Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1845)
- Date
- 1845-09-15
- Page
- Seite 585 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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585 regen,. Monotonie zu vermeiden und Liebe für das Positive zu erwecken. Magdeburg, 25. August. (Religionsphilosophie.) Die jüdischen .Religionsphilosophen des Mittelalters oder Uebersetzungen der seit dem zehnten Jahrhundert verfaßten jüdischen Religionsphilosophieen. Mitgetheilt von vr. Julius Fürst. Erster Band. Emunot we- Deot oder Glaubenslehre und Philosophie von Saa dja Fajjumi. Aus dem Hebräischen mit theilweiser Benutzung des Arabischen übersetzt von vr. Julius Fürst. Leipzig, 1845. Wir erlauben uns, um am Angemessensten das große und schöne Unternehmen, von welchem hier der Ansang gegeben wird, die Vorrede des Heraus-, gebers hinzustellen. „Auf keinem Gebiete der Philosophie wurde in der bewegten neuen Zeit mit so vieler Hartnäckigkeit und Energie, mit so vielem Geiste und kritischem Scharfsinne gekämpft, als auf dem geheimnißceichen Boden der Religionsphilosophie. Die Mysterien der Religion bis zu ihren verborgensten Schachten, bis zu ihren letzten Quellen zu verfolgen, die Offenbarungen des übernatürlichen Glaubens bis zu ihrem innersten Mark im Schmelzofen der philosophischen Kritik zu prüfen, war nicht blos die Aufgabe der modernen, zur Negation des positiven Glaubensgelangten, Heroen der Philosophie, sondern auch die hellsten Köpfe von Kanr bis Schelling haben ihren Reich- Ihum an philosophischem Wissen der Religionsphilosophie zugewendet. Aber dieser Geisteskampf war nur auf dem stufenweisen Gange der Geschichte möglich; die Epigonen mußten vorerst ihre Ahnen aufzehren, die Voraussetzungen mußten erst überwunden werden, wenn die Konsequenzen zu neuen Voraussetzungen sich gestalten sollten. And in der Geschichte waren viele Blätter, die man theils aus Vorurtheil nicht gelesen, oder aus Unkunde nicht lesen konnte; man machte auf dem geschichtlichen Stufengange übermüthige Sprünge, obgleich die Sprossen gar nicht fehlten; man beachtete nicht die vielen Ringe in der großen Kette der Religionsphilosophie, welche die Juden mit emsigem Fleiße im Verlaufe von Jahrhunderten gearbeitet. Die neu erstandene Geschichte der Philosophie suchte zum Vorwurf der modernen Spekulation die philosophische Thätigteit aller Jahrhunderte durchzunehmen; sogar die unreifen Abarten und Vorübungen des neuern philosophischen Strebens, nämlich die unfruchtbaren Phklosopheme der großen Nachtperiode, von dem Irländer Johann.Skotus Erigena bis auf den Holländer Rene Descartes, wurden für den Dienst der modernen Religionsphilosophie nicht verschmähet. Nur die Benutzung der religionsphilosophischen Arbeiten der Juden vermißt man mit Bedauern in allen Forschungen über die Religion, in allen Handbüchern und Kompendien der Geschichte der Philosophie, und nicht einmal das Literaturgeschichtliche über dieselben findet sich da ausgezeichnet. Und die Juden waren seit 900 n. Ehr. in der philosophischen Durchbildung ihrer Glaubenssätze mit glühendem Eifer und mit lobenswerthec Ausdauer thätkg; sie waren es, die früher als die Kirchenlehrer des Scholastizismus den Drang nach einem phisosophischen , Verständnisse der religiösen Mysterien in sich fühlten. Die Juden hatten im Verlaufe des Mittelalters sich der philosophischen Arbeiten der alten Welt, sowol der Griechen als der Römer, angeeignet und sie vielleicht schon aus syrischen Uebersetzungen/noch vor den Arabern studirt; sie hatten die späteren überschwenglichen neuplatonischen Schriften nicht nur gelesen und übersetzt, sondern sogar zur Ausbildung des Neuplatonismus vorzüglich beigetragen. Mit der Blüthe arabisch-maurischer Kultur haben die Juden zuerst die vielen Erzeugnisse aller Phasen der philosophirenden Araber durchforscht, übersetzt und für ihre Religionsphilosophien benutzt, und schon in ihren Uebersetzungen und Kommentarien der arabischen philosophischen Merke, welche hundertfältig sich noch erhalten, wenn man auch die originalen Arbeittn abzieht, haben sie ihren philosophischen Ernst dokumentirt. Getränkt von diesem Geiste, entstanden seit fast einem Jahrtausend in kaum unterbrochener Folge die jüdischen Religionsphilosophieen, die, obgleich die Flecken, der Zeit wie alle menschliche Arbeit an sich tragend, an Gediegenheit und Fülle den übrigen philosophischen Arbeiten, des Mittelalters gewiß nicht nachstehen. Schon der Ruhm, welchen die Geschichte der Philosophie den Juden zugestehet, daß sie die arabischen Versionen,. Paraphrasen und Erläuterungen der aristotelischen Schriftwerke in lateinischen Uebersetzungen umgegossen und den Scholastikern zugeführt haben, hätte auf die eigenen Arbeiten derselben, theils zur philosophischen Erforschung und Begründung des Judenthums, theils zur Bekämpfung des Christenthums, Hinweisen können, und höchst wahrscheinlich wäre es auch geschehen, wenn nicht die später eingetretene soziale Abgeschlossenheit der Juden, und in deren Folge die allgemeine Unkunde der Sprachen, in welchen dergleichen Werke abgefaßt waren, die Umsetzung erschwert und verhindert hätten.