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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1845-09-01 · Heft 36 (1.9.1845) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
9 (1845)
Issue
Heft 36 (1.9.1845)
Date
1845-09-01
Page
Seite 554 (sequence 14)
Language
German
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554 der. Reisenden gestört sein wollte, wurden diese emquartirt. — Des Abends kam die Wäscherin und brachte unserm Selig seine Wäsche. Er nahm seinen Koffer vor, um sie hineinzulegen; packle seine Manuskripte aus, die er immer mit sich führte, um Raum zu finden, als er plötzlich gewahrte, daß seine Wäsche verwechselt sei. Mit der Aengstlichkeit eines armen Mannes, der nicht viel mehr hat, als die Kleider, die ihn bedecken, mit der Peinlichkeit eines Kleinstädters, der nur im Kreise seines Haushalts lebte, lief er der Wäscherin nach, und fand, als er nach einigen Minuten zurückkam, den angekommenen Reisenden über den Manuskripten. „Was sucht Ihr da?" rief Selig, indem er dem Alten die Papiere aus den Händen nehmen wollte; „das sind nur alte Papiere, die Niemanden interessiren." Der Alte aber erwiederte kalt und ruhig: „Was erschreckt Ihr-! Warum fürchtet Ihr Euch' so vor mir? Laßt doch ordentlich sehen, was für Hefte Ihr da habt." Selig aber fürchtete verrathen und als Berliner verschrieen zu werden, und suchte mit immer dringenderer Hast seiner Papiere habhaft zu werden. Der Alte blieb aber bei seiner freundlichen Miene und fuhr fort: „Ich weiß nicht, warum Ihr so heimlich thut; ein Mann von Eurem Wissen sollte aus dem Schatze seiner Kenntnisse unseren jüdischen Brüdern mitzutheilen suchen, und Ihr zeigt einen gelehrten Geiz, der Eurem Wissen gar nicht ansteht! Und ich, der ich doch fast alle wissenschaftlichen Männer unter unseren russischen Juden kenne, wundere mich nun gar nicht mehr, daß ich von Euch nichts weiß; wer könnte einen solchen Sonderling auffinden! Woher seid Ihr?" „Aus Bialystok," erwiederte Selig, erstaunt über diese noch nie gehörten Vorwürfe. „Aus Bialystok?" wiederholte der Alte nachsinnend; „ich wohne in der Nähe von Bialystok und kann mich nicht erinnern, je von einem so seltenen Geiste, wie Eure Schriften zeigen, gehört zu haben. Und wo wohnt Ihr?" „Zn Sabludoff," sagte Selig. „In einem solchen Winkel lebtein Geist, wie ich ihn unter allen unseren gegenwärtigen russischen Juden noch nicht getroffen?" erwiederte der Alte. „Und Euer Name?" Selig nannte sich; der Alte kannte zwar den Butev, aber von dem Sohne hatte er noch nie etwas gehört. „Nein, mein Freund," fuhr er fort, „Ihr müßt nach Wilna gehen, wo es viele tüchtige, jüdische Gelehrten giebt, die sich Eurer «»nehmen und Euren Werken zur Oeffentlichkeit verhelfen werden; dort ist die jüdische Buchdruckerei, dort könnt Ih.r Eure Schriften verlegen lassen, und Ihr werdet den Juden damit einen großen. Dienst erweisen." (Fortsetzung folgt.) Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1*/»Ngr. (IgGr.) Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raum sowie literarische, merkantile u. a. Beilagen ausgenommen. Die Verlagshandlung. Literarische Anzeigen. Bei C. F. Vogel in Hamburg ist erschienen und zu haben: Roch ein Wort zur israelitischen Reformfrage. Eine-Stimme aus dem Volke, vielleicht auch eine Stimme aus der Wüste, gr. 8. geh. 5 Ngr. (4 gGr.) Dieses der entschiedensten Reform huldigende Büchelchen, dürfte unter den Juden leicht dieselbe Sensation erregen, als Wislicenus: „Ob Geist, ob Schrift" unter den Protestanten. Bei Ignaz Kohn in Breslau und Neiße ist soeben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: Kleine Zugendbibliothek zur angenehmen und nützlichen Unterhaltung, zur Veredlung des Herzens und Bildung des Verstandes zunächst für die israelitische Jugend von vr. I. H. Jakobson. Erstes Bändchen. In eleg. Umschläge brochirt: Preis 8 Ngr. Der Herr Verfaste.c ist durch seine Leistungen als Volks- und Jugendschriftsteller so vortheilhaft bekannt, daß wir bei Empfehlung des vorliegenden Werkchens nur die Versicherung hinzufügen dürfen, daß dasselbe unbedingt einen Ehrenplatz in der Reihe der besten Jugendschriften ähnlicher Tendenz einnimmt. Bei H. Hunger in Leipzig ist erschienen.: A. Franck, die Kabbala oder die Religions- Philosophie der Hebräer. Aus dem Französischen übersetzt, verbessert und vermehrt von Ad. Jellinek. Mit 1 Kupf. 1844. 2 Thlr. '

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