Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 9 (1845)
- Issue
- Heft 37 (8.9.1845)
- Date
- 1845-09-08
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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564 einstudirt werden. Der Gottesdienst wird ganz mit bloßem Haupte gehalten werden, und Herren und Damen gemischt sitzen. Eine heilige Lade wird der Saal nicht enthalten, da keine irrnn "idd gebraucht wird — an deren Stelle tritt die Kanzel. Herr Dr. Stern wird als Prediger sungiren. Ob dieser Gottesdienst in der Provinz Beifall finden werde? Ich glaube nicht, da er alles Charakteristische des Judenthums abgethan hat. Vielleicht daß er in Königsberg oder sonst wo noch Nachahmung findet, damit wird aber seine Existenz abgegrenzt sein. Die Reformgenossenschaft selbst wird, was man auch sagen mag, ihre Wirksamkeit hiermit erschöpft haben. Der Bericht, der in diesen Tagen auSgegeben worden, und den Sie wol schon erhalten. haben, beweist es, wie überaus wenigen wirklichen Anhang die Genossenschaft bis jetzt gefunden hat, trotz allem Allarm, der gemacht worden, und trotzdem die jüdischen Hauptjournale sich im Ganzen ihr günstig zeigten. Der Bericht liefert einige dürre Auszüge von Schreiben aus meist sehr unbedeutenden Gemeinden, wobei es unentschieden bleibt, wer und wie Viele diese Schreiben erlassen haben. Hier vor Allem war Aufrichtigkeit und Detaillirung nothwendig, um das Publikum nicht irre zu führen. Nun aber, wo die Genossenschaft nach blos berliner Lokalbedürfniß einen Gottesdienst hinstellt, der an allen anderen Plätzen unausführbar und für die immense Majorität ungenießbar, ja widerstrebend ist: hat sie sich ihre Wirksamkeit selbst genommen, und sie wird jetzt nichts Andres sein, als der Hamburger Tempel zur Zeit seiner Gründung. Daß aber das positive Judenthum keine Pflege durch diesen Gottesdienst erhalten kann, sondern in demselben ab sterben muß, ersieht man aus der Tilgung aller jüdischen Formen und Symbole. Vom Mederrhein, im August. (Privatrnitth. Schluß.) Nach unsrer unmaßgeblichen Meinung waren folgende Punkte für die Hebung der Juden und des Judenthums sehr ersprießlich, und sehr freuen würde es uns, wenn fähige Männer unter uns, denen das Heil ihrer Glaubensgenossen am Herzen liegt, diese Vorschläge in Betracht zögen und einer verständigen Prüfung unterwerfen^würden. Der Gottesdienst, wo es am Meisten, Noth thut, würde am Besten und Sichersten zu heben sein durch eine Kultuskommission, bestehend aus dem Rabbinen als Präses, und Vertretern aus jedem Kreise, theils Lehrern, theils einsichtsvollen und den Ruf der Zeit kennenden Privatleuten. Diese sollten sich .halbjährig in Krefeld versammeln und den Gottesdienst'gehörig ordnen. — Von dieser Kommission könnten auch die Einsichtsvollsten zu Bezirksschulinspektoren ernannt werden, welche verpflichtet wären, monatlich alle Schulen ihres Bezirks zu inspiziren und jedes Mal dem Rabbiner hierüber Bericht zu erstatten. Auch müsse dafür gesorgt werden, wo es nur irgend thunlich ist, die Lehrer definitiv angestellt werden. Alle Gemeinden müssen angehalten werden, eine Gemeindeschule zu errichten. — Da die Gemeinden fast überall keine oder wenigstens sehr unzulässige Statuten haben, so mögen solche vom Konsistorium entworfen und in allen Gemeinden eingeführt werden. Ferner müssen in allen Gemeinden wenigstens zwei und in größeren drei Vorsteher gewählt werden; zu dieser Wahl aber nur die Fähigsten und nicht die Reichsten genommen, und die Unfähigen überall abgesetzt werden. Ueber die Fähigkeit kann man sich ja überall erkundigen und die'Amtszeit auf drei Jahre bestimmen. Zeigt es sich nun, daß die Wahl glücklich war, so können diese wieder gewählt werden. Es wäre sehr an der Unrechten Stelle, wenn man hierbei aiiaa sein wollte, weil dieser ganz unfähige Vorsteher ein reicher Mann und (leider) schon lange im Amte ist, und man sich daher scheue ihn abzusetzen. Auch würde der Wetteifer sehr erregt werden, wenn der Rabbiner bei seiner jährlichen Inspektion die öffentlich lobte, welche am Meisten gewirkt und die Schläfrigen öffentlich tadelte. Diesen Vorstehern müßte auch vom Konsistorium aus gehörige Instruktionen gegeben werden (5B. M. 1, V. 16), auch möge man sie anhalten, eine jüdische Zeitschrift, z. B. die Allg. Zeitg. d. Judenth., zu lesen, damit sie auch einen Begriff vom jetzigen Judenthum bekommen. — Weil unsere Gemeinden zu klein sind, um Lokalvereine zu bilden, so müssen wir den Sprengel zusammen nehmen, ihn als eine Gemeinde betrachten und die Vereine auf den ganzen Sprengel ausdehnen. Sehr nöthig wäre ein Verein, man möge ihn db oder trnn.rih nennen, um eine höhere Schule für Juden zu errichten, worin außer den höheren