Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 38 (15.9.1845)
- Date
- 1845-09-15
- Page
- Seite 581 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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581 a. a. O., daß der Absteigende nur ro»«' 'n habe, fiele im vorliegenden Falle weg: bv in in rrnn« Ss n^ii. Gleichwol würde ich von dieser zustehenden Freiheit nicht eher Gebrauch gemacht haben, als bis eine Rabbinerversammlung sie ausgesprochen hätte, wäre ich nicht damals in einer Verlegenheit gewesen, welche den jüdischen Theologen vor dieser unserer verketzerungssüchtigen Periode wahrscheinlich an und für sich hinlänglich zur Dispensation vor einer rabbinischen Vorschrift erschienen wäre. Wie nämlich alle meine Kollegen wissen, die in Frankfurt versammelt waren, reiste ich von dort ab, um die Schweiz zu besuchen; ich hatte mir auch zu diesem Zwecke von meinen Vorstehern noch eine Verlängerung meines Urlaubs erbeten und ihnen einen befreundeten Prediger vorgeschlagen, den sie möchten vom 9. Juli ab meine Stelle vertreten lassen. Kaum aber hatte ich die Grenze erreicht, als das Ausbleiben eines mit den Meinigen verabredeten Briefes mich dermaßen ängstigte, daß ich noch in Schaffhausen die ganze Reise aufgab, um sofort nach Hause" zu eilen, wo sich Jedermann über meine plötzliche Rückkehr verwunderte. Hätte der Korrespondent in Heidelberg, statt meine Schritte schweigend zu verfolgen, mich ehrlich gefragt, warum ich ein daselbst zu Ehren des Herrn l>r. Holdheim veranstaltetes Festessen, zu welchem auch ich aus dem Stegreif freundlichst eingeladen wurde, schon nach einer Viertelstunde verließ und im Regen zur Eisenbahn eilte: so würde er sogleich den Grund erfahren haben. Jeder rechtliche Mann aber handelt offen, wenn er einmal genöthigt ist, von dem Herkömmlichen abzuweichen; ich sagte daher vor der ganzen Festversammlung, daß ich sogleich wieder abreisen müsse, desgleichen eine Stunde darauf in Mannheim dem Klausrabbiner Herrn Dr. Wagner und einer um ihn versammelten Gesellschaft, daß ich soeben erst angekommen sei. Dem Unparteiischen werden hoffentlich diese Zeilen genügen; wer verketzern will, für den sind sie nicht geschrieben.' L. Herzfeld. AuS Baiern, 7. September. (Privatmitth.) Der Zusammentritt unserer Stände ist vor der Thüre. Noch aber hören wir nicht, daß irgendwo von unsrer Seite Schritte geschehen, damit rechtzeitig unsre Lage und unsere Uebelstände in der Kammer zur Sprache kommen. Kann Uns nicht das Beispiel unserer Glaubensbrüder in benachbarten deutschen Staaten zeigen, daß wir mit Vor- und Darstellungen nicht Nachlassen und uns durch die Erfolglosigkeit unserer Bitten nicht abschrecken lassen dürfen, immer und immer auf's Neue unsre Stimme beschwerend zu erheben? Sind auch die Klagen, die wir auch in diesem Blatte, von Auswanderern ausgegangen, gelesen, als dürfe sich in Baiern Niemand über die Matrikelzahl ansässig machen und als dürften die baierschen Israeliten kein Grundstück besitzen, mehr als übertrieben, so fehlt es uns doch nicht an vielen und gegründeten Beschwerden. Ein Beispiel für Viele. Ein jüdischer Arzt bewarb sich um eine Anstellung als Militärarzt und wurde überdies von einem General an den Kriegsminister empfohlen, ward aber abschlägig befchieden, weil ein Militärarzt zuweilen in der Eigenschaft eines Staatsdieners Bericht zu erstatten habe und Israeliten Staatsdiener nicht werden können! —. Eine Anstalt für Waisen und verwahrloste Kinder überhaupt war und ist schon lange in Baiern ein tiefgefühltes Bedürfniß, und hätte, wenn wir mehr Männer der That als des Wortes hätten, schon lange segensreich wirken können. Um so dankenswerthe Anerkennung verdient es daher, daß das Waisenms in Fürth, laut einer öffentlichen Bekanntmachung — in welcher sich jedoch der Schreiber einigen überflüssigen Weihrauch gestreut hat — auch auswärtigen Waisen seine Thore geöffnet hat. Möchte es der löblichen Verwaltung gefallen, die Statuten ff. bekannt zu machen und überhaupt dem in unsrer Zeit mit Recht sehr beliebten Prinzip der Oeffentlichkeit mehr zu huldigen. Gewiß würde sich die größere, sehr wüyschenswerthe Betheiligung Auswärtiger dadurch nur vermehren. — —. Der sarkastische Artikel „Von der Saale" hat auch in unsrer Gegend seine Wirkung nicht verfehlt und dem Erlasse der 77 mehr geschadet, als die gelehrteste Widerlegung. Wären Beispiele nicht gehässig , ich könnte eines als Beleg zur Belustigung des Publikums auführen, wie Recht jener Korrespondent hatte, wenn er behauptete, daß viele der Unterzeichner nicht wußten, was sie unterzeichnet haben. —. Bei so vielen Zerwürfnissen in unseren Gemeinden und dem überall beklagten Mangel an Synagogen- und Schulfonds ist es erfreulich einen Blick 38»