15.9.1845) · p. Seite 587

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 38 (15.9.1845)
Date
1845-09-15
Page
Seite 587 (sequence 15)
Language
German
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587 schwenglichen Gefühle des Gebetes, in dem mysteriösen Glauben an alles Übernatürliche suchte er den geistigen Durst zu stillen, der ihn quälte. Es gelang, und er betäubte sich in dieser Lebensweise. Da siel ihm der 82212 in die Hand; hier öffnete sich ihm" die Welt, die er so lange gesucht; hier zeigte sich ein Gegenstand, an dem er seinem gewaltigen Denken genügen konnte; mit Gier verschlang er das Schriftchen, erfaßte und begriff es durch und durch, fühlte die Mängel in seinem Wissen, die das Merkchen ihm zum klaren Bewußtsein brachte. Zu derselben Zeit -kam er nach Warschau. Als er eines Morgens in seinem Gasthause im Gebete stand, kam Selig herein, der nach einem Fuhrmanns zur Abreise sich umsah. . Man machte dem Chasi'd aufmerksam auf den jungen Mann, von dem man ihm sagte, ec sei der Verfasser des trnttin 82212. Ec stand zwischen ftVifcW und rtV’Dn und wollte sein Gebet nicht unterbrechen, bat aber mit den dringendsten Mienen, Selig möge nur einen Augenblick sich gedulden. Nach beendigtem Gebete reichte er ihm die Hand mit der herzlichen Bitte: „Erlaubt mir, daß ich Euch besuche." Selig bestimmte ihm die Stunde der Mitternacht; da könne er ungestört und unbelauscht mit ihm sprechen. Er kam, erzählte nun die geistigen Kampfe, die er durchgerungen, welcher Mangel an geistiger Nahrung ihn dem Chasidismus in die Arme getrieben, welche Welt ihn mit dem Hb aufgegangett und schloß mit den Worten: „Ihr habt mich erst unglücklich gemacht; ich bin zn alt und schäme mich nun noch einmal umzusatteln, auch erlauben mir das meine Verbindungen nicht; aber wie beneide ich Euch um das, was Ihr geworden, um das, was Ihr wißt." Slonkmski, seiner geistigen Thaten und Siege froh, wollte nun in Warschau versuchen, ob ihm dort die Herausgabe seines jüdisch-mathematischen Kursus nicht gelänge. Ec war überzeugt, wieviel Gutes ec dadurch unter seiner Nation wirken konnte, wie viele Geister er in ihr wecken würde und wieviel fähige Kräfte, wieviel unerwartet tüchtige Resultate er dadurch der Wissenschaft im Allgemeinen gewinnen könnte. Allein er selbst hatte keine 1000 Thlr., die den Verlag des Werkes bestritten hätten, und auch in Warschau machte die Subskription nicht die erwünschten Fortschritte; ja er kam in solche Noth, daß er das Geteitgeld, daß der Jude in Polen zahlen muß, schon nicht mehr entrichten konnte und die wenigen Groschen zur Heimreise schon nicht mehr hatte. In dieser herben Noch wandte er sich an den Direktor des warschauer Observatoriums, wirklichen Staatsrath Herrn v. Arnimski. Derselbe hatte ihn durch seine früheren Besuche auf der Sternwarte kennen gelernt. Es war an einem Freitag Nachmittag gewesen, an dem er und sein Gehülfe, der Observator Baranowski sich mit Selig über astronomische Instrumente unterhalten hatten. Nachdem sie sich von seinen tüchtigen Kenntnissen in diesem Fache überzeugt hatten, frugen sie ihn, ob er die Instrumente ihres Observatoriums sehen wolle. Er bat sie dringend darum, „denn," sagte er, „ich habe noch gar kein astronomisch Instrument gesehen." Seit jener Stunde waren die Herren ihm gewogen, und Arnimski forderte den jüdischen Zensor in Warschau, Herrn Tugenhold, auf, mit ihm eine Subskription auf Slonimski's Werk zu veranstalten. Da diese nichts als die nöthigsten Ausgaben decken und Selig aus der Verlegenheit retten sollte, ln der ec sich befand, so war an die Edition des mathematischen Kursus nicht weiter zu denken; Selig schrieb indessen in kurzer Zeit seine rv^nbin. Während der erste Bogen schon in der Druckerei war, mußte der zweite erst verfaßt werden; allein trotz dieser Eile schließt sich auch dieses Werkchen würdig an die früheren an und zog ihm gleich große Anerkennung zu. Froh, den Verlegenheiten entkommen zu sein und seine Subskribenten befriedigt zu haben, eilte er nach seinem Sabludoff zurück, wo' er sein früheres, stilles Leben wieder fortsetzte. Bei einem Besuche, den er in Bialystok machte, hörte er, daß ein Jude Namens Schliffer durchgereist sei, der Rechnungstabellen, ähnlich dem Grison'schen erfunden habe und darauf Subskriptionen sammle. Das Urtheil, das die Kenner über das Unbedeutende dieser Erfindung fällten, bestimmte ihn, etwas Besseres zu erfinden, und noch auf der Rückfahrt ersann er eine Rechenmaschine für Addition und Subtraktion. Sie ist ähnlich der' bekannten Maschine des 0r. Roth in Paris, hat aber-vor derselben nicht nur das Recht der Priorität, da sie schon im Jahre 1840 erfunden ist, sondern übertrifft nach dem Urtheite der Petersburger Akademie der Wissenschaften die Roth'schr auch dadurch, daß beide Rechnungsarten in jeder beliebigen Ordnung vollführt werden können. Jedoch fehlten ihm damals die Mittel, sein Instrument zu exequiren/ Häusliche Verhältnisse nöthigten ihn eine Reise nach WilNa zu machen, wo er^, es war im Jahre 1841, sich ein halbes Jahr aufhielr. Die Buchdrucker wollten sek-

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