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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-15 · Heft 38 (15.9.1845) · p. Seite 588

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 38 (15.9.1845)
Date
1845-09-15
Page
Seite 588 (sequence 16)
Language
German
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588 nen Kursus der Mathematik zwar drucken, verlangten aber von ihm einen Beitrag von 120 Rubel, zu den Verlagskosten, wofür sie ihm 200 Freiexemplare geben wollten. Theils der Mangel dieser Summe, theils die Nothwendrgkeit, daß er zur Korrektur der Druckbogen wenigstens noch ein halbes Jabr in Wilna hatte verbleiben muffen, was ihm bei seinen gedrückten Verhältnissen unmöglich war, ließen auch diesen Versuch scheitern. Er mußte daher an die Abreise denken. Bei einem Abschiedsbesuche, den er am letzten Tage des Pesachfestes beiKlatzko machte, erzählte er von seinem Mißgeschicke, das ihn überall verfolge und erwähnte seine Rechenmaschine. Klatzko bot ihm die Mittel zur Anfertigung derselben an. Glücklich, wenigstens diese Idee realisirt zu sehen, eilte er nach Sabludoff zurück, wo ihn sein Wissenschaftliches Streben aber immer mehr in den Verruf eines Berliners brachte. Seine Frau nannte seine Maschine spöttelnd das Chanukalämpchen; der Friede, den er früher in seinen vier Winkelchen gefunden, war geschwunden; er hoffte, daß eine Reise vielleicht die kleinen Mißverständnisse vergessen machen würde, sowie er überhaupt von einer Reise mancherlei Vortheile für sich erhoffte. Er ging über Warschau, wo ec die früher angeknüpfte Bekanntschaft mit dem jüdischen Mathematiker Stern erneuerte, nach Königsberg. Dort wurde er von den Professoren freundlich ausgenommen und vorzüglich war es der gefeierte Astronom, Geheimrath Bessel, der dem geistreichen Autodidakten die wohlwollendste Lheilnahme angedeihen ließ. Seme Maschine wurde mehrere Tage lang auf der königsberger Universität ausgestellt und der junge Fremdling auf's Dringendste von allen Rotabiltäten empfohlen. Allein die häuslichen Mißverständnisse waren durch diese Reise nicht beseitigt worden, sondern führten nach seiner Rückkehr die unter den polnischen Juden so gewöhnliche Ehescheidung herbei. Mit gebeugtem Herzen verließ er das ihm so lieb gewordene Städtchen. Allerund jeglicher Mittel beraubt und dafür mit drei Kindern belastet, kam er in Bialystok, seiner Vaterstadt an; eine hoffnungs- und aussichtslose Zukunft starrte ihm entgegen. Da erfuhr Stern in Warschau die Verhältnisse Slonimski's, lud ihn dringend in einem eigenhändigen Schreiben zu sich und trug ihm die Hand seiner ältern Tochter an. Slonimski willigte ein, und die letzte Freude, die der baldverstorbene Greis erlebte, war die, einen Mann vollkommen seiner würdig in seiner Familie zu hinterlassen. — In Warschau fand Selig bald an. dem Banquier und Ehrenbürger, Herrn Mathias Rosen, den wohlwollendsten Gönner. Er verschaffte ihm eine Anstellung bei den zahlreichen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten der polnischen Hauptstadt, und als Slonimski sein zweites Recheninstrument erfunden, so richtete er ihn mit den nöthigen Mitteln aus, um seine Reise nach Berlin unternehmen zu können. (Schluß folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1'/»Ngr. (1 gGr.) Gebühren für die gespaltene Seile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Gesuch. Ein musikalisch gebildeter junger Mann, (preußischer Staatsbürger), der ist und einen Chor zu leiten versteht, dabei auch die Funktion eines Religionslehrer oder Schächter vorstehen kann, worüber ec die besten Zeugnisse aufzuweisen hat, wünscht zu Ostern 1846 in einer ansehnlichen Gemeinde, die den Gottesdienst mit Chorbegleitung wünscht, angestellt zu werden. Hierauf Reflekrirende wollen ihre ferneren Nachfragen fraueo an die Expedition dieses Blattes unter der Chiffre P. R. einsenden. Vakanz. Im Unterzeichneten Landrabbinate sind mehrere Lehrerstellen vakant. Portofreie Anmeldungen werden baldigst gewünscht vom Landrabbiner Hirsch. Emden, September 1845. Berichtigung. In der Anzeige in Äfv. ÄÄ dieser Zeitung muß es heißen: Die kosmische Uridee, statt Uriden. — Druck von I. B. Hirschfeld. Mit einer literarischen Anzeige von der VerlagSerpedition von Gottlieb Hasse Söhne in Prag.

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