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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-15 · Heft 38 (15.9.1845) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 38 (15.9.1845)
Date
1845-09-15
Page
Seite 579 (sequence 7)
Language
German
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579 bergen mag, er hat die Orthodoxie zu täuschen gesucht, so gern er auch als Vertreter gelten möchte — nun denn, so mag er mit den. papierenen Addressen sich panzern gegen die Angriffe aller Ehrlich- und Gutgesinnten. Berlin, 4. September. Die hiesige Voff. Ztg. enthalt folgenden Artikel: „Die rege Lhätigkeit der Bevollmächtigten der Genossenschaft für Reform im Judenthum hat ein neues Stadium, erreicht, indem sie jetzt nach vorangegangenen theoretischen Erörterungen in das Gebiet der Praxis eingetreten. Die Deputation an die Rabbinerversammlung in Frankfurt a. M. war kaum mit dem erwünschten Resultat der völligen Anerkennung zurückgekehrt, als sich aus der Mitte der Genossenschaft der entschiedenste Wunsch kund that, die herannahende Neujahr- und Versöhnungsfeier nicht ohne gottesdienstliche Feier vorübergehen, zu lassen, und die ausgesprochene Erklärung sonst ohne alle religiöse Erbauung an diesen von jeher .heilig gehaltenen Tagen verbleiben zu müssen, gab dem Wunsch einen so ernsten, religiösen Charakter, daß die Bevollmächtigten ungeachtet aller Schwierigkeiten ernstlich die Schritte zu dessen Erfüllen begonnen Haben. Wer das hohe Alter des herkömmlichen Kultus kennt, und weiß, wie tief einzelne Zeremonien und Anordnungen Wurzel geschlagen in das Herz der Menge, kann die große Aufgabe wohl ermessen, die hier gestellt ward, in so kurzer Zeit innere und äußere Hindernisse zu besiegen, Gebete, Gesänge und neue Vortragsweisen anzuordnen, und aus der großen Zahl der geheiligten Gebräuche nach den Bedürfnissen und Anschauungen der Gegenwart das Erstorbene zu entfernen und das Lebensfähige in erneuerter Gestaltung vorzuführen. Nur die unausgesetzte Anstrengung in den bis spät in die Nacht hinein sich ausdehnenden Sitzungen der Bevollmächtigten, der Substituten und der eigends für die gottesdienstlichen Einrichtungen gewählten Repräsentanten vermochte hier ersprießliche Resultate zu fördern; nur ein tiefer Ernst, wie man ihn vor wenig Monaten noch für unmöglich gehalten und eine wahrhafte Liebe zur Religion vermochte hier die regeren Ansichten und Bestrebungen und manche Prinzipienbifferenzen auszugleichcn. Als ein besonders günstiger Umstand ist es indessen zu betrachten,, daß noch fast^ keine Sitzung vorübergegangen, ohne sich der Gegenwart irgend eines gelehrten, als Gast hier verweilenden Rabbiners zu erfreuen. Die von der Rabbinerversammlung zurückkehrenden Geistlichen DDr. Sa lomon aus Hamburg, Jolowitz aus Kulm und Geiger aus Breslau, wie der Oberrabbiner Dr. Hirsch aus Luxemburg, welche hier einige Zeit als Gäste verweilten, haben sämmtlich mit ihrem Rath die Verhandlungen unterstützt und alle Genannten nahmen Gelegenheit bei ihrem Abschied, die innigsten und wärmsten Bestrebungen der hiesigen Genossenschaft und die Ueberzeugung auszusprechen, daß von dieser Stadt aus eine heilsame, die ewige Idee des Judenthums neubelebende Reform ausgehen werde. Neustettin in Pommern, 28. August. (Privatmitth.) Folgendes, in dem „pommerschen Volksblatt" No. 67 gestandene Referat wird gewiß vielen Israeliten Lust machen, ihre Gaben ohne Unterschied des Glaubens den. Armen zuzuwenden. „(Eingesandt.) Der Banquier Jarotz aus Warschau hat der.Stadt Neu-Stettin im vorigen Jahre ein Kapital von 500 Thlr. vermacht, mit der Bestimmung, daß die Zinsen davon allemal am Jahrestage des versuchten Mordanfalls auf unfern verehrten König an Arme der Stadt ohne Unterschied der Religion in der Kirche vertheilt werden sollen, um seiner Vaterstadt und seinem gewesenen Vaterlande einen Beweis seiner Freude über die Rettung des Landesvaters und seiner Anhänglichkeit an diese und jenen zu geben. Bei Gelegenheit der Vertheilung derselben in diesem Jahre, der ersten überhaupt, am 27. Juli, als die von dem Magistrate erwählten Armen christlicher und jüdischer Religion sich in der Kirche befanden, hielt der dortige Superintendent eine Rede, deren Inhalt ungefähr folgender war: „Die Juden' seien diejenigen gewesen, welche Christus nicht hätten erkennen wollen, und welche deshalb verdammt wären auf ewige Zeiten.- Die Folgen dieser Verdammung wären noch heute sichtbar an Israel, welches umher wandle, daß es einen Stein erbarmen möchte. Nächstens würden sie wieder die. Zerstörung Jerusalem's feiern und da könne man sich überzeugen, wie sie klagten und jammerten über das verlorne Land. Allein sie verdienten kein besseres Geschick, denn sie seien verstockt und wollten Jesus, den Gott,, nicht anerkennen. Von ihnen,

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