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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-08 · Heft 37 (8.9.1845) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 37 (8.9.1845)
Date
1845-09-08
Page
Seite 566 (sequence 10)
Language
German
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m Oberndorf, 20. August. (Privatmitth.) In unferm benachbarten Dettingen wird alljährlich amöfiba rib Seitens der dortigen Israeliten ein Fasttag, gefeiert, der unter dem Namen Hopfenstätter bekannt ist. — Einsender hat in seinem Knabenalter die Schulen in Dettingen besucht und hat, da er das dreizehnte Jahr noch nicht erreicht hatte, blos die Bußpsalmen, die bei Gelegenheit dieses Fasttags rezitirt werden, mit gebetet. Die Veranlassung dieses Fasttags war, wie mir mein seliger Lehrer erzählte, eine Blutbeschuldigung, die ein gewisser Bierbrauer Hopfenstätter den Juden machte, indem er sie anklagte, sie hätten seinem achtjährigen Enkel das Blut abgezapft und den Leichnam in einen Kanal — Holzgraben — versenkt. Diese Anklage durch falsche Zeugen unterstützt, brachte es dahin, daß der sammtlichen Judenschast in Dettingen und Hainsfarth der Befehl eetheilt wurde, die Mörder dK Kindes der Gerechtigkeit zur Bestrafung zu übergeben, wozu der letzte Termin auf den am» n'b gesetzt war. Im Unterlassungsfall sollten sie der Wuth des Pöbels preisgegeben werden. Der verhängnißvolle Tag erschien! Der -Pöbel wetzte schon seine Mordmesser, um mit dem Schlag zwölf Uhr sämmtliche Juden beider Orte, die sich in ihren Synagogen, allwo sie zu dem Gott ihrer Väter schrieen, befanden, niederzumetzeln. In dieser dringenden Noch traten zwei Männer hervor, die sich als Opfer für die Gemeinden hergeben und zu einem Verbrechen bekennen wollten, das weder sie noch irgend ein Jude begangen. Aber der damalige Rabbiner, Jakob'Tarnopol, so wie die Vorsteher und alle Gemeindeglieder wiesen dieses Anerbieten ernstens zurück, indem sie erklärten, es sei besser, es kämen allesammt um, als daß man zu einem Verbrechen sich bekenne, das nie und nimmermehr von einem Juden, als solchem, begangen worden ist. So erwarteten sie betend den Tod aus der Hand eines wüthenden Pöbels. „Aber es schläft nicht und schlummert nicht der Hütern Jfrael's." Denn schon hatte die Glocke die elfte Stunde verkündigt, als ein fremder Mann sich durch die. Reihen des mordlustigen Pöbels drängte und dem Schlosse des Fürsten zueilte. Hier traf er den liefbekümmerten Herrscher in seinem Kabinett eingeschloffen, wohin er sich zurückgezogen, um das bevorstehente herzzerreißende Trauerspielnicht mit attsehen zu müssen. Der Fremde erbot sich, den wahrem Mörder des- Kindes ausfindig zu machen, wenn der Fürst ihm eine Bedeckung, die ihn gegen die Wuth des Volkes schütze, mitgeben wolle. Der hocherfreute Fürst gewährte augenblicklich den Wunsch des Fremden, und noch war nicht eine Viertelstunde verflossen, als der. Fremde, es war der Nachrichter eines benachbarten Ortes, den Leichnam des Kindes in dem Keller des Großvaters, des Johann Georg Hopfenstätter's, aufgefunden hatte. . Die Juden wurden im entscheidendsten Augenblicke vom Tode befreiet, und die Untersuchung ergab bald, daß der Ankläger der Juden selbst der Mörder seines eignen Enkels gewesen. — Soweit die Erzählung meines seligen Lehrers. Ueber die Zeit der Begebenheit konnte er keine Auskunft geben. ' Die neuerlichste Begebenheit des Karl Wernek aus Detelbach, der ein Christenkind stahl und dabei die unsinnige Frechheit hatte, sich so lange für einen' Juden auszugeben, bis eine ärztliche Untersuchung die unzweideutigsten Beweise lieferte, daß er nicht zum Hause Israels gehört, hat Veranlassung gegeben, auf die Geschichte des Hopfenstätter zurückzukommen. Und so hat das fürstliche Archiv die betreffenden Akten aus dem Jahre 1691 den betreffenden Gerichten behändigt. Oesterreich. Aus Ungarn, 25. August. (Eingesandt.) Die Oeffentlichkeit unserer Zeit hat nebst vielen Lichtseiten auch ihre Schattenseiten. Da ist ein Drängen und Jagen seinen Namen nur gedruckt "zu erblicken, und wie es bei einem wirklichem Gedrängeost geschieht, hat nicht der Würdigste, sondern der, der die festesten Arme und Beine hat und die kräftigsten Flüche im Munde führt, den Vortritt. Besonders istunter unseren jüngeren Glaubensgenossen dieser Uebelstand vorwaltend, und die größte Ignoranz mit burschikosester Arroganz gepaart, wird nicht selten für baare Münze zu Markte gebracht. Und wie oft — die Ferne und Unbekanntschaft mit dem berichtenden Subjekte entschuldigen ja zur Genüge — wird der meist giftigen Zunge solcher Afttrgelehrten und Jour-

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