Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1845)
- Date
- 1845-09-08
- Page
- Seite 568 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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568 selben, unedle Theilnahmslosigkeit, heuchelnde Orthödoxiesucht drohen oder gar schon gewahren zu müssen, was Beides in zweien unserer nachbarlichen Gemeinden leider jetzt der Fall ist. Wie abschreckend, zurückstoßend und unheilbringend ist dies zugleich sür die, die in deren Nahe und erst kürzlich an der Spitze ihrer Gemeinde, wo deren Mitglieder größter Zahl an eben demselben Gebrechen leidet, gestellt und das Gute, Gottgefällige mittelst Kampf zu bewerkstelligen eben im Begriffe sind! Man will den Grund dieses Uebels in der schwachen Heldenkraft der Gemeindemitglieder suchen. Woher kämen denn aber die prachtvoll geschmückten Wohnungen, die wohlgenährten, mit allem Pomp, Schmuck und Flitter behangenen Leiber her? — Doch zu welchem Mittel solle man seine Zuflucht nehmen, um dem Uebel zu steuern? — Einen tüchtigen, gelehrten mit Rednertalent begabten Rabbiner, keinen Stubengelehrten nehme man auf und, wenn's möglich, früher noch als die Einweihung der Synagoge stattsindet. Selber hat es zur Aufgabe, die siechen, schlaffen, regungslosen Geister zu heilen, zu stärken, aufrechtzu erhalten, das Licht, das ihnen erloschen, anzufachen, Gottes Wort zu lehren und zu verkünden. — Ein Chasan, der Stimme beim Gesang, zum Theil auch beim Volke hat — nicht den das Legen der Hand auf den Backen zum Gesangskünstler erhebt und stempelt — ist dazu empfehlenswerth. Eben an diesen Kräften gebricht es jenen zweien Gemeinden, daher auch das so traurige Ereigniß, der jähe Untergang des Guten und Schönen. 8. 8. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 20. August. (Geschichte). Geschichte der Israeliten mit besonderer Berücksichtigung der Kulturgeschichte derselben. Von Alexander dem Großen bis auf gegenwärtige Zeit. Nach den besten vorhandenen Quellen bearbeitet von vr. Julius Heinrich Dessauer. .Erlangen, 1846. Dem Verfasser dieser Geschichte der Israeliten seit Alexander dem Gr. (593 S.) können wir den Fleiß nicht absprechen, mit dem er gesammelt hat, auch nicht-die Liebe zu seinem Gegenstände— wol aber müssen wir ihm absprechen jede Befähigung zu diesem großen Werke, jede Befähigung, diese bedeutende Aufgabe auch nür irgend zu lösen. Dle Arbeit ist lediglich Kompilation, Zusammentragerek, ohne Kritik, lediglich Erzählung, ohne die geringste Auffassung, ohne eine Idee, ohne irgend wo den Zusammenhang der Begebenheiten zu begreifen, ohne auch nur irgend eine treffende Bezeichnung einer Richtung. Dabei fehlt aller Glanz der Darstellung, alle Frische der Sprache. An Fehlern und Irrthümern fehlt es dagegen selbst aus der neuesten Zeit nicht. (Nur ein Beispiel: Meyerbeer wird zu den Franzosen sS. 483}, Hirsch in Emden zu den Holländern gerechnet [0.465.}) Dies ist es, was wir in wenigen Worten über das dicke Buch zu sagen haben. Es thut uns leid, kein andres Urtheil fällen zu können. Der Verf. wird damit sehr unzufrieden sein, aber wir waren es auch, daß er sich zu einer so schwierigen Arbeit herangemacht hat. Niemand kann freudiger irgend welche Bereicherung unsrer Literatur begrüßen, als wir*). Magdeburg, 21. August. (Kalender.) Kalender und Jahrbuch für Israeliten auf das Jahr 5606. Herausgegeben von Isidor Busch. Vierter Jahrgang ihn. Wien, 1845. Das Jahrbuch wird, wie bisher, durch einen „Rückblick auf das Jahr 1844" vom Redakteur d. Zeitg. eröffnet. Es thut uns leid, gegen mehrere Zusätze, welche der diesmalige „Rückblick" durch den Herausgeber erhalten hat, als Verfasser remonstrirt haben zu müssen. Ihm folgt „Versuch einer Statistik der Israeliten in Ungarn, von Leopold Löw, Oberrabb. zu Groß-Kanischa" noch nicht speziell genug in allen Fächern gehalten. „Die Schicksale und Bestrebungen der Juden in Ungarn, seit dem eilften Jahrhundert bis auf unsere Zeit. Von demselben. Erster Artikel." Nach einer Einleitung, worin der Verfasser auf sehr lichtvolle Weise über die Art der Niederlassung der Juden (1785 werden 75,089 Jüden, 1840: 244,035 in Ungarn angegeben), und die Quellen der ungarisch-jüdischen Geschichte spricht, behandelt er in diesem ersten Artikel die erste Periode 1030 bis 1222, die er als „Zeit des ruhigen Genusses mancher schätzbarer Heimatsrechte" bezeichnet. Wer diesen klar geschriebenen und mit Scharfsinn ausgeführten ersten Artikel gelesen, freut *) Wir bemerken hierbei, daß an vr. Jost's Geschichte des JudenthumS in neuester Zeit schon tüchtig gedruckt wird.