Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1845)
- Date
- 1845-09-08
- Page
- Seite 565 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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565 Unterrichtsgegenständen auch höhere hebräische Wissenschaften, als: Kommentare, ausführliche Grammatik und Mischnah gelehrt werde; die Erfahrung hat sattsam gelehrt, wie wenig solche Anstalten privatim gelingen wollen. Ein zweiter wäre ein Kulturverein, welcher sich zur Aufgabe machte, theils religiöse Schriften unter die Juden zu verbreiten, theils zum Ackerbau und zu Handwerken zu ermuntern. — Mit diesen Worten glauben wir einstweilen genug angedeutet zu haben, um den Weg zu bezeichnen, der nach unsrer unmaßgeblichen Meinung eingeschlagen werden könne und müsse, um der grenzenlosen Verwahrlosung zu steuern. Das Gelingen darf gar nicht in Zweifel gezogen werden. Nur müssen sich die Fähigsten, die, welchen das Wohl ihres Volkes, die Hebung ihrer Glaubensgenossen am Herzen liegt, zusammenschaaren, ihre Kräfte vereinen, um gemeinschaftlich im Weinberge des Herrn zu arbeiten, ihre Mühe wird belohnt werden; er wird dann künftig Trauben und keine Heerlinge wehr hervorbringen. Möge doch Jeder bedenken: abi himb narrbnn ^pb? rrb «asb «'a »rnaa i-1372» büiJrb pnn “ja ttns, und daher seine spirituellen und materiellen Mittel zum allgemeinen Besten hergeben und an den Schluß der angeführten Mischnah denken. G Deutschland. Aus dem WürLernbergischen, 3. August. (Privatmitth.) Wiederum ein Beweis von der Toleranz unsrer Regierung. Das Regierungsblatt enthält eine Bekanntmachung der im Etatsjahr 1844/45 zu Schulhausbauten aus der Staatskasse geleisteten Beiträge. Darunter: der israelitischen Gemeinde Hochberg: 40V fl.; desgleichen hat in demselben Etatsjahr der israelitische Schulmeister Hilberth zu Niederstetten unter der Reihe der christlichen Kollegen aus derselben Kasse eine Prämie von 20 fl. erhalten. —. 5. August. Ueber den (in No. 34 dieser Zeitg. besprochenen Mädchenraub berichte ich Folgendes: Nach einem im „Beobachter" vom Heutigen enthaltenen Schreiben „vom Ries", drohte der Pöbel in seiner kanibalischen Wuth über die Juden herzufallen. Denn das Gerücht hatte sich allgemein verbreitet, der Kindesräuber sei ein Jude. Auf Anordnung des Gerichts wurde der Angeklagte ärztlich untersucht, und zur Beruhigung amtlich in öffentlichen, Blättern bekannt gemacht, daß er „ein Unbeschnittener" sei. Die Juden sind voller Freude. Denn wäre der Reisende ein Jude gewesen, so würde man ihm wol seine Angabe, er habe Nothzucht beabsichtigt, nicht geglaubt haben, sondern irgend ein Gelehrter hätte wahrscheinlich die Belege dafür gefunden, daß die Juden Christenblut brauchen. Ein lebenslänglicher württembergischer Stadtrath in einem Grenzorte hatte schon seine Gäste zu einem Landsturm gegen die Juden aufgefordert. Wenn die Juden auch Blut brauchten, das eines Lebenslänglichen wäre ihnen jedenfalls zu schlecht." —. 21. August. Zu Heilbronn am Neckar wohnen seit einigen Jahren wieder etliche Juden. Ueber die früher dort ansässig gewesenen entnehmen wir einem dortigen Blatt folgende Notizen aus glaubwürdiger Hand. Die älteste Synagoge soll da gewesen sein, wo jetzt die Neubauer'sche Apotheke steht. Sie wurde um das Jahr 1347 bei der Judenverfolgung verbrannt. 1357 wurde eine neue Synagoge auf der Stelle der Lohthorstraße erbaut, wo jetzt das Haus No. 456 steht; diese Straße hieß bis 1826 „Judenstraße". Hinter diesem Haus war der Friedhof der Juden, bis diese zwischen 1470—1476 vertrieben wurden. Die Synagoge wurde in ein Wohnhaus verwandelt, das 1771 abbrannte. Bis dahin hatte es noch mehrere hebräische Inschriften. Das Eckhaus schräg an der Lammgasse No. 686 war das Judenbad; hierzu gehörte der Brunnen vor diesem Haus. Nach Vertreibung der Juden wurde jenes eine öffentliche Badestube. 1837 wurde in der Nähe des Wilhelmskanals ein nun 437 Jahr alter Grabstein aufgefunden. —. 22. August. Dem Abgeordneten Veiel in Marbach wurde Sonntag d. 17. d. M. als Zeichen des Anerkenntnisses für sein ständisches. Bestreben, den Israeliten weitere Rechte zu erringen, von der benachbarten israelit. Gemeinde Hochberg, eine Uebexraschung bereitet, indem der dortige israelitische Liederkranz, in Begleitung mehrerer angesehener israel. Bürger, Abends nach 8 Uhr unter Fackelschein vor seinem Hause aufzog und ihm nach mehreren gut ausgeführten Chorälen ein Lebehoch brachte. —. 24. August. Unser König hat den Banquier Sim. Biedermann in Wien zu seinem Konsul daselbst ernannt. 37 *